Uralte Linde in Sosa gefällt: "Wer tut so etwas?"

Bauarbeiter haben vor kurzem in dem Ort einen viele Jahrzehnte alten Straßenbaum zersägt. Anwohner fragen sich, warum. Das Landratsamt hat eine überraschende Erklärung parat.

Sosa.

Für die alte Linde im Eibenstocker Ortsteil Sosa ging es stückchenweise zu Ende. Vor wenigen Tagen waren Bauarbeiter angerückt, um den Straßenbaum mit schwerem Gerät zu fällen. Nur zwei Stunden dauerte es, dann war von dem mächtigen Stamm, der viele Jahre an der Staatsstraße 274 in die Höhe schoss, nur noch ein kleiner Stumpf übrig. Über das Warum der Aktion wird nun spekuliert.

So berichtet eine Frau, die jeden Morgen auf die Linde blickte, wenn sie das Haus verließ, dass der Baum vital und völlig gesund gewirkt habe. "Er war voller Blüten und Bienen." Dass er womöglich ohne triftigen Grund "mir nichts, dir nichts" zersägt wurde, sei eine Schande. Sie fragt: "Wer tut so etwas?"

Auch die Grünen-Kreisrätin Ulrike Kahl hat sich inzwischen in den Fall eingeschaltet und eine Anfrage an das zuständige Landratsamt des Kreises gestellt. Laut ihren Angaben war der Baum vermutlich 200 Jahre alt. Dass er gefällt wurde - inmitten der Vegetationsphase -, kritisiert sie: Offenbar sei einigen Leute nicht bewusst, wie wichtig Laubbäume für das Ökosystem sind. "Ein einziger Baum verdunstet immerhin bis zu 500 Liter Wasser am Tag und leistet damit eine Kühlleistung von bis zu 15 Klimaanlagen", sagt sie. "Es kann nicht unser Ziel sein, nachfolgenden Generationen ausgeräumte Landschaften zu hinterlassen."

Das Landratsamt weist Kritik an der Fällung zurück - und hat eine überraschende Antwort parat. Der Baum sei gefällt worden, weil Gefahr im Verzug war. Wie Mitarbeiter Peter Ludwig berichtet, hatte man einen Riss im Zwieselbereich festgestellt, der auch nicht mit Stangen oder Bändern gesichert werden konnte. Das sei von den Kollegen erst vor Ort bemerkt worden. "Wir standen also vor der Wahl: Absägen oder Äste stürzen auf die Fahrbahn", erklärt er. "Einfach so fällen wir einen alten Baum nicht." Das Alter der Linde gibt er aber nur mit ungefähr 100 Jahren an. Dies habe ein Sachverständigenbüro ermittelt.

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5Kommentare
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  • 0
    1
    aussaugerges
    16.07.2018

    Ich kenne die Feuerholzlager der Bediensteten,vom Fahrer bis zum BM. Ist alles eine Kostenersparnis für das Estheblisment.

  • 1
    0
    Zeitungss
    14.07.2018

    @Tauchsieder: Wie so etwas ausgeht muss hier sicherlich nicht näher beschrieben werden, oder ????

  • 1
    1
    Tauchsieder
    13.07.2018

    Ja dann hilft nur eine Anzeige "Zeitun.....", aber wer stellt sie ?

  • 3
    2
    Zeitungss
    13.07.2018

    @Tauchsieder: So etwas läuft unter dem Begriff BÜROUNFALL und damit ist der Kittel geflickt. Hätte es eine Privatperson "verbockt", würde die volle Härte des Gesetzes zuschlagen, Beispiele wird jeder kennen. Die Begründung von Peter Ludwig hätte im privaten Bereich nicht gegolten, da müsste schon eine kostenintensive Expertenkommission ran und der Bußgeldkatalog wäre in Aktion, kennen wir alle. Es ist letztlich alles Auslegungssache.

  • 5
    3
    Tauchsieder
    13.07.2018

    Wollen wir doch mal gespannt sein wie sich die ortsansässigen Naturschutzverbände dazu äußern. Außerdem, wer erstellte das Gutachten, denn vom 1.3. eines Jahres bis zum 30.9. eines Jahres ist das Baumfällen verboten. Es bedurfte einer Ausnahmegenehmigung zum Fällen, wer hat sie erteilt?



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