Vom Paukenträger zum Geschäftsführer

Marco Ziegenrücker bekleidet im Musikkorps der Bergstadt Schneeberg eine tragende Rolle. Und er spielt inzwischen sogar ein Instrument.

Schneeberg.

Das Spielen eines Instruments und das Lesen von Noten hat Marco Ziegenrücker nie gelernt. Das Musikkorps der Bergstadt Schneeberg, zugleich Landesbergmusikkorps Sachsen, hatte es dem jungen Mann trotzdem sofort angetan. Zu diesem Orchester stieß Ziegenrücker über einen Aushilfsjob. "Ich wurde gefragt, ob ich zur Parade in Leipzig ersatzweise die Pauke tragen kann." Damit war der Anfang gemacht - inzwischen ist er sogar Geschäftsführer des renommierten Ensembles.

Im 60-köpfigen Orchester um Dirigent und Landesbergmusikdirektor Jens Bretschneider gibt es auch außer dem Musizieren viel zu tun. Auftritte wollen geplant und organisiert, Termine koordiniert und Verträge aufgesetzt werden. "Ich wuchs langsam hinein", sagt Ziegenrücker, der als Sachbearbeiter im Landratsamt tätig ist und im Februar 2015 ins Musikkorps eintrat. Es dauerte nicht lange, da war bei einer Probe die große Trommel unbesetzt. "Ich musste ran." Mit mäßigem Erfolg, was seinen Ehrgeiz weckte. "Ich eignete mir dieses Instrument samt der entsprechenden Schlagzeugnoten autodidaktisch an." Nach und nach wurde es besser. Und so hat Ziegenrücker im Wechsel mit anderen nun einen festen Platz an der großen Trommel und teils am Becken.

Er wollte aber mehr und stellte sich 2016 zur Vorstandswahl. Im ersten Anlauf klappte es nicht. Doch im September des Folgejahrs rückte er in den Vorstand auf, weil ein an-deres Mitglied ausstieg. "Ich wurde zweiter Geschäftsführer." Und eine Art Mädchen für alles mit Blick auf die Organisation. Als der langjährige und verdienstvolle Geschäftsführer Roland Böhm krankheitsbedingt pausieren musste, führte Ziegenrücker ab Herbst 2017 dessen Geschicke kommissarisch weiter. Es galt, Auftritte zu organisieren, mit den Veranstaltern in Kontakt zu treten, Fahrtkosten abzurechnen und vieles mehr. "Ich habe mich reingefitzt und Spaß daran", so der 28-Jährige über das Aufgabenfeld, das er im April dieses Jahres per turnusmäßiger Wahl voll übernahm.

Die Weihnachtszeit sei am stressigsten. Im Jahr 2018 zählte Ziegenrücker 89 Auftritte - in großer Besetzung und für kleinere Formationen des Musikkorps. "Das will organisiert sein", so der Schneeberger, der um die fünf Stunden pro Woche ins Ehrenamt investiert, die Facebookseite des Vereins betreut und privat Akkordeon und Steirische Harmonika spielt. "Auch selbst beigebracht und für den Hausgebrauch okay", sagt Ziegenrücker und schmunzelt. Seiner Freundin schenkte er reinen Wein ein: "Das Musikkorps geht im Zweifelsfall vor. Immerhin trage ich eine gewisse Verantwortung, der ich gerecht werden will." Für ihn sei das Orchester wie eine zweite Familie. "Ich wurde herzlich aufgenommen."

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