Warnstreik der RVE-Busfahrer: Einige Schüler bleiben zu Hause

Im Regionalverkehr ist es am gestrigen Mittwoch zu Behinderungen kommen. Ein befürchtetes Chaos im Schülerverkehr blieb aber weitgehend aus. Für den Arbeitsausstand gibt es Verständnis und Kritik.

Aue/Schwarzenberg.

Lange Gesichter an den Bushaltestellen in der Region. Dem Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi sind am gestrigen Mittwoch auch mehrere Busfahrer der Regionalverkehr Erzgebirge GmbH gefolgt. Vielerorts standen die Busse deshalb still.

Einer der betroffenen Fahrgäste war Fabian Seifert. Der 19-Jährige wollte vom Auer Postplatz aus mit dem Bus zu seiner Schule nach Annaberg-Buchholz fahren. Doch stattdessen hieß es erst einmal: Warten. Der junge Mann sieht die Ausfälle dennoch gelassen. "Wir wurden gestern in der Schule über den Streik informiert", sagt er. "Ich finde es gut, dass die Busfahrer für bessere Löhne streiken." Dadurch hatte er insgesamt zwei Stunden Unterrichtsausfall, allerdings war es ihm dadurch auch möglich, sich besser auf die restlichen Fächer am Tag vorzubereiten. Selbst die Lehrer in der Schule hätten gesagt, dass die zwei Stunden Unterrichtsausfall kein großes Problem seien.

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Mit dem Warnstreik, der von Schichtbeginn bis 8 Uhr lief, sollte der Forderung nach einer Lohnerhöhung Nachdruck verliehen werden. Derzeit bekämen Busfahrer mit Beginn ihrer Tätigkeit einen Stundenlohn von 12,30 Euro. Verdi fordert hingegen 15,66 Euro. Vor den Toren des Betriebshofs des RVE in Annaberg hatten sich am Morgen schätzungsweise 50 Mitarbeiter versammelt. Auch Beschäftigte anderer Verkehrsgesellschaften in Sachsen waren zum Streik aufgerufen.

Das von einigen Leuten im Vorfeld befürchtete Chaos im morgendlichen Schülerverkehr blieb in der Region aber offenbar weitgehend aus. Viele Eltern hatten sich bereits darauf eingestellt, einige sprangen als "Elterntaxi" ein.

Die Schulleitung der Grundschule in Schwarzenberg-Neuwelt hatte aufgrund der Zeitungsmeldung den Eltern bereits über die Kinder vorsorglich ein Schreiben mitgegeben. Die meisten Eltern haben daraufhin ihr Kind selbst zum Unterricht gebracht oder Fahrgemeinschaften gebildet. "Und die wenigen, die nicht kamen, gelten als entschuldigt", sagt Schulleiterin Nadin Sedelmaier.

An der Grundschule Eibenstock hatte am Morgen nur ein Kind gefehlt. Größere Probleme mit der Anreise habe es sonst nicht gegeben, sagt eine Mitarbeiterin. Auch hier wurden spontan Fahrgemeinschaften gebildet, um die Sprösslinge zur Schule zu bringen.

Unbeeindruckt vom Streik im regionalen Linienverkehr liefen am Clemens-Winkler-Gymnasium in Aue gestern die schriftlichen Abiturprüfungen im Fach Englisch an. "Es hatte keine Auswirkungen. Wir konnten Punkt 8 Uhr beginnen", so Schulleiter Mike Wolter. Wenngleich es in den niedrigeren Klassenstufen ein paar wenige Schüler gegeben habe, die sich etwas verspäteten.

Ein ähnliches Bild am Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium in Schneeberg. "Zur Englisch-Prüfung waren alle pünktlich", sagt die Leiterin Adlin Elle. Nur vereinzelt habe es Fälle gegeben, dass sich Schüler wegen des Warnstreiks verspäteten. "Zwei konnten gar nicht kommen, weil die Eltern nicht als Fahrer einspringen konnten."

An der Oberschule "Katharina Peters" in Zwönitz waren die Auswirkungen hingegen deutlicher spürbar. Viele Schüler aus Geyer seien gar nicht gekommen, berichtet die Schulleiterin Sylvia Schönherr. Mehrere Kinder aus dem Ortsteil Brünlos hätten auf den Bus warten müssen und seien deshalb verspätet erschienen. Sie fragt sich deshalb: "Muss man den Streik ausgerechnet ganz früh machen, wenn die Kinder in die Schulen müssen?" Falls ein Arbeitsausstand notwendig sei, könne man diesen doch später beginnen. "So kommt jedenfalls eine gewisse Unruhe in die Schulen." (mit matu)

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