Vereister Blauenthal-Wasserfall lockt zum Klettern

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Tiefe Temperaturen lassen in Blauenthal einen Sport der besonderen Art zu. Der Spaß daran ist aber nicht ganz ungetrübt.

Eibenstock.

Freitagmorgen am Wasserfall im Eibenstocker Ortsteil Blauenthal: Es sind minus 12 Grad Celsius, die Sonne blinzelt ab und zu durch die Baumspitzen. Michael Scholz und Dominik Schwarz vom Outdoorteam Westerzgebirge legen ihre Klettergurte und die Steigeisen an, nehmen Seile und Eispickel mit. Die beiden wollen Eisklettern. Die frostigen Temperaturen haben den höchsten Wasserfall Sachsens in eine Eiskaskaden-Wand verwandelt.

Michael Scholz, der vor 20 Jahren das Outdoorteam gegründet hat, ist mit der Eisqualität nicht recht zufrieden. Temperaturen um die minus 20 Grad mehrere Nächte hintereinander braucht es seiner Erfahrung nach, bevor sich eine mächtigere Schicht bildet. Vor zwei Jahren war das so, da war das Eis zwei Meter dick. Damit tatsächlich eine Wand zum Klettern am Blauenthaler Wasserfall entsteht, müssen Michael Scholz und seine Mitstreiter vom Outdoorteam nachhelfen. Oberhalb am Toelleschen Graben haben sie ein Wehr gebaut, mit dessen Hilfe das Wasser in die von den Kletterern gewünschte Richtung über den Felsen gelenkt werden kann. Durchkreuzt werden diese Absichten von Leuten, die mit Sandsäcken den Zufluss verändern - "aus Schabernack oder mit böser Absicht", so Scholz. Für die Eiswand bedeutet das, dass sie von weiter zuströmendem Wasser immer wieder unterhöhlt wird.

Trotzdem ist das Aufsteigen auf etwa 30 Meter Höhe an diesem Morgen für Michael Scholz und Dominik Schwarz möglich. Der 51-Jährige gibt dabei dem 17-Jährigen wichtige Tipps für sein "erstes Mal". Er soll vor allem darauf achten, seine Fersen nach außen zu drehen, damit er mit den Steigeisen seinen eigenen Waden nicht zu nahekommt. Den Eispickel soll er "ganz gerade aus dem Handgelenk" in die kalte Wand vor ihm treiben. Der erfahrene Kletterer sichert den 17-Jährigen und ruft ihm auf dem Weg nach oben Hinweise zu. Immer öfter heißt es dann "Jawoll" - Scholz ist zufrieden. "Das hat Spaß gemacht", gibt Dominik Schwarz nach dem Abstieg Auskunft. "Irgendwann habe ich einfach aufgehört, mir über die Höhe Gedanken zu machen."

Der Wasserfall in Blauenthal ist ein Touristenmagnet. Auch gestern Vormittag waren viele Wanderer dort unterwegs, gespannt verfolgten sie das Eisklettern. Das ist jedem zwar erlaubt, doch Scholz warnt vor den Risiken: "Es gibt Leute, die meinen, dass sie das können, nachdem sie mal in der Halle klettern waren. Aber das hier mit dem Eis ist etwas ganz anderes", sagt der 51-Jährige.

Das Outdoorteam hat bislang 27 Kletterfelsen in der Region erschlossen. Scholz, der als Streetworker im Kreisjugendring tätig ist, zieht jedes Jahr mit Jugendlichen los, um diese Felsen und deren Umgebung sauber zu halten.

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