Wo das Bandoneon als Wahrzeichen gilt

Lüftlmalerei ziert die Fassaden vieler Häuser im Erzgebirge. "Freie Presse" erzählt die Geschichte dahinter. Heute: Klaus Wallschläger aus Carlsfeld.

Carlsfeld.

In den 1930er Jahren galt der kleine Erzgebirgsort Carlsfeld als das internationale Zentrum der Bandonionproduktion. Das lag vor allem an den von der Firma "Alfred Arnold" in Carlsfeld hergestellten Instrumenten, die bis heute einen erstklassigen Ruf besitzen.

Kein Wunder also, dass sich Klaus Wallschläger von Anfang an einen Bandonionspieler als Motiv wünschte, seitdem er mit dem Gedanken einer Lüftlmalerei an seinem Haus spielte. Doch auch persönlich verbindet den 62-Jährigen Carlsfelder viel mit dem Handzuginstrument.

Als Jugendlicher wollte Klaus Wallschläger einst selbst das Instrument erlernen. "Es wurde mir jedoch schon damals von den Herstellern ausgeredet, da die Musik aus der Mode gekommen war", erinnert er sich. Zu seiner ersten eigenen Handharmonika gelangte er durch Zufall. "Ich habe zu dieser Zeit Schafe gehalten und wollte mir ein Neues kaufen. Doch der Verkäufer besaß leider keins mehr. Stattdessen bot er mir ein Bandonion an", erzählt Wallschläger. In den Folgejahren machte er sich mit dem Instrument vertraut. "Richtig spielen kann ich es jedoch bis heute nicht", gibt er zu.

Bei der aus dem Jahr 2000 stammenden Lüftlmalerei an der Vorderseite seines Hauses handelt es sich um ein rein fiktives Gemälde. Es ist etwa zwei Meter hoch, anderthalb Meter breit und zeigt einen Erzgebirger mit dem Bandonion neben einem Vogelbeerbaum. Gemalt hat das Bild der inzwischen verstorbenen Maler Manfred Reichelt aus Schönheide. "Der Kontakt zu ihm kam zustande, als er an der katholischen Kirche Schönheide ein Bild malen sollte. Als Maurermeister habe ich damals für ihn das nötige Gerüst aufgestellt", sagt Wallschläger. Bis heute ist die Lüftlmalerei mit dem Carlsfelder Wahrzeichen an seiner Hauswand im originalen Zustand. Lediglich einen Schutzlack hat er seitdem nochmals darüber gestrichen.

Nicht nur Klaus Wallschläger selbst, der im Jahr 2000 eine eigene Bandonion-Ausstellung eröffnete, sondern auch seine Familie hat sich mittlerweile dem Bandonion verschrieben. Sohn Robert äußerte bereits im Alter von sieben Jahren den Wunsch, das Instrument erlernen zu wollen. "Ein halbes Jahr musste ich nach einem Lehrer suchen, der Robert und seinem jüngeren Bruder Richard das Spielen beibringen konnte", erzählt Wallschläger. Doch die Mühe zahlte sich aus, bereits mit neun Jahren absolvierte Robert Wallschläger seinen ersten öffentlichen Auftritt. Mittlerweile hat der Sohnemann sein Hobby zum Beruf gemacht und den Beruf des Handzuginstrumentenmachers erlernt.

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