Viele Wege führen zu Cranach

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Die Kirchgemeinde Schneeberg gehört zu inzwischen 14 Partnern, die die Werke des Renaissance-Malers seit 2011 einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Mit dem Flügelaltar beherbergt St. Wolfgang eines der bedeutendsten Werke.

Schneeberg.

362 Flandrische Goldgulden hat das Herzstück der St.-Wolfgangs-Kirche in Schneeberg einst gekostet. Umgerechnet wäre das heute eine Millionensumme, sagt Frank Meinel, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde der Bergstadt. Schneeberg erlangte dank des Silberbergbaus im 15. und 16. Jahrhundert großen Reichtum. So gab die prall gefüllte Stadtkasse eine Anschaffung her: Die Rede ist vom Flügelaltar aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren (1472 bis 1553).

Dieser Tage rückt das Werk des herausragenden Malers der deutschen Renaissance in den Fokus. Die Initiative "Wege zu Cranach" begeht ihr zehnjähriges Bestehen. Einer dieser Wege führt seit März 2011 ins Erzgebirge. Meinel: "Wir waren als Gemeinde und damals als einziger kirchlicher Träger eines der acht Gründungsmitglieder." Zu Letzteren gehören unter anderem Cranachs Geburtsstadt Kronach, wo die Städtekooperation unter Leitung von Kerstin Löw sitzt, sowie Wittenberg und Eisenach. Im Laufe der Zeit kamen etwa Erfurt, Nürnberg, Meißen und zuletzt Aschaffenburg dazu. Die aktuell 14 Partner eint, dass Museen, Sammlungen oder Kirchen Werke Cranachs beherbergen. Der Blickfang in Schneeberg ist nicht nur wegen seiner Maße imposant. Meinel: "Es ist zweifellos eines der bedeutendsten Werke." Es ist der früheste und umfänglichste Reformationsaltar aus der Wittenberger Werkstatt, in der Cranach ab 1505 Hofmaler von Sachsens Kurfürsten war.

Wie heute ein Fotograf fasste er damals die Themen der Zeit in etliche Bilder und war als Freund Martin Luthers Wegbegleiter der Reformation. Der Flügelaltar, der von 1532 bis 1539 entstand, stellt auf zwölf Bildtafeln wesentlichen Bibelinhalt in einen theologischen Zusammenhang. Die Werktags-Ansicht vermittelt "Gesetz und Evangelium", während die aufgeklappte Sonn- und Festtagsansicht als zentrales Motiv die Kreuzigung Christi zeigt. Die Rückseite widmet sich dem Leben nach dem Tod - mit Sintflut, "Sodom und Gomorra" sowie der Botschaft von der Auferstehung. Dabei setzte der Meister nicht jeden Pinselstrich selbst. "Er hatte Gesellen, die ihn unterstützten", so Meinel. Nach dem Luftangriff am 19. April 1945 brannte der Bergmannsdom fast gänzlich nieder. Mutige Schneeberger retteten unter dem Einsatz ihres Lebens elf der zwölf Tafeln vor den Flammen. Dem dunklen Kapitel folgte die aufwändige Restauration in Dresden, ehe der Altar 1996 in (fast) voller Pracht zurückkehrte. Das Kirchenklima kommt den sensiblen Bildtafeln übrigens entgegen. Da es keine Heizung gibt, wärmt sich der sakrale Bau im Jahreszeitenwechsel langsam auf und kühlt auch langsam ab. "Trotzdem schaut einmal pro Jahr ein Denkmalpfleger nach, ob alles in Ordnung ist."

Die Initiative "Wege zu Cranach" hat inzwischen hunderte Werke erfasst und will sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Meinel wirkt im wissenschaftlichen Beirat mit, der sich unter Mitarbeit kunsthistorischer Experten der authentischen Pflege des Cranach-Erbes widmet. Eine andere Arbeitsgruppe vermarktet die Cranach-Stätten touristisch. In genauen Zahlen kann Meinel den Zustrom für Schneeberg nicht ausdrücken. "Aber wir merken, dass die Initiative Besucher zu uns bringt, da wir oft darauf angesprochen werden."

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