Urlauber bleiben Ort seit 56 Jahren treu

Ein Leipziger Ehepaar verbringt seit 1962 seinen Silvesterurlaub in Tellerhäuser. Auch wenn die beiden die halbe Welt gesehen haben, Tellerhäuser bleibt ihre Nummer 1.

Tellerhäuser.

Im Winter 1962/63 war es nicht so einfach, einen schönen Urlaubsplatz zu bekommen - auch nicht, wenn man kleine Ansprüche hatte. Nicht Oberwiesenthal, sondern das eher verträumte Tellerhäuser sollte es für Margrit und Rolf Meyer aus Leipzig sein. Außerdem lehnten die beiden Hotels ab und suchten einen festen Urlaubsplatz, an den sie alljährlich zurückkehren konnten. "Wir suchten eher eine Pension mit Familienanschluss", erinnert sich Meyer. Doch ohne Beziehung ging da gar nichts. Zum Glück hatten die beiden Messestädter diese. "Mein Onkel war Landarzt in Beierfeld und hat immer in der Rühle-Pension in Tellerhäuser Urlaub gemacht", erinnert sich Meyer, der heute 85 Jahre alt ist.

Weil Landarzt Görner die Einwohner seines Urlaubsortes medizinisch betreute, ging natürlich auch ein Weg ran, als er für seinen Neffen aus Leipzig eine Unterkunft über Weihnachten und Silvester suchte. Im Gasthof Schneider begann für das Ehepaar aus Leipzig eine ganz besondere Liebe zu einem Urlaubsort, die ein Leben lang halten sollte. Denn die Meyers, die von einigen sogar spaßig als "Auswärtige Tellerhäuser" bezeichnet werden, kommen bis heute immer wieder an die Grenzwiese zurück. Deshalb wurden die beiden nun zum Abwintern am Samstag von Ortsvorsteher Knut Scheiter für ihre langjährige Treue ausgezeichnet.

Doch die Geschichte von Ehepaar Meyer ging weiter: Sie kamen auch, als Tellerhäuser im Zuge des Prager Frühlings 1968 Sperrgebiet war und bekamen zum Jahreswechsel 1968/69, als der Gasthof überbucht war, ein neues Quartier zugewiesen. "Bei Familie Illing hat es uns so gut gefallen, dass wir dort für immer geblieben sind", sagt Rolf Meyer. Dabei war das Quartier alles andere als eine Luxusherberge. Doch die Meyers störten sich weder am Trockenklo, noch daran, dass sich alle Gäste, die ein Zimmer ergattert hatten, im Wohnzimmer bei Illings trafen. "Das war ein Quartier mit dem gesuchten Familienanhang", so Rolf Meyer und seine Augen leuchten auf, wenn er über Skatrunden, gemeinsam zelebriertes Neinerlaa-Essen spricht, über die Gans, die er und seine Frau gleich aus Leipzig mitbrachten, und über die herrlichen Wintersportmöglichkeiten.

Mindestens zweimal im Jahr fuhren die beiden fortan nach Tellerhäuser. "Über Weihnachten und Silvester immer und dann halt mal im März oder auch mal zum Wandern", so Margrit Meyer, die als Teilkonstrukteur im Chemieanlagenbau gearbeitet hat. Dass Meyers im Laufe der Zeit nicht mehr nur Gäste bei Illings waren, sondern zu Freunden wurden, versteht sich von selbst. So lernten sie beispielsweise dem heutigen Ortsvorsteher Knut Scheiter, der mit der heute 97-jährigen Lotte Illing entfernt verwandt ist, das Skifahren. Von Rolf Meyer habe er außerdem Skat gelernt.

Als sich 1989 die Grenzen öffneten, frönten die Leipziger ihrer Reiselust, sahen nach eigenen Angaben die halbe Welt. "Wir waren beispielsweise in Island, in der Mongolei, in Irland, Vietnam, Amerika und Jordanien", so Maschinenbauingenieur Rolf Meyer.

Auch nachdem sie vor drei Jahren mit dem Langlauf - aus Vernunftgründen - aufgehört haben und bei Illing keine Übernachtung mehr möglich war, lässt sie der Ort nicht los. Jetzt freuen sie sich über die Gastfreundschaft im Erzgebirgsstübel.


"Drei Tage abgeschnitten"

Die Winter-Saison liegt hinter dem Urlaubsort Tellerhäuser. Katja Lippmann-Wagner sprach mit Ortsvorsteher Knut Scheiter.

"Freie Presse": Wie zufrieden sind Sie mit diesem Winter?

Knut Scheiter: Der Winter war für uns sehr gut. Unser Loipenchef Thomas Kohse konnte bereits am 13. Dezember die erste Spur legen. Seither kann man bei uns Skifahren. Auch jetzt sind die Bedingungen in den Loipen noch gut. Außerdem freue ich mich, dass junge Leute die Ortsmeisterschaften im Skilanglauf wiederbelebt haben und unsere Rodelabende im Fackelschein gut besucht waren.

Und wie sah es am Lift aus?

Die Bedingungen dort waren ebenfalls gut. Wir kommen in diesem Winter auf 60 Tage Liftbetrieb - das ist deutlich besser als im Vorjahr. Der gute Winter hat sich natürlich auch auf die Buchungszahlen ausgewirkt. In den Ferien von Berlin/Brandenburg und Sachsen war alles ausgebucht.

Aber Probleme gab es auch?

Die enormen Schneemassen Anfang Januar, als wir bis zu 1,70 Meter Schnee hatten, führten dazu, dass wir drei Tage lang von der Außenwelt abgeschnitten waren. Es kam erstmals keiner nach Tellerhäuser und auch keiner mehr raus. Glücklicherweise war es übers Wochenende, sodass es keine großartigen Versorgungsprobleme gab.

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