Warum in Neustädtel mehr als 160 Pappeln fallen

An der Bundesstraße 169 werden seit Montag mehrere Bäume gefällt. Fachleute erklären das mit Sicherheitsgründen.

Schneeberg.

Motorsägen heulen auf, Äste knarzen: An der Bundesstraße 169 in Schneeberg-Neustädtel im Bereich der Ziegeleiweisen werden seit Montag Pappeln gefällt. 162 an der Zahl, teilt der Bundesforst mit. Und das aus Sicherheitsgründen, wie es heißt. Die Pappeln nahe des Chausseehauses gehören zur Naturerbefläche "Hartmannsdorfer Forst", die von der DBU-Naturerbe GmbH als Tochterunternehmen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) betreut wird. Auf dem ehemaligen Militärgelände sollen wertvolle Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten bewahrt werden - dazu sind mitunter helfende Eingriffe nötig. So auch mit Blick auf die Pappeln, die einen Durchmesser von 21 bis 67 Zentimeter haben.

"Die Bäume genügen nach eingehender Prüfung den Sicherheitsanforderungen nicht mehr und stellen eine Gefahr auch für den parallel verlaufenden Radweg dar", erklärt Werner Wahmhoff, fachlicher Leiter des DBU-Naturerbes. Sabine Haas, zuständige Revierleiterin vom Bundesforstbetrieb Thüringen-Erzgebirge, unter dessen Aufsicht ein Forstunternehmen die Pappeln fällt, bestätigt das. "Diese Baumart ist häufig verkehrsgefährdend." Pappeln hätten weiches Holz und seien anfällig für Schädlinge.

Die Krux: Schäden am Baum sieht man von außen nur schwer, manchmal gar nicht. "Oft fallen Pappeln und auch Birken einfach um, ohne dass Vorzeichen zu erkennen waren", erklärt Haas. Zweimal pro Jahr gibt es eine Kontrolle. "Und dabei stellten wir fest, dass wir handeln müssen." In Abstimmung mit DBU und Landratsamt Erzgebirge erfolgt nun das Fällen der Bäume. Bewusst im Winter, weil das der Natur am wenigsten schade. "Vögel haben keine Nester in den Pappeln, die zerstört werden könnten. Die Vegetation ruht und die Bäume stehen nicht im Saft", so die Revierförsterin.

Einige Bürger befürchtet indes, dass nicht nur Pappeln der Säge zum Opfer fallen. Revierförsterin Haas dazu: "Es müssen einige wenige Bäume weichen, die den Fluchtweg oder Arbeitsbereich beim Fällen versperren. Anders lässt es sich leider nicht realisieren." Ersatzpflanzungen seien nicht nötig. Die Natur hat bereits für Nachwuchs gesorgt. So sprießen unter den Pappeln Jungpflanzen und -bäume wie Eiche, Birke, Ahorn, Weide, Hasel und Hainbuche. "Diese ergeben einen wesentlich vielfältigeren Lebensraum für Vögel, Insekten und andere Tiere als die vormals gepflanzte Pappelmonokultur."

Aufgrund der Fällarbeiten bleibt am heutigen Dienstag die B169 vom Abzweig S 274 in Richtung ehemalige Kaserne gesperrt. Am Donnerstag und Freitag ist die S 274 zwischen Chausseehaus/B 169 bis Einmündung K 9133/Kuchenhaus voll gesperrt. Die Umleitungen sind jeweils über den Steinbruch Süß (B 169-K9170) ausgewiesen.

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