Urteil nach Totschlag ohne Hemmungen

Nach der Tötung von Christopher W. in Aue müssen die drei Angeklagten lange Haftstrafen antreten. Zu einer Verurteilung wegen Mordes kam es aber nicht.

Aue/Chemnitz.

13 Monate und 21 Tage nach der brutalen Tötung von Christopher W. (27) in Aue hat die Schwurkammer am Landgericht Chemnitz am Freitag ihr Urteil gesprochen. Ein halbes Jahr hatte der Prozess gedauert. Am Tatort erinnert inzwischen nichts mehr an das grausame Geschehen. Das Abbruchhaus am ehemaligen Güterbahnhof, ein Rest der Wismut-Zeche 20, ist weggerissen, der Boden für neue Gewerbeansiedlungen vorbereitet. Den Tätern aber werden die Ereignisse vom 17. April 2018 in den Köpfen bleiben, sagte die Vorsitzende Richterin Simone Herberger. "Sie haben einen Menschen getötet in menschenverachtender Weise. Mit den Erinnerungen müssen Sie leben."

Terenc H. (27) wurde wegen Totschlags zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht sah in ihm den Initiator des Angriffs. "Er hat die Tat diktiert, den Angeklagten Stephan H. instrumentalisiert, die Wut organisiert und selbst einen erheblichen Beitrag geleistet", sagte Herberger. Terenc H. hatte Stephan H. weisgemacht, dass Christopher W. mit Schuld daran sei, dass H.s Freundin Schluss gemacht hatte. Das trieb diesen zur Weißglut. Als die drei Täter auf ihr Opfer einschlugen, seien sie ohne Hemmungen gewesen.


Stephan H. (22) muss für elf Jahre ins Gefängnis, ebenfalls wegen Totschlags. Das Gericht gewährte ihm eine Strafmilderung, weil er sich bereits am Tag nach der Tat seiner Betreuerin offenbart und so einen Beitrag zur Aufklärung des Verbrechens geleistet hatte. Auch Jens H. (22) soll wegen Totschlags elf Jahre hinter Gitter. Ihm hielt das Gericht zugute, dass er Christopher W. wohl keine tödlichen Verletzungen zugefügt hat. Sowohl Jens H. als auch Stephan H. sollen zunächst zweieinhalb Jahre in den Maßregelvollzug zu einer Entziehungstherapie. Die Behandlung dort sei härter als Strafe, sagte die Richterin, aber auch eine Chance auf ein geregeltes Leben. Bei einem Erfolg der Therapie können beide Verurteilten früher aus dem Gefängnis entlassen werden.

Für Terenc H. kam die Einweisung in die Entziehungsanstalt nicht infrage. Der psychiatrische Gutachter hatte ihn als untherapierbar beurteilt. Alle drei Verurteilten und auch ihr Opfer waren drogenabhängig und konsumierten große Mengen Alkohol. "Sie haben einen getötet, der in Ihren Kreisen gelebt hat, der nichts anderes gemacht hat als Sie auch", sagte die Richterin. Das freilich war nicht viel. "Sie haben den ganzen Tag sinnlos verbracht."

Staatsanwalt Stephan Butzkies hatte für Terenc H. lebenslange Haft wegen Mordes beantragt. Dem folgte das Gericht nicht, weil es keine Heimtücke erkannte. Die Täter hätten keine Überredungskunst, keinen ausgefeilten Plan benötigt, um das Opfer an den Tatort zu bringen.

Wie die Gewalt dort dermaßen eskalieren konnte, blieb ebenso wie ein nachvollziehbares Motiv offen. "Beim Versuch, eine Erklärung für das Ganze zu finden, scheitere ich", sagte Staatsanwalt Butzkies. Richterin Herberger erklärte: "Vielleicht hatten Sie auch kein Motiv und haben unter Alkohol vergessen, dass Sie einen Menschen vor sich haben."

Die Opferberatung Support der Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie Sachsen glaubt, die Antwort zu kennen. In einer zwei Tage vor dem Urteil verbreiteten Erklärung erneuerte sie ihre Einschätzung, es habe sich um eine Tat Rechtsradikaler gegen einen Homosexuellen gehandelt. "Wir gehen ... davon aus, dass Christopher W. ermordet wurde, weil er als junger homosexueller Mann den Tätern nicht als gleich viel wert galt. Enthemmt durch Drogen- und Alkoholkonsum, angestachelt durch Dynamiken in der Gruppe ... gingen die Täter gegen Christopher W. so brutal vor und töteten ihn schlussendlich", heißt es in der Erklärung. Diese Lesart hatte die Opferberatung zuvor schon mit einem angeblichen Zitat zu belegen versucht, das die An- geklagten während der Tat von sich gegeben haben sollten.

Staatsanwalt Butzkies widersprach dieser Darstellung nach der Urteilsverkündung. Nicht jeder, der rechts ist, werde im Zuge einer Straftat von dieser Einstellung getrieben. Ein rechtes Tatmotiv sei im Prozess nicht nachweisbar gewesen. Auch Stephan H.s Homophobie sei nicht der Anlass oder der Auslöser für dieses Delikt gewesen. (mit epd)

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4Kommentare
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  • 7
    5
    Malleo
    08.06.2019

    Black...
    Aber natürlich!
    Von Ihnen Berufsverbot?
    Sie machen sich pausenlos lächerlich.

  • 5
    11
    Blackadder
    08.06.2019

    @Malleo: Haben Sie schon mal was von Richter Maier aus Dresden von der AfD gehört?

  • 11
    4
    Malleo
    08.06.2019

    black...
    Haben Sie schon mal was von der Unabhängigkeit der Justiz gehört, auch in "Ihrem" BL?

  • 6
    14
    Blackadder
    08.06.2019

    Es ist ein Trauerspiel. Zwei Rechter, einer mit Hakenkreuztatoo foltern ein Töten einen Homosexuellen, aber es ist kein Mord und nicht mit den Einstellungen der Täter zu begründen? Sachsen, was ist nur los mit Dir? In den sozialen Netzwerken ist der Teufel los, weil sowas niemandem außerhalb Sachsens mehr zu vermitteln ist. Und wieder ein Stein mehr hinzugefügt zum braunen Ruf meines Bundeslandes.

    Mal sehen was los ist, nachdem ProChemnitz heute Nachmittag offen das Zuckerfest stören will. Wird die Stadt endlich mal einschreiten oder lässt man sie wie immer gewähren?



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