Upcycling: Schneeberger Designerin macht aus Müll nachhaltige Mode

Franziska Heinze will mit ihrer Kollektion auch Verantwortung für die Umwelt übernehmen. Dafür wird die gelernte Schneiderin im Erzgebirge manchmal schief angesehen.

Schneeberg.

Soll Mode nur schönes Beiwerk ohne tieferen Sinn sein? Diese Frage hat sich Franziska Heinze gestellt und mit ihrer aktuellen Kollektion beantwortet. "Ich will mit meiner Mode auch Verantwortung übernehmen", sagt die Designerin, die an der Fakultät für Angewandte Kunst Schneeberg ihren Bachelor-Abschluss abgelegt hat.

Als "Upcyling" ist diese Art der Wiederverwertung und Neugestaltung schon länger auch im Erzgebirge angekommen. Doch Franziska Heinze geht noch einen ganzen Schritt weiter: "Für die Drucke auf meinen T-Shirts sammle ich Müll, wie zum Beispiel alte Dosen oder auch weggeworfene Kämme."

Wirklich Kämme? "Tatsächlich. Mich wundert auch immer wieder, was die Leute so wegwerfen." Doch nicht nur im Erzgebirge geht die gelernte Schneiderin auf Mülltour. Auch im Urlaub am Strand oder im Wald hat sie eine Tüte dabei und nimmt den Unrat ihrer Zeitgenossen mit. "Ich kann gar nicht anders", sagt die Designerin, auch wenn sie wie im Erzgebirge dafür schon mal schief angeschaut wird.

Doch wie wird aus weggeworfenem Müll ausgefallene Mode? Die Dosen, Kaffeebecher aus Frankreich, den USA oder eben auch die Kämme aus Schneeberg werden gereinigt und mit Farbe bestrichen. Dann kommen sie im Atelier von Franziska Heinze in Schneeberg in eine extra dafür angefertigte Presse. Dann werden die Motive auf T-Shirts gedruckt. Klar, dass diese aus zweiter Hand sind. Jedes Kleidungsstück ist ein Unikat. Mit viel Liebe zum Detail dokumentiert die Designerin auf dem Etikett mit einem Foto den Fundort und die Zeit. Die Verfallsdauer des Materials und eine Probe der gefundenen Plastikflaschen, Dosen und Verpackungen komplettieren die Information.

Es ist ein nachhaltiges Konzept. Müll verschwindet aus der Umwelt und rückt erneut in den Fokus. Das wertlos Weggeworfene soll als Rohstoff entdeckt werden und ein Umdenken in Bezug auf die Müllproblematik anregen. Dass Mode mehr als Kleidung sein sollte, zeigte Franziska Heinze bereits bei ihrer Abschlussarbeit Modedesign an der Fakultät für Angewandte Kunst in Schneeberg. Mit ihrer Kollektion Tikkiroll verfolgte sie das Ziel, sozial benachteiligte Jugendliche in den Kreativprozess zu integrieren. "Ich arbeitete in Berlin mit Straßenkindern zusammen und begeisterte sie, ihre kreative Seite zu zeigen." Der Name ihrer Kollektion Tikkiroll entstand aus den Anfangsbuchstaben der Teilnehmer. Diesem Namen ist die 30-Jährige treu geblieben. Unter dieser Marke verkauft die Designerin ihre T-Shirts über das Internet. Daneben ist sie auch als Schneiderin für historische Kostüme gefragt. So arbeitete sie auch für den Passionsspielverein Zschorlau. Zwar mussten die Aufführungen coronabedingt auf 2021 verschoben werden, aber die Arbeit der Schneebergerin war dennoch nicht umsonst.

www.franziska-heinze.com

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