Von kantiger Musik bis Kuschelklassik

Die Erzgebirgische Philharmonie Aue startet am heutigen Sonnabend mit Jean Sibelius in die neue Konzertsaison. Die Spielzeit 2019/2020 bringt unter anderem eine große Bruckner-Sinfonie, viel Populäres und Filmmusik.

Aue.

Die Serie der zehn Philharmonischen Konzerte der neuen Saison beginnt am heutigen Sonnabend, 19.30 Uhr im Auer Kulturhaus mit einer viel gespielten sinfonischen Dichtung. "Finlandia" op. 26 von Jean Sibelius bringt die Erzgebirgische Philharmonie Aue zu Gehör, und die suggestiv-kantige Musik beschreibt den Freiheitswillen der Einwohner des kleinen skandinavischen Landes, das ein russisches Großfürstentum war und nach Unabhängigkeit strebte. Stilistisch gibt es in der Musikliteratur nichts Vergleichbares.

An zweiter Stelle erklingt das melancholische, fremdartig und geheimnisvoll fluoreszierende Konzert für Englischhorn und Orchester (1989) des lettischen Komponisten Peteris Vasks. Solist ist Tobias Schmitt, Oboist der Erzgebirgischen Philharmonie. Zuletzt ist zum Saisonauftakt die belebend dahinströmende, schwelgerische Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 43 von Jean Sibelius zu hören. Orchesterchef Naoshi Takahashi ist Dirigent des ersten Konzertabends der neuen Spielzeit.

Jene könnte unter die Überschrift Kuschelklassik kontra Dissonanz-Gewitter gestellt werden. Im Februar zum Beispiel steht die aggressive Konzertsuite op. 19 aus Béla Bartóks "Der wunderbare Mandarin" auf dem Programm. Sie entführt in die oft ungeschönte, faszinierende Klangwelt des 20. Jahrhunderts, fern jeder stereotypen Kuschelklassik, wie sie zuvor mit der Ouvertüre zu Franz Lehars Operette "Das Land des Lächelns" erklingt. Der Komponist wird gern unterschätzt - zu Unrecht. In diesem Konzert ist auch Alexander Borodins grandiose sinfonische Dichtung "Eine Steppenskizze aus Mittelasien" zu hören, die die völlig Stille und malerische Wüstenwelt in klingende Bilder setzt.

Das größte Werk der Saison ist die monumentale Sinfonie Nr. 4 Es-Dur von Anton Bruckner, mit der die Philharmonie an ihre Grenzen geht. Diese Natursinfonie gehört zum Besten zu diesem Thema. Sie ist im März 2020 dran. Ebenso selten und von höchster Qualität ist das einen Monat später zu hörende Konzertstück für vier Hörner und Orchester von Robert Schumann. Die Solisten sind Musiker des Leipziger Gewandhauses. An jenem Abend ist ebenso die froh-enthusiastische Sinfonie Nr. 2 G-Dur (1908) des leider vernachlässigen Dresdner Spätromantikers Paul Büttner zu hören. Vormerken sollten sich Musikliebhaber indes auch bereits den November und die kaum gespielte Sinfonie Nr. 1 d-moll op. 13 von Sergej Rachmaninow, dessen 2. Sinfonie und vier Klavierkonzerte Welterfolge sind. Das Weihnachtskonzert in der Auer Kirche St. Nicolai präsentiert diesmal vorwiegend kaum bekannte, aber hörenswerte, verträumte Musik von Komponisten wie Johann David Heinichen und Mili Balakirevs selten gespielte folkloris- tische "Ouvertüre über drei russische Themen".

Junges Publikum soll mit dem 6. Philharmonischen Konzert "Kino für die Ohren - ein Abend der Filmmusik-Klassiker" angelockt werden. Der Annaberger Theater-Intendant Ingolf Huhn moderiert das Ganze. Zu hören ist als Besonderheit das Violinkonzert von Erich Wolfgang Korngold. Weiter erklingt Musik aus James-Bond-Filmen und anderen Streifen, in denen klassische oder spätromantische Musik verwendet wurde. Im Mai widmen sich die Philharmoniker der französischen Musik. Ein Außenseiter dieses Genres, aber unverwüstlich, ist die scharf konturierte Sinfonie d-moll von César Frank. Selten zu hören ist die temperamentvolle "Symphony espagnole" von Edouard Lalo für Violine und Orchester. Den Solopart bestreitet der Konzertmeister der Erzgebirgischen Philharmonie, Michael Schmidt.

Zum Abschluss im Juni erlebt das Publikum in Aue Absolventen eines Dirigierseminars der Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber" Dresden. Musikalisch widmet sich das 10. Konzert ganz dem Gängigen und wartet mit der berühmten "Unvollendeten" (Sinfonie h-moll op. posth.) von Franz Schubert auf. Mit dem Klavierkonzert a-moll des Norwegers Edvard Grieg erleben die Zuhörer ein besonders eingängiges Werk.

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