Wenn Eltern um ihre Kinder trauern

Sie teilen das gleiche Schicksal, über das zu sprechen schwer fällt. Doch wer selbst weiß, wie sich das anfühlt, kann auch besser Trost spenden.

Lößnitz/Aue-Bad Schlema.

Die 80-jährige Frau, die ihren über 50-jährigen Sohn an den Krebs verloren hat. Die Mutter, die darüber trauert, ihr Kind bei einem Unfall verloren zu haben. Die Eltern, die sich auch Jahre nach dem Suizid ihrer Tochter die Frage nach dem Warum stellen. Sie alle haben das Gleiche durchgemacht. Sie in der Gemeinschaft aufzufangen, das versucht die Selbsthilfegruppe "Verwaiste Eltern", die sich an jedem dritten Mittwoch im Monat in Aue trifft. Angeleitet wird sie seit 2014 von Iris Leistner.

Die Lößnitzerin teilt mit den Gruppenmitgliedern das gleiche Schicksal. Sie trauert um ihre Tochter. Darüber zu sprechen, fällt ihr schwer. "Zuerst funktioniert man nur noch, dann fällt man in ein Riesenloch, alles tut weh, man kann nicht mehr richtig schlafen", beschreibt sie das Martyrium der zurück gebliebenen Eltern. Bei der Selbsthilfegruppe gibt es Einzel- und Gruppengespräche. Bei den Gruppenabenden in den Räumen der Diakonie in Aue werden Rituale gepflegt: Zum Gedenken an die Kinder werden Lichter angezündet, der Geburts- und Todestage wird gedacht, es geht ein Gedenkbuch reihum, in das Bilder der Verstorbenen geklebt werden und ein paar Zeilen dazu geschrieben werden können. "Es werden keine Vorschriften gemacht. Wer will, schweigt, wem es gut tut, der kann sich Schmerz und Trauer von der Seele reden. Und natürlich fließen Tränen", sagt die Lößnitzerin. Zu den Gruppenabenden wird aber auch Literatur zum Thema vorgestellt oder es werden Psychologen, auf Trauerarbeit spezialisierte Physiotherapeuten und Heilpraktiker eingeladen, oder es findet ein Yogakurs statt.

Zusätzlich treffen sich die verwaisten Eltern auch an Wochenenden. So kommt man im Kurpark von Bad Schlema zusammen, wo von der Gruppe ein Haselbäumchen gepflanzt wurde, das man zum Beispiel mit selbst gestalteten Herzen geschmückt hat. Ein anderes Mal ging es zur Staumauer der Talsperre Carlsfeld, wo die Trauernden Herzballons in die Luft steigen ließen.

"Wenn wir unterwegs sind, kehren wir auch ein, dann wird auch mal gelacht. Viele haben lange gebraucht, um überhaupt wieder lachen zu können. Überhaupt liegen bei uns in der Gruppe Weinen und Lachen eng beieinander", sagt Iris Leistner.

Die Selbsthilfegruppe gibt es seit 1996, sehr viele sind schon sehr lange dabei, das älteste Mitglied seit 2002. "Einige gehen auch wieder raus, immer wieder kommen neue dazu", erzählt die Leiterin. Wenn jemand neu in die Gruppe kommt, dann kann er, wenn er oder sie es wollen, seine Situation kurz umreißen. Mehr erzählt würde meist, wenn man sich als Menschen untereinander näher gekommen ist. Die Frauen und Männer, die ein Kind verloren haben, kommen aus Schneeberg, Neuendorf, Königswalde, Crottendorf, Neudorf, Lößnitz und Aue. Zurzeit sind es um die 20.

Die Gruppe finanziert sich durch die Mitgliedsbeiträge und über Fördermittel. Die Miete für die Räume bei der Diakonie werden durch die Gemeinschaftsförderung nach Sozialgesetzbuch gedeckt. Es gibt eine Förderung vom Land und eine vom Landkreis. "Dankbar sind wir dafür, dass die Stadt Aue für die Kosten unserer Weihnachtsfeier aufkommt", sagt Iris Leistner.

Offener Gruppenabend für Betroffene ist jeweils der dritte Mittwoch im Monat, ab 19Uhr in den Räumen des Beratungsdienstes des Diakonischen Werkes Aue, Dr.-Otto-Nuschke-Straße 48.

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