Weiße Flecken in Schönheide: Telekom verspricht bestes Netz

Dahin, wo im Internet bisher so gut wie gar nichts geht, wird Glasfaserkabel verlegt. Aber noch einmal heißt es, sich in Geduld zu fassen.

Schönheide.

Die Standuhr in der Ecke, das Röhrenradio auf der Anrichte, ein Buch von 1942 mit dem Reichsadler darauf - im Bahnhof Schönheide Süd in Wilzschhaus scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Auch was die Anbindung ans Internet betrifft, lebt man hier noch ziemlich hinterm Mond. Das soll sich allerdings bald ändern, denn genau an diesem Ort, im Bahnhof, haben am gestrigen Mittwoch Amtsverweser Eberhard Mädler für die Gemeinde Schönheide und Hendrik König, Regionalmanager der Deutschen Telekom einen Vertrag unterzeichnet, wonach bis 2023 eben in Wilzschhaus sowie in Teilen der Stützengrüner und Teilen der Neuheider Straße Glasfaseranschlüsse verlegt werden, die bis zu ein Gigabit pro Sekunde beim Herunterladen ermöglichen.

Der Förderverein Historische Westsächsische Eisenbahnen, dem der Bahnhof in Wilzschhaus gehört, wird einer der Nutznießer sein. Insgesamt 160 Haushalten soll die Offerte unterbreitet werden. Dass sie sich nun doch noch fast vier Jahre gedulden müssen, liege laut Hendrik König in begrenzten Ressourcen - beim eigenen Unternehmen wie auch bei den Auftragnehmern. Zudem haben Eigenausbauprojekte der Telekom Vorrang. Das jetzt ins Auge gefasste Vorhaben ist gedacht für sogenannte weiße Flecken mit einer Versorgung unter 30 Megabit. Für den Breitbandausbau in diesen Gebieten gibt es Förderung vom Bund zu 90 Prozent. Die Gesamtkosten für das Schönheider Projekt liegen bei 1,17 Millionen Euro. Vom Freistaat Sachsen gibt es die Zusage, die zehn Prozent Eigenanteil der Kommune zu übernehmen.

Bevor die Bagger anrücken, soll es eine Informationsveranstaltung für die Bürger geben. "Wir streben an, dass wir den Breitbandausbau zu 100 Prozent realisieren können, denn wenn wir Tiefbau machen, dann nur einmal", sagte Matthias Patzsch von der Telekom. Tiefbauarbeiten erfolgen auf insgesamt elf Kilometer Länge, mehr als 40 Kilometer Glasfaserkabel wird verlegt, sechs neue Netzverteiler werden aufgestellt. Eigentlicher Baubeginn könne aber erst 2021/22 sein.

Zunächst einmal werden die Eigentümer der Grundstücke, wohin die Kabel verlegt werden sollen, ermittelt. Mit jedem will die Telekom in Kontakt treten. Wenn das erfolgt ist, könnte die Informationsveranstaltung im Mai oder Juni stattfinden. Dabei wird es sicher viele Detailfragen geben, das wurde schon gestern deutlich. Lisa Haase, deren Firma, die Anlagen- und Projektbetreuung Schönheide, ihren Sitz in Wilzschhaus hat, nutzte die Gelegenheit der Vertragsunterzeichnung und erklärte die für sie unbefriedigende Situation. Lisa Haase betreut unter anderem zwei Wasserkraftanlagen an der Mulde. Diese werden aus der Ferne gesteuert - via Internet oder mit dem Handy. "Daten abspeichern, Angebote runterladen, Rechnungen online erledigen - das alles geht bei uns nicht", beklagt sie. Seit Jahren habe sich trotz vieler Beschwerden bei der Telekom daran nichts geändert. Als Unternehmerin ärgert sie, dass sie nun noch einmal vier Jahre auf eine bessere Internetverbindung warten muss. "Aber die Bürger hier haben dann das beste Netz", versprach Hendrik König.

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