Warme Tage lassen Borkenkäfer erwachen

Forstbezirk Eibenstock verzichtet weiter auf Pflanzenschutzmittel

Eibenstock.

Draußen ist es deutlich wärmer geworden. Das lässt auch die Borkenkäfer erwachen und sich auf Partnersuche begeben. "Zuerst fliegen die männlichen Käfer die Bäume an und bereiten eine Kammer für die Paarung vor. Schon bald folgen die weiblichen Käfer", erklärt Michael Pfalz, Sachbearbeiter Öffentlichkeitsarbeit im Forstbezirk Eibenstock.

In der hiesigen Region erweisen sich zwei Borkenkäfer-Arten als Plage: der rund fünf Millimeter große Buchdrucker und der deutlich kleinere Kupferstecher. "Beide haben sich auf die Gemeine Fichte als Wirtsbaumart spezialisiert und können so in Reinbeständen immensen Schaden anrichten", sagt Pfalz. Nach der Paarung fressen die Weibchen unter der Rinde einen Gang, an dessen Wände sie bis zu 100 Eier legen. Sind die Larven geschlüpft, fressen auch sie sich unter der Rinde entlang, bis sie sich verpuppen. Der fertige Jungkäfer bohrt sich laut Pfalz acht bis zehn Wochen nach dem Ausflug der Elterngeneration ins Freie. "Die Fraßgänge abertausender Larven unterbrechen lebenswichtige Leitungsbahnen der Bäume." So sterben diese ab. Hinzu komme die andauernde Trockenheit. Dadurch seien die Bäume geschwächt, könnten kein Harz zur Abwehr der Borkenkäfer produzieren. "Auch umgestürzte oder gebrochene Bäume dienen als Brutstätten für weitere Borkenkäfergenerationen", so Pfalz.

Daher seien Forstbedienstete damit beschäftigt, solche Brutherde in den Wäldern zu finden und zu beseitigen, um das weitere Ausbreiten des Käfers einzudämmen. "Unterstützt werden die Förster von Fachkollegen, die im Ruhestand sind", berichtet Pfalz. "Jedes forstliche Augen- paar wird gebraucht, denn nach den trockenen Jahren 2018 und 2019 schlummern Milliarden Käfer in den Wäldern rund um Eibenstock."

Obwohl nach Meinung der Forstleute derzeit mehr Borkenkäfer aktiv sind als je zuvor, hält der Forstbezirk daran fest, keine Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Es wird weiter auf personalintensive Suche nach Befallsherden, auf schnelles Aufarbeiten, waldfernes Lagern und zügigen Abtransport des Käferholzes gesetzt. Die Aufarbeitung soll demnächst beginnen. "Eine Begehbarkeit des Waldes wird für Erholungssuchende aber weitestgehend möglich sein", erklärt Pfalz. Auf lange Sicht könne solch spezialisierten Schädlingen indes nur mit einer größtmöglichen Baumartenvielfalt begegnet werden. (kjr)

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