Urgestein aus Bernsbach schnitzt an Pyramide Nummer 5 mit

Rudolf Herrmann gehört in seinem Heimatort seit Jahrzehnten zum Schnitz- und Klöppelverein. Dessen Leitung gab er ab. Das Messer allerdings legt er noch nicht aus der Hand - schon gar nicht mit Blick aufs aktuelle Großprojekt.

Lauter-Bernsbach.

Eine sechste Pyramide wird seine Handschrift nicht mehr tragen. Da ist sich Rudolf Herrmann sicher. "Wir müssen erst mal sehen, dass wir die fünfte fertigkriegen", sagt der knapp 80-Jährige und schmunzelt. Er ist ein Urgestein des Bernsbacher Schnitz- und Klöppelvereins. Sein Herz schlägt für die erzgebirgische Volkskunst. Und derzeit fliegen die Späne mal wieder für eine Ortspyramide. Denn eine solche soll künftig in Oberpfannenstiel von der Weihnachtszeit künden.

Das "Gestell" mit drei Etagen ist vorhanden. Nun braucht es noch den Schmuck, sprich die Figuren - und wer schnitzen kann, der weiß: Das dauert am längsten. Die Bernsbacher entschieden sich für besondere Formen: Flachfiguren sollen die Pyramide zieren. Diese muten ein bisschen abstrakt an und wirken auf besondere Weise elegant. Sie sind nicht plastisch ausgeschnitzt, sondern werden aus Bohlen fein und filigran herausgearbeitet, fast nur angedeutet. "Da hat uns der Ehrgeiz gepackt. Wir gestalten nicht nur die Kanten, wie es üblich ist, sondern versehen jede Figur mit Konturen", sagt Stephan Tschisgale, der die Leitung des Bernsbacher Schnitz- und Klöppelvereins vor einiger Zeit von Rudolf Herrmann übernahm.


Der Senior trat altersbedingt kürzer, ist aber jeden Montag im Rathaus mit dabei, wenn sich die Runde aus Schnitzern und Klöpplerinnen in ihrem Domizil trifft. "Achtmal bin ich mit der Gruppe umgezogen", erinnert sich Herrmann. In den 2000er-Jahren fiel die Wahl aufs Erdgeschoss des örtlichen Rathauses, was sich aus mehreren Gründen anbot: Es gibt genügend Platz für das Lagern eigener Exponate, für einen Maschinen- und Werkraum sowie für die Bernsbacher Ortspyramide, an der Herrmann allein dreimal Hand anlegen musste, weil unter anderem Brände Schäden verursachten. Pyramide Nummer 4, die unter anderem Herrmanns Handschrift trägt, dreht sich in Lauter. "Da haben wir vor einiger Zeit - so wie jetzt die Oberpfannenstieler - unsere Lauterer Ortsnachbarn unterstützt und den oberen Teller bestückt."

Für das aktuelle Modell entsteht derzeit die Krippenszene für die untere Etage. "Was noch gewünscht ist - ob christliche oder heimatliche Figuren -, dazu muss sich der Heimatverein Oberpfannenstiel erst positionieren", sagt Stephan Tschisgale. Er ist Anfang 60 und findet es wichtig, die Tradition des Schnitzens vorzuleben und weiterzugeben. In Bernsbach stehen die Chancen mit drei ambitionierten Jungs im Alter von elf und zwölf Jahren gut. "Mal sehen, ob sie durchhalten", sagt Rudolf Herrmann, der kurz nach Gründung der Gruppe 1954 dazustieß - und sie nie wieder verließ. Bis zu 20 Kinder und Jugendliche zählte der Kreis, der nach der Wende in einen Verein überging.

Geleistet haben die Männer um Tschisgale und Herrmann in all den Jahren viel. So schufen sie nicht nur Pyramidenfiguren und Ortstafeln, sondern auch die zehn Tafeln des Dorferlebnispfads, der an namhafte Personen erinnert und erst vor Kurzem komplettiert wurde. "Damit wollten wir dazu beitragen, dem Ort Leben einzuhauchen", sagt Tschisgale. Die aufwendigen Reliefs entstanden ebenso wie der Meisterpokal der Rassegeflügelzüchter unter den Messern des Werkzeugmachers. Zudem organisieren die Schnitzer und Klöpplerinnen Ausstellungen und wirken an Veranstaltungen mit. "So trägt jeder seinen Teil zum Dorfleben bei."

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