Verwitwete geben ihrer Trauer Raum

Der Hospizdienst "Zion" in Aue richtet erstmals speziell einen Kurs für Trauernde aus, die ihren Lebens- oder Ehepartner verloren haben. Das "Prinzip Hoffnung" soll dabei Wege durch den Schmerz aufzeigen.

Aue.

Menschen, die ihren Partner oder ihre Partnerin verlieren, fällt das Verarbeiten dieses Verlusts oft sehr schwer. Ihnen ist ein Wochenende gewidmet, mit dem der ambulante Hospiz- und Palliativdienst "Zion" aus Aue eine Premiere wagt. "Wir bieten das Wochenende für Verwitwete das erste Mal an", sagt Trauerbegleiterin Sylvia Korb, die mit Gabriele Pinther - ebenfalls Trauerbegleiterin - den Teilnehmern unterm Motto "Prinzip Hoffnung" in der Trauer zur Seite stehen will.

Eine große Herausforderung. Das Diakonissenhaus "Zion" als Tagungs- und Rüstzeitenstätte sowie Herberge bietet beste Voraussetzungen für das Wochenende. Vier von idealerweise acht und maximal zwölf Plätzen im ersten Kurs dieser Art in Aue sind vergeben. Die Idee entwickelten Korb und Pinther innerhalb von einem Jahr. "Die Trauer um einen Lebensgefährten oder Ehepartner verläuft anders als die Trauer etwa um ein Kind, einen Freund oder die Eltern." Eine Gemeinsamkeit gibt es aber, wissen die Frauen: Es ist ein Prozess.

Das Wochenende soll Teil des Prozesses sein und den Teilnehmern die Chance geben, außerhalb ihres Umfelds nachzudenken, miteinander ins Gespräch zu kommen und Dinge zu besprechen. "Wir wollen Betroffenen Raum geben und Begegnungen schaffen", sagt Pinther. Das reiche oft aus, um die Trauerarbeit in Gang zu setzen. "Erinnern an den Partner, Erlebnisse ins Gedächtnis rufen - solche Dinge."

Weniger als drei Monate sollte der Verlust nicht zurückliegen. In die andere Richtung ist die Zeitspanne unbegrenzt. Korb: "Das Umfeld erwartet in der Regel spätestens nach dem Trauerjahr Normalität, fragt kaum noch oder nicht mehr nach." Doch Trauernde brauchen oft länger, um den Verlust zu verkraften und damit umzugehen. "Teils mehrere Jahre - und das zweite Jahr trifft manche oft viel schlimmer als das erste", sagt Pinther, die in der Kursrunde Impulse setzen will.

Einzel- und Gruppengespräche seien geplant. Die Konfession spiele keine Rolle. Aber die Anbindung an den Glauben sollen Andachten trotzdem offerieren. Diakon Andreas Korb unterstützt den Kurs. Der Glaube an Gott - in der Trauer, sagt Pinther, suchen Betroffene darin Trost und Halt. "Gott ist für sie Rückhalt. Und die Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende ist." Getrauert werde trotzdem - ebenso wie bei jenen, die nicht an Gott glauben. "Durchleben muss es am Ende jeder", so Korb.

Auch gehe es im Kurs darum zu lernen, aus Erinnerungen an Ereignisse in Zweisamkeit Kraft zu ziehen. Ein eigenes Leben aufbauen, neue Perspektiven verfolgen, dabei aber auch über den Verlust sprechen und nichts verdrängen - Trauerarbeit ist nicht leicht. "Speziell in diesem Kurs wollen wir Verwitweten zur Seite stehen", sagt Korb.

Das Wochenende für Verwitwete im Diakonissenhaus "Zion" in Aue findet vom 20. bis 23. September statt. Infos unter Ruf 03771 274103 oder E-Mail: info@zion.de.

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