Wismut-Sanierer denken ans Mausohr

Das große Aufräumen nach den ertragreichen und "wilden" Jahren des Uranbergbaus im Erzgebirge läuft noch immer. Dabei werden alte Stollen auch zu Winterquartieren.

Erla/Lauter.

Wo vor 70 Jahren die Bergleute der Wismut nach Uran gesucht haben, sind heute die Männer der Wismut damit beschäftigt, die Grubenbaue von damals nach modernen Standards sicher zu verwahren. Bei der Vorstellung des Sanierungsvorhabens zum Schacht 98, der sich auf einem großen Grubenfeld zwischen Erla und Antonsthal erstreckt, ist plötzlich auch die Rede von einem künftigen Fledermausquartier im Stollen 8. Was ist das?

"Die alten Gänge waren meist nur mit einem Gitter gesichert", erklärt Manfred Speer, der bei der Wismut für die Sanierung der Standorte des Altbergbaus zuständig ist. Der Schacht 98 gehört dazu. Allerdings ist das Grubenfeld, auf dem der Schacht, sechs Stollen, zwei Schürfe und sechs tagesnahe Grubenbaue liegen, so groß, dass das Vorhaben in zwei Bauabschnitte gesplittet werden musste. Rund 1,7 Millionen Euro werden in die Sicherung fließen. Und seit 2015 ist auch die Naturschutzbehörde ins Vorhaben eingebunden. Schließlich hat sich die Natur die "zerfallenen Hinterlassenschaften" zurückerobert.

In den Stollen leben heute nicht nur Amphibien wie Molche, Salamander und Schlangen, sondern auch Fledermäuse - Mausohren oder Glattnasen. Sie nutzen die zum Teil tiefen Gänge als Winterquartier. Denn die künstlichen Höhlen sind frostfrei und es herrscht hohe Luftfeuchtigkeit. Genau das soll auch nach der Sanierung so bleiben.

"Es sind Kompromisse, die man schließt. Aber es sind gute Kompromisse", sagt Steffen Leistner vom Umweltamt des Landratsamtes. Er bescheinigt der Wismut eine konstruktive Zusammenarbeit. Die Winterquartiere zu gewährleisten, sei ein großer Nutzen für die Tierwelt, und nur ein geringer Mehraufwand für die Sanierer. Doch schon damit sei dem Artenschutz Genüge getan.

Auch an anderen Sanierungsstandorten hat die Wismut Winterquartiere für Fledermäuse und Amphibien geschaffen. Erst in den zurückliegenden Wochen ist im Burkhardtswald bei Lauter ein Stollen ähnlich wie der in Erla mit Öffnungen zum Hineinfliegen und Hineinkriechen versehen worden. Die insgesamt acht alten Urangänge im Burkhardtswald werden aus Kostengründen in zwei Bauabschnitten verwahrt. Sobald Geld für den zweiten Abschnitt vorhanden ist, sagt Manfred Speer, werde noch ein weiteres Winterquartier eingerichtet, in diesem Fall nur für Fledermäuse.

Bei den bevorstehenden Arbeiten am alten Uranabsetzbecken oberhalb der Hakenkrümme in Aue ist im nächsten Frühjahr sogar eine Umsiedlungsaktion für Frösche und Kröten vorgesehen, die den ehemaligen Schlammteich inzwischen als Laichgewässer nutzen. Auf dem Weg zum Teich sollen sie weggefangen und umgesetzt werden, damit ihr Nachwuchs nicht stirbt, wenn der Teich trockengelegt wird.

An oberster Stelle steht bei den Verwahrungsarbeiten jedoch die Sicherheit für die Menschen. "Es ist unsere Aufgabe, die alten Anlagen langzeitsicher zu verschließen", betont Manfred Speer. Und er bricht eine Lanze für die alten Wismut-Kumpel. "Das Grubenfeld bei Erla wurde ab 1950 erschlossen. Hier wurden etwa 90 Tonnen Uran gefördert. Die Lagerstätte zeigte sich nicht sehr ergiebig, sodass 1955 Schluss war. Aber sie haben auch damals schon die Anlagen gesichert, nach ihren Möglichkeiten." Jetzt allerdings erfolge eine Sicherung nach aktuellen Standards. Das heißt für den Stollen Nummer 8, der bis dato nur mit einer Gittertür verschlossen war, dass er bis etwa 20 Meter in die Tiefe mit Spritzbeton ausgegossen und vorn mit einer Plombe von gut vier Metern Dicke verschlossen wurde. Nur zwei Schlupflöcher sind geblieben - oben für die Fledermäuse, am Boden für die Amphibien. "Mehr geht nicht, da es immer noch Schwarzbefahrer gibt", sagt Speer. Damit meint er Bergbauenthusiasten, die keine Gitter scheuen, Schlösser aufbrechen und Spalten nutzen, um in die alten Gänge einzudringen, etwa um Mineralien aus dem Berg zu holen. "Sie gehen dabei ein hohes, lebensgefährliches Risiko ein", sagt auch Dirk Nötzold von der Wismut, ebenfalls zuständig für Altstandorte.

Das Geld für deren Sanierung kommt aus zwei Quellen: Bund und Freistaat. Von 2003 bis 2012 wurden 78 Millionen Euro ausgegeben. Die zweite Phase läuft von 2013 bis 2022 mit einem Budget rund 138 Millionen Euro, und berücksichtigt auch die sogenannten Altstandorte des sehr frühen Uranbergbaus, die zuvor leer ausgegangen waren. "Von 322 Projekten haben wir bis heute 252 abgeschlossen, 70 sind noch offen", sagt Speer. Er schätzt, dass es nach 2022 weitere 15 Jahre und neues Geld braucht, um alle Vorhaben zu verwirklichen. (mit mu)

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