Wie viel Alkohol verträgt die Leber?

Ein Glas Wein am Abend, das Feierabendbier: Alkoholische Getränke gehören in Deutschland zum Alltag. Doch ab wann wird das gefährlich für den Körper?

Annaberg-Buchholz.

Knapp 10 Liter reinen Alkohol konsumiert jeder Deutsche im Durchschnitt pro Jahr. Rechnet man das auf alkoholische Getränke um, kommt eine ganze Badewanne (rund 140 Liter) zusammen. "Es ist die Volksdroge Nummer eins", sagt Brigitte Grummt, Chefärztin der Klinik für Innere Medizin II im Erzgebirgsklinikum in Annaberg-Buchholz. Aus diesem Grund nahm sie den Konsum und die Folgen vor allem für die Leber bei der kürzlichen Gesundheitsakademie genauer unter die Lupe.

Doch gerade, weil Alkohol quasi immer und überall verfügbar ist und der Konsum gesellschaftlich weitgehend akzeptiert ist, birgt er auch viele Gefahren. So konsumieren laut Bundesgesundheitsministerium 9,5 Millionen Menschen Alkohol in gesundheitlich riskanter Form. 1,8 Millionen seien sogar abhängig. Doch ab wann und in welchen Mengen wird er gefährlich?

Ein Feierabendbier ist laut Brigitte Grummt nicht dramatisch. Auch dann nicht, wenn es regelmäßig getrunken wird. Bei zwei bis drei Bier pro Abend sehe das schon anders aus. Außerdem rät sie, mit Hinweis auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, an mindestens zwei Tagen pro Woche komplett auf Alkohol zu verzichten. Wer sich nicht daran hält, der riskiert gesundheitliche Schäden. Vor allem die Leber als zentrales Stoffwechselorgan sei zu nennen. Zu den Aufgaben der Leber gehören neben der Entgiftung des Blutes unter anderem auch die Umwandlung von Fett in Zucker, die Speicherung von Vitaminen und Mineralien, die Bildung von Gallenflüssigkeit, Eiweiß und Fettsäuren. Ist die Leber aufgrund zu intensiven Alkoholkonsums angegriffen, kann sie nicht mehr alle Aufgaben erfüllen. Und solange sie mit der Entgiftung beschäftigt ist, lässt sie alle anderen Aufgaben komplett fallen, sagt die Medizinerin.

Bei 60 bis 90 Prozent der Konsumenten führt zu viel Alkohol zu einer sogenannten Fettleber. Aufgrund der Funktionsschädigung kommt es zu einer vermehrten Fetteinlagerung. "Bei einer Fettleber haben viele Patienten kaum Beschwerden", erklärt Brigitte Grummt. Allerdings ist das Organ bereits vergrößert. Hört man an diesem Punkt auf mit dem Trinken, ernährt sich gesund und treibt Sport, könne sich die Leber auch wieder regenerieren.

Trinkt man allerdings weiter, entstehe Fettleberhepatitis. Auch in dem Stadium muss es nicht zu Schmerzen kommen. "Mattigkeit ist der Schmerz der Leber", so Grummt. Müdigkeit sei daher ein typisches Symptom. Und selbst bei dieser Diagnose kann die Trendwende noch erreicht werden, da die Leberzellen hohe regenerative Eigenschaften besitzen. Wird dennoch nicht auf Alkohol verzichtet, schreitet die Lebererkrankung voran - es kommt zu einer Leberzirrhose. Brigitte Grummt: "Die Funktion der Leber ist weitgehend eingeschränkt." Das Gewebe verhärtet, wird knotig. Ist es einmal soweit gekommen, ist eine Regeneration des Organs ausgeschlossen. Doch nicht nur die Leber, auch andere Organe werden bei übermäßigen Alkoholkonsum geschädigt.

Brigitte Grummt nennt Gehirn, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse und das Herz. In den Herzmuskelfasern lagere sich Fett ein, was wiederum zu einer Vergrößerung des Organs führe und Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Das Fazit: Ein Gläschen in Ehren, kann niemand verwehren. In diesem Spruch steckt viel Wahrheit. Wer dabei auf ausreichend Bewegung achtet, sich ausgewogen ernährt und wöchentlich an zwei Tagen alkoholfrei bleibt, schadet seiner Leber nicht.


87 Alkoholmissbrauch-Tote im Erzgebirgskreis

Insgesamt 87 Menschen sind nach Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen im vergangenen Jahr im Erzgebirgskreis durch Alkoholmissbrauch gestorben, 64 davon litten an einer alkoholischen Leberkrankheit.

Die zweithäufigste Diagnose bei den Gestorbenen waren psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol. 18 Fälle wurden im vergangenen Jahr erfasst.

In 1642 Fällen mussten Patienten, die ihren Wohnsitz im Erzgebirgskreis haben, stationär behandelt werden. In weiteren 270 Fällen wurden Patienten zudem aufgrund einer alkoholischen Leberkrankheit stationär in Krankenhäusern behandelt.

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