Wilder Westen im Hundezentrum

Heiko und Anja Münzner bilden in Breitenbrunn seit dem Jahr 1996 Vierbeiner aus. Standen zunächst Blindenführhunden im Fokus, gibt es nun auch Kurse für Pferdefreunde - und noch einiges mehr.

Breitenbrunn.

Rote Beete-Chia, Hüttenkäse, Karotte: In Hundekeksen würde man solche Zutaten vielleicht nicht unbedingt erwarten. Bei Sandra Fritzsch aus Schwarzenberg gibt es aber genau dies. "Das wird auch zur Therapie eingesetzt, es wirkt beruhigend und ausgleichend", erklärt sie. Allerdings vertreibt die Erzgebirgerin vom Hundesalon Fritzsch auch Rind-, Geflügel- und Känguru-Snacks. Diese bot sie jetzt im Hundezentrum Münzner in Breitenbrunn bei einem Tag der offenen Tür feil.

Der Familienbetrieb von Heiko und Anja Münzner stellte vor wenigen Tagen zwei- und vierbeinigen Besuchern vor, welche Kurse auf dem Gelände im Tal zwischen Erlabrunn und Breitenbrunn möglich sind. In Vorführungen zeigten Hundehalter mit ihren Tieren, was sie lernen oder bereits können. Und der 46-jährige Heiko Münzner hat in zwei Präsentationen auf besondere Kurse aufmerksam gemacht. Mit seinem Hund der Rasse Airedale Terrier, der auf den Namen Gustav von Thekla hört - Rufname Glenn -, vermittelte er den Zuschauern die Idee vom Rudelchef.


Darum, nämlich wie man zum Rudelchef wird, geht es auch in einem der Seminare. "Dabei bilden wir den Menschen aus", erzählte Heiko Münzner. Es gehe um die persönliche Beziehung zum Tier und um die Rangordnung. Ein Hundehalter müsse bestimmte Eigenschaften haben oder trainieren. Er nannte als Beispiele Spaß und Motivation, konsequentes Verhalten und Mut.

Letzteren durfte eine Freiwillige beweisen. Anja Münzner (35) steckte deren Arm in einen Schutzhandschuh. Die Frau sollte mit einer Peitsche auf den Boden schlagen und Glenn rebellisch machen. Der stürmte daraufhin auf die Frau zu und biss in den geschützten Arm. Auch wenn es für die Besucherin eine neue Erfahrung war, mit Glenn - der seinem "Rudelchef" Heiko Münzner aufs Wort folgt - war das eingeübt. Niemand wurde verletzt. Und Hundezentrumschef Münzner konnte veranschaulichen, was ihm wichtig ist. "Ein Rudelchef hat sein Leben im Griff und nicht nur seinen Hund", so der Breitenbrunner. Das Seminar gebe es nur hier. Aus ganz Deutschland kommen Teilnehmer.

Es gehört zu den Bereichen, auf die sich die Münzners ab sofort verstärkt konzentrieren. Seit der Eröffnung des Zentrums Anfang August 1996 stand die Ausbildung von Blindenführhunden im Mittelpunkt. Doch davon haben sich der gelernte Facharbeiter für Karosseriebau und seine Frau jetzt weitgehend verabschiedet. Vor wenigen Wochen haben sie ihren 275. selbst geschulten Blindenführhund abgegeben. Nun werden sie diese Tiere nur noch für Leute ausbilden, "die schon Hunde von uns hatten und bei denen wir wissen, dass sie gut mit ihnen umgehen." Denn von den Kranken- und Pflegekassen, die normalerweise für Blindenführhunde zahlen, würden die Vierbeiner nur als Hilfsmittel und Sache behandelt, und wie ein Rollator von einem Besitzer zum nächsten weitergegeben.

Zu den Kursen, die das Zentrum veranstaltet, gehört auch eine Spezialität, bei der die Leidenschaft der Münzners für Pferde zum Tragen kommt. Das Ehepaar und seine drei Kinder, zehn, acht und drei Jahre alt, haben alle eins und sind gern mit Hunde und Pferd unterwegs. Münzners bieten deutschlandweit Schulungen unter der Überschrift "Horse & Dog Trail" an, zu deutsch: Pferde- und Hunde-Parcours. Das ist eine Wettkampfdisziplin und Heiko Münzner hat 2019 bei der Mitteldeutschen Landesmeisterschaft den dritten Platz geholt. Es gehe darum, Hund und Pferd im Gelände sicher im Griff zu haben.

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