Weit mehr als ein Schäfer-Stündchen

Trompeter Joachim Schäfer und das Preußische Kammerorchester bieten ein furioses Konzert in der Kaverne. Zwei Abende vor ausverkauftem Haus und einem Überraschungsgast.

Markersbach.

Die Mitarbeiter vom Kulturbetrieb des Erzgebirgskreises hatten die Kaverne des Pumpspeicherkraftwerks Markersbach ganz besonders herausgeputzt. Farbiges Licht setzte faszinierende Akzente in der steinernen Kulisse. Es lag ein bisschen mehr Anspannung in der Luft als sonst, und das lag nicht allein an den exzellenten Künstlern, die das gut zweistündige Konzert spielen sollten.

Die meisten der 250 Gäste der Artmontan-Veranstaltung am Samstag mit Trompeter Joachim Schäfer und dem Preußischen Kammerorchester unter der Leitung von Aiko Ogata ahnten zunächst nicht, dass sie den Abend in Beisein des sächsischen Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erleben werden. Dieser war zuvor der Einladung des Betriebsrats der Vattenfall Wasserkraft GmbH nach Markersbach gefolgt und hatte sich die Anlage angesehen und genau erklären lassen. Anschließend stand der Besuch des Konzerts auf dem Programm. Er gehe viel zu selten ins Konzert, weil die Zeit dafür fehle, sagte Kretschmer im Gespräch während der Pause. Dabei sei ein Konzertbesuch sehr entspannend: "Ich merke, wie ich mit der Zeit immer mehr abschalte und auf andere Gedanken komme", so der Ministerpräsident.

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Kretschmer konnte sich freuen, denn er erlebte eines der hochkarätigsten Programme - ohne die Auftritte anderer Künstler schmälern zu wollen - , die es in der über 20-jährigen Geschichte der Konzertreihe gegeben hat. Zu dieser Einschätzung musste jeder gelangen, der den Protagonisten des Abends erlebte. Der gebürtige Dresdner Joachim Karl Schäfer ist nicht irgendein Trompeter, sondern Meister seines Fachs.

Den Großteil des Konzertes spielte er das Kornett. Dabei handelt es sich trotz großer Ähnlichkeit zur Trompete, um ein kleines Horn in Sopranlage. Schäfers enorme Stärke ist, dass es ihm gelingt, den Anschein zu erwecken, als erklingen zwei Instrumente. In der Partitur ist dies ganz besonders deutlich zu erkennen. Die Herausforderung sei, die einzelnen Töne in Moll wiederum zu einer Melodie werden zu lassen. Dabei sei es mehr als eine Übungssache, denn Schäfer forscht und arbeitet seit einiger Zeit intensiv zum Zusammenhang von Musik und Mathematik. Und genau diese Zusammenhänge strich er in pointierten Moderationen zwischen den einzelnen Stücken heraus. "Musik und Mathematik war bei den Griechen ein Studiengang", erklärte der Trompeter. Auch hob er die Ohren eines Menschen als Hochleistungsinstrumente hervor. So könne man in der Familie am Schritt hören, wer die Treppe nach oben steigt.

Es sei die Aufgabe von Musikern, die Musik zu übersetzen, damit das Publikum etwas mit nach Hause nehmen kann. Schäfer ist eben nicht nur Künstler, sondern auch ein Theoretiker, der sich intensiv mit der Musik, den Harmonien und der Natur auseinandersetzt. Mit seinen Ausführungen über die Hintergründe der Musik regte er die Gäste zum Nach- und Weiterdenken an.

Dabei hätte allein die klangvolle Seite des Abends das Publikum verzaubert, denn das Programm versprach Unterhaltungsmusik um 1900. So erklangen unter anderem Werke von Hermann Bellstedt, Ottorino Respighi und Hugo Wolf. Es fällt schwer, die besonderen Momente des Konzertes herauszustreichen. Selbst die beiden Zugaben gehörten da dazu, wie beispielsweise "Der Lenz ist gekommen, die Rosen erblühn" aus der Oper Martha von Friedrich von Flotow.

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