Wenn Angst auf die Seele drückt

Die wochenlange Kontaktsperre und zum Teil häusliche Isolation haben auch psychische Folgen. Die Kliniken Erlabrunn bieten daher eine zusätzliche Beratung per Telefon an.

Erlabrunn.

Das Corona-Virus hat das Leben der Menschen auf den Kopf gestellt. Die von der Regierung zur Eindämmung der Pandemie angeordneten Maßnahmen wie Kontaktsperre, Besuchsverbot in Altenheimen oder Quarantäne haben dazu beigetragen, dass die Zahl der Infizierten nicht zu einem Kollaps des Gesundheitssystems geführt hat. Aber die Maßnahmen begünstigen oder verstärken bei manchen Menschen auch psychische Probleme.

Angst ist so ein Gefühl, dass in der Isolation schnell die Oberhand gewinnt. Keiner ist da, der aufkommende Bedrücktheit relativiert. Es fehlt der Austausch der Gedanken, der Druck von der Seele nimmt. "Es gibt viele Menschen, die unter der Angst vor einer Ansteckung leiden", sagt Dr. Michal Smalo, der die Klinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Erlabrunn leitet. Mit 80 stationären Betten und weiteren zehn Plätzen in der Tagesklinik (die derzeit jedoch geschlossen ist), ist sie die größte Klinik in Sachsen.

"Es herrscht unter den Menschen eine diffuse Verunsicherung. Da gehört auch die Angst vor der Zukunft aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Existenzschwierigkeiten hinzu", so der Mediziner. Auch Depressionen gehören zu den möglichen Folgen von Vereinsamung sowie des Verlustes von Sozialkontakten. "Auch partnerschaftliche Konflikte treten in Ausnahmesituationen wie einer Quarantäne meist offen zu Tage", nennt Smalo als weitere Beispiele für Seelenleid. Obwohl sich dieses nicht mit einem Pflaster heilen lasse, gebe es dennoch gute Möglichkeiten, den Betroffenen zu helfen. Vor allem durch Gespräche. Und weil aufgrund der Corona-Pandemie viele Betroffene oder deren Angehörige den Gang in die Klinik scheuen, bietet die Einrichtung ab nächste Woche eine zusätzliche telefonische Beratung für Hilfesuchende an. Demnach wird montags, mittwochs und freitags, zwischen 9.30 und 11.30 Uhr, unter der unten stehenden Rufnummer ein Fachmann für Fragen und Gespräche zu Verfügung stehen.

"Das Wichtigste ist, erst einmal gehört, wahr genommen und aufgefangen zu werden", versucht der 42-jährige Chefarzt zu erklären, was per Telefon möglich sei. Im Gespräch merke man schnell und könne sehr wohl eine grobe Einschätzung treffen, ob der Mann oder die Frau am anderen Ende der Leitung einer weiterführenden, professionellen Hilfe bedarf. "Gemeinsam mit dem Patienten lässt sich immer eine geeignete Lösung finden", betont Smalo. Gleiches gelte für Angehörige, die sich um einen Rat bemühen.

Momentan seien gut die Hälfte aller Plätze in der Klinik belegt. "Nur Besuche sind derzeit nicht möglich", so Smalo. Allerdings hätten sich bislang alle auf Station befindlichen Patienten mit dieser Unwägbarkeit gut arrangiert. "Sie sind ja hier keineswegs mit ihren Sorgen allein."

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