Verein bringt Rentner fast um Wohnung

Ein Mann soll die Miete eines Auers veruntreut haben. Vor Gericht bringt der Angeklagte dafür eine ungewöhnliche Erklärung.

Aue-Bad Schlema.

Das Vertrauen in einen scheinbar sozialen Verein hat einen Auer fast seine Wohnung gekostet. Der 65-Jährige hatte den Vereinschef unter anderem mit der Bareinzahlung seiner Miete beauftragt. Zwar wurde reichlich Geld von dem Girokonto des Auers abgehoben, doch bei der Wohnungsbaugesellschaft kam nur ein Bruchteil an. Schließlich flatterte dem Rentner aufgrund seiner Mietschulden sogar die Kündigung seiner Wohnung ins Haus. Nur weil sein Sohn die ausstehenden Zahlungen übernahm, blieb dem Auer der Auszug erspart.

Doch wie konnte es so weit kommen? "Ich wurde auf den Verein aufmerksam, da dieser versprach, sich um Behördengänge zu kümmern. Durch meine Krankheit und Krankenhausaufenthalte konnte ich mich nicht mehr um alles kümmern", erklärte der Auer. Am Anfang habe auch alles gut funktioniert. "Ich gab dem Vereinschef eine weitreichende Vollmacht, so dass er auch für mich bei Ämtern Anträge stellen konnte." Bereits für seine verstorbene Frau war der Verein tätig gewesen. "Ich hatte daher ein großes Vertrauen", sagt der Rentner.


Als sein Kontostand durch den unregelmäßigen Eingang des Krankengeldes nicht mehr fürs monatliche Abbuchen der Miete ausreichte, traf der Rentner eine verhängnisvolle Entscheidung. "Weil ich immer wieder Mahnungen von der Wohnungsbaugesellschaft bekam, sollte die Miete bar beim Vermieter eingezahlt werden." Doch dieser Plan ging nicht auf. Ein Großteil des Geldes, das der Vereinschef für den Mann abhob, wurde nicht zur Mietzahlung verwendet. Schließlich erfolgte die Kündigung, und der Sohn des Rentners erfuhr von den Schulden. "Ich forderte zudem die Girokarte von dem Vereinschef zurück", erklärt der Sohn. Als er zudem die Kontoauszüge erhielt, versuchte er, die Abhebungen nachzuvollziehen. "Weil die Summe, für die es keinen Verwendungsnachweis gab, so hoch war, stellte ich Anzeige bei der Polizei. Insgesamt ist ein Schaden von 1263 Euro entstanden."

Daher muss sich nun der Vereinschef wegen des Verdachts der Untreue vor dem Amtsgericht Aue-Bad Schlema verantworten. "Ich habe keinen Euro für mich verwendet", stritt der 40-Jährige die Vorwürfe ab. "Einmal habe ich 630 Euro abgehoben. 230 Euro wurden für eine Rechnung des Kleingartenvereins verwendet. Das restliche Geld wollte ich bar bei der Wohnungsbaugesellschaft einzahlen. Doch die Kasse war geschlossen", erklärte der Angeklagte. Da er nicht mit soviel Geld umherlaufen wollte, habe er es in eine Schatulle in der Wohnung des Rentners gelegt. "So eine Kiste gibt es in meiner Wohnung gar nicht", hielt der 65-Jährige entgegen.

Damit aber nicht genug. So versuchte der Angeklagte dem Gericht zu erklären, der Rentner habe das fehlende Geld in einer Kneipe umgesetzt. Zwar hielt dies das Gericht bei der Summe von 1263 Euro in nur vier Monaten für eher unwahrscheinlich, dennoch soll noch der Wirt befragt werden. Dies ist für den 8. August geplant. Dann dürfte auch das Urteil gegen den angeklagten Erzgebirger fallen. Der ist kein unbeschriebenes Blatt. Bereits dreimal war er vom Amtsgericht wegen Betruges verurteilt worden.

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