Winterdienst stößt an seine Grenzen

Die Straßen in Eibenstock und seinen Ortsteilen von Schnee frei zu halten, hat richtig viel Geld gekostet. Und Nerven ebenso.

Eibenstock.

Für Eibenstocks Bürgermeister Uwe Staab (CDU) ist schon jetzt abzusehen, dass der aktuelle Winter der teuerste in seiner Laufbahn wird. Lagen die Kosten für den Winterdienst in den vergangenen drei, vier Jahren bei 250.000 bis 300.000 Euro, so wird man für diesen Winter zwischen 50.000 und 100.000 Euro draufpacken müssen.

Staab führt mehrere Gründe ins Feld. Einerseits sei das Personal in den zurückliegenden Jahren aufgestockt worden. "Ob Bauhof oder Landschaftspflege, alle haben nichts anderes gemacht als Winterdienst. So haben sich Überstunden angesammelt. Sollten die im Sommer abgefeiert werden, haben wir keinen mehr, der Rasen mäht." Zudem haben sich die Reparaturkosten für die zum Teil alte Technik erhöht. Um den Winterdienst überhaupt schaffen zu können, wurde er zu einem Teil als Fremdleistung vergeben.

Christoph Ulrich

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Staab sieht sich als Bürgermeister in einem Entscheidungskonflikt. Er müsse sich fragen, wie viel der Winterdienst die Stadt kostet und das ins Verhältnis zur Wirkung setzen. "Uns ist bewusst, dass wir aufgrund der Mengen des Schnees die Funktionsfähigkeit des Winterdienstes nicht aufrechterhalten konnten."

Dass der Winterdienst in dieser Saison im Verhältnis zu Personal und Gerätschaft überhaupt nicht befriedigend sei, meint ein Eibenstocker in einer Leserzuschrift an "Freie Presse". Er verweist auf Leute, die aufs Auto angewiesen sind und vor 6 Uhr auf Arbeit sein müssen. "Die können nicht bis 7 oder 8 Uhr warten, bis mal der Schneepflug vorbeikommt." Der Leser nennt ein Beispiel, bei dem eine Straße von den Anwohnern komplett selbst geräumt werden musste - sonst wäre niemand zur Arbeit gekommen.

In einem anderen Fall beschwerte sich Karl Roscher aus Sosa, dass Bauhofmitarbeiter beim Abfräsen von Schneehaufen an der Hauptstraße "den ganzen Dreck" in seinen Garten gepustet hätten. Dazu gab es eine Anweisung vom Bürgermeister, wie dieser bestätigt: "Sie lautete, den Schnee in Grundstücke zu fräsen." Der Bürger habe das zu dulden. Es wäre zu teuer, den Schnee in den Massen woanders hinzufahren.

Staab weiß, dass im Bewusstsein der Bürger das Urteil zum Winterdienst zu 80 Prozent schlecht ausfällt. "Der Einzelne sieht meist nur seine unmittelbare Situation. Insofern ist es natürlich, dass Beschwerden nicht ausbleiben. Bis zu einem gewissen Grad hat der Einzelne ja auch Recht." Staab verweist darauf, dass es keinen Rechtsanspruch auf Schneeberäumung gibt. "Es existiert keine Räumpflicht." Winterdienst heiße, den Bürgern werde ein Dienst geleistet. "Wir versuchen, das so gut es geht zu organisieren. Dieser Winter hat an manchen Tagen gezeigt, wo wir mit diesem Dienst unsere Grenzen erreichten." Noch mehr Technik, noch mehr Personal, noch mehr Fremdleistung bedeute mehr Geld. Das müsste kommunalpolitisch neu entschieden werden, da es eine Frage der finanziellen Leistungsfähigkeit einer Gemeinde ist. "In gefühlt 95 Prozent der Fälle konnten wir Bürgern und Unternehmen mit unserem Dienst zeitnah helfen", fasst Staab zusammen.

Dem entspricht die Winterdienst-Einschätzung von Hans-Jürgen Graf, Ortsvorsteher von Wildenthal. Er lobt ausdrücklich den Einsatz von Bauhofmitarbeiter John Meier. Mit teilweiser Unterstützung vom Bauhofstützpunkt Carlsfeld und einem örtlichen Fuhrunternehmen habe er "auch unter Extrembedingungen" die Straßen offen gehalten und sicherte auch noch die Zufahrt zum Auersberg. "Sicher dauerte das Räumen der einen oder anderen Straße oder eines Parkplatzes mal etwas länger, dafür hatten die Wildenthaler Verständnis, erleben wir doch wieder mal einen richtigen Winter", sagt Graf. Für Einsatz- und Rettungskräfte, Pendler und Touristen sei es wichtig, auf den Straßen voranzukommen. Auch die Freiwillige Feuerwehr Wildenthal leistete weit mehr als das Übliche. Oft wurde sie in den vergangenen Wochen alarmiert. Die Feuerwehr bewährte sich als "Schneewehr", musste immer wieder ausdrücken, um umgestürzte Bäume von Straßen zu räumen. "Mit bürgerschaftlichem Engagement können aber nicht alle hoheitlichen Aufgaben kompensiert werden", sagt Graf. Was die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr in ihrer Freizeit Tag und Nacht leisteten, verdiene Respekt. "Müßig sich zu streiten, wer fürs Beräumen umgestürzter Bäume eigentlich zuständig ist - der Sachsenforst oder doch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr beziehungsweise das Landratsamt", fügt der Ortsvorsteher an.

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