Verrücktes Blitzerfoto aus Aue bleibt ohne Strafe

Eine Radaranlage hielt im vergangenen Jahr eine gewagte Aktion mehrerer Leute in einem Fahrzeug fest. Wohl ein Jux, den die Stadt aber gar nicht witzig findet. Warum das für die Beteiligten dennoch keine Konsequenzen hat.

Aue.

Sie sitzen auf dem Fahrzeugdach eines VW-Transporters, halten dem Fahrer die Augen zu und grüßen lässig aus der geöffneten Seitentür in die Radarfalle: Das sind die Zutaten für ein verrücktes Blitzerfoto, das im Sommer vergangenen Jahres Schlagzeilen machte.

Entstanden ist es in einer Februarnacht in Aue, genauer auf der Bundesstraße 101. Dort steht in Richtung Lauter seit langem in einem Tempo-70-Bereich eine Radaranlage, die mit dem Bild von dem Transporter - in und auf dem insgesamt acht Personen sitzen - wohl die kurioseste Raseraufnahme ihrer Geschichte schoss. Mit Konsequenzen müssen die Beteiligten aber wohl nicht rechnen: Die Polizei hat ihre Ermittlungen nach eigenen Angaben inzwischen nämlich eingestellt.

Die Stadtverwaltung, die den Blitzer betreibt und die Aktion tadelt, hatte das Foto damals an das Polizeirevier weitergeleitet. Dass Fahrer und Mitfahrer nun ohne Strafe davon kommen, kommentiert die Stadtsprecherin Jana Hecker so: "Es war fast zu erwarten." Zwar gebe es sicher schlimmere Straftaten, sagt sie, aber die Personen hätten nicht nur sich selbst, sondern auch Dritte gefährdet. "Wenn ich dem Fahrer die Augen zuhalte, hat dieser keine Kontrolle mehr über das Fahrzeug. Man sollte darüber nachdenken, was dabei passieren kann."

Obwohl auch die Polizei von einer Straftat ausging, liefen die Ermittlungen ins Leere. Wie ein Sprecher erklärt, konnten die Verdächtigen schlicht nicht ermittelt werden - und das, obwohl bei einer internen Fahndung mit Bild im Intranet der Polizei Hinweise von Kollegen eingegangen waren. "Auch zum Fahrzeug selbst konnten keine Erkenntnisse erlangt werden", so ein Sprecher. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren deshalb eingestellt.

Über ein Boulevardblatt war das Blitzerfoto im vergangenen Jahr veröffentlicht worden. Betitelt wurde es mit den Worten: "Blitzblöd! Diese Raser sind nicht zu fassen". Und weiter: "Mit Tempo 85 bretterte der VW-Transporter mit der durchgeknallten Männerrunde mit voller Absicht in die Radarfalle."

"Freie Presse" zeigt das Foto aus rechtlichen Gründen nicht. Denn wie eine Sprecherin der Polizei bereits im vergangenen Jahr erklärte, sei es zwar authentisch, aber gegen den Willen der Beamten publik geworden. Und eine Öffentlichkeitsfahndung komme nur bei Straftaten von erheblicher Bedeutung in Betracht, hieß es.

Das gilt auch jetzt noch. Auf Anfrage erklärt die Staatsanwaltschaft: Für eine öffentliche Fahndung gebe es keine "Ermittlungsansätze".

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1Kommentare
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  • 4
    1
    440214
    22.02.2019

    Na wenn das nicht zu Nachahmer-Taten animiert ... oder war da etwas ein Söhnlein einer bekannten Person involviert?



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