Weihnachtsmann gibt Vollgas für krebskranke Kinder

Thomas Hänel bringt am Heiligabend nicht nur Geschenke. Er sammelt auch welche ein. Aus gutem Grund. Nun startet sein nächstes Projekt. Und das ist in mehrfacher Hinsicht besonders.

Wolkenstein.

Weihnachten bedeutet vor allem eins: Zusammensein - im Kreis der Familie. Das ist bei Thomas Hänel nicht anders. Doch irgendwie auch schon. Der 37-Jährige ist am Heiligabend nicht nur bei Verwandten ein gern gesehener Gast. Er besucht seit Jahren fast ein Dutzend Familien. Mit Rauschebart und rotem Mantel mimt er den Weihnachtsmann und überbringt Kindern Geschenke. Strahlende Augen als Dank sind ihm dabei Gegenleistung genug. Doch ein Schlüsselerlebnis änderte alles.

Seit nunmehr 18 Jahren verkleidet sich der Jahnsbacher in der Adventszeit als Ruprecht. Angefangen hat alles mit einem befreundeten Pärchen. "Die haben einen Weihnachtsmann gesucht. Ich war wohl so gut, dass sich das rumgesprochen hat", sagt Hänel. Aus einer sind jährlich zehn Familien geworden "Ich bin Single, habe selbst keine Kinder. Anders wäre das gar nicht machbar."

Löchernde Fragen, wahnwitzige Ausreden und Kinder, die ihn fesseln wollten - Jahr für Jahr erlebt er als Weihnachtsmann Momente, die ihn sprachlos machen. Doch ein anderer Augenblick führte dazu, dass Hänel nicht mehr nur Geschenke bringt, sondern auch welche einsammelt - für krebskranke Kinder. Zum Geburtstag eines Freundes auf dem Lausitzring lernte er "Nascar hilft" kennen. Das Team um Pilot Jan Wätzig bietet in Zusammenarbeit mit dem Dresdener Verein "Sonnenstrahl" Familien mit krebskranken Kindern ein Abenteuer weit weg vom Klinik-Alltag. Als Beifahrer dürfen die Kinder in den PS-Boliden über den Asphalt brettern.

Das Schicksal eines Jungen berührte Hänel derart, dass er 2016 bei seiner Ruprecht-Tour durch das Erzgebirge Spenden für den Elternverein krebskranker Kinder sammelte. 750 Euro kamen zusammen. Die anschließende Resonanz war so groß, dass im zweiten Jahr alle Erwartungen übertroffen wurden. Hänel musste während der Adventszeit 2017 sogar eine Facebook-Gruppe - "Thom hilft", mittlerweile fast 900 Mitglieder - gründen, um die Flut an Geld- und Sachspenden, die wiederum versteigert wurden, zu bewältigen. Der Weihnachtsmann konnte dem Elternverein am Ende einen Scheck in Höhe von 13.100 Euro übergeben.

Nun - pünktlich vor dem ersten Adventswochenende - schloss sich für Hänel der Kreis. Am Samstag startete er seine dritte Spendenaktion. Diesmal will er neben dem Elternverein auch direkt "Nascar hilft" unterstützen. Das Renntaxi hat seit 2012 einen festen Platz bei "Sonnenstrahl" und seither mehr als 2000 Gäste mitgenommen. In diesem Jahr waren 45 Familien zu Gast am Lausitz- und Sachsenring. "Obwohl wir schon tolle Unterstützung bekommen, macht es viel Arbeit, das Projekt finanziell zu stemmen", sagt Wätzig. In sein Cockpit ist auch Hänel schon eingestiegen. Er kennt das Gefühl des schnellen Glücks. "Der kleine Jam leider noch nicht", so Wätzig. Der Dreijährige leidet an einem Augentumor, konnte bei seinem diesjährigen Besuch aus Altersgründen nicht im 520 PS starken BMW V8 Star mitfahren. "Das soll sich 2019 ändern", hofft der Wolkensteiner. Damit Jam und andere krebskranke Kinder auch weiterhin über den Asphalt donnern dürfen, gibt der Weihnachtsmann selbst Vollgas - und sammelt bis zum Ende der Adventszeit Spenden. Gründe für sein Engagement braucht er nicht viele. "Die funkelnden Kinderaugen, wenn sie aus dem BMW aussteigen: Das brennt sich ein."

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