Wo es ein eigenes Zimmer für Terrinen gibt

Museen im Altkreis Annaberg beherbergen Tausende Exponate - vom Raachermannl bis zu Skiern. Aber was finden die Menschen am spannendsten, die in den Häusern arbeiten? "Freie Presse" fragt sie - heute Roswitha Peter und Steffi Richter vom Suppenmuseum Neudorf.

Neudorf.

Er wirkt eher unscheinbar - ganz im Gegensatz zu manch anderem Stück im Suppenmuseum Neudorf. Doch der kleine Ofen steht für etwas, das im Erzgebirge lange Zeit allgegenwärtig war. Viele Menschen mussten ihr Hab und Gut zusammenhalten, sparsam wirtschaften. Gerade in der Nachkriegszeit gab es kaum etwas - das zeigt auch der Spar-Ofen, der Roswitha Peter besonders ans Herz gewachsen ist. "Er konnte mit ganz wenig Material beheizt werden", erzählt die Neudorferin, die seit fast drei Jahren zum Team im Suppenmuseum gehört. So musste nichts verschwendet werden, wenn nur eine kleinere Mahlzeit zubereitet oder aufgewärmt wurde. Dafür stand der Spar-Ofen auf dem großen Herd, wurde ans dazugehörige Ofenrohr angeschlossen. "Dadurch funktionierte der Abzug. Das ist doch ein beeindruckendes Exponat", sagt die Neudorferin.

Im Suppenmuseum gibt es verschiedene Ausstellungsstücke, die für das einfache Leben der Erzgebirger in früheren Zeiten stehen. Und dafür, dass die Menschen aus fast allem noch etwas gemacht haben. "Wir haben hier zum Beispiel Quirle, die aus alten Weihnachtsbäumen entstanden sind", sagt Steffi Richter. Sie führt bereits seit dem Jahr 2001 Gäste durch das Museum, das sich damals noch an anderer Stelle im Ort befand. Von der Notzeit nach dem Krieg erzählen zudem Töpfe, die aus Stahlhelmen gefertigt worden sind. Sie sind Teil von insgesamt rund 3000 Exponaten, die im Suppenmuseum gezeigt werden.

Für die Präsentation wurden beispielsweise Küchen im Stil der Jahre 1910, 1930, 1960 und 1970 eingerichtet. Für Suppenterrinen gibt es sogar ein eigenes Zimmer, schließlich ist deren Sammlung auf mehr als 80 Stück angewachsen. Mit einem davon verbindet Steffi Richter besondere Erinnerungen, es ist ihr Lieblingsstück. "Diese Terrine haben meine Eltern 1963 für meine Konfirmation erstanden", erzählt sie. Es handele sich um Reichenbach Porzellan aus DDR-Zeiten. Natürlich wurden in dem Gefäß, das die Neudorferin dem Museum zur Verfügung gestellt hat, Suppen serviert. "Terrinen waren damals regelmäßig im Gebrauch", sagt sie. Heute würden sie sich auch eignen, um etwa Bowle zu servieren oder in der Adventszeit Pfefferkuchen darin aufzuschichten. Es sehe zudem gut aus, zum Beispiel Kartoffelsalat in einer schönen Terrine anzurichten.

Warum gibt es in Neudorf überhaupt ein Suppenmuseum, werden die Einwohner Suppenländer genannt? Das hänge mit einer Sage um den "Katzn Hans" zusammen, die die Mitarbeiter Gästen gern erzählen. Nur so viel: Das Dasein des Mannes als Einsiedler, der es satt hatte, sich von Beeren, Pilzen und Wurzeln zu ernähren, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Auf jeden Fall sind die Neudorfer heute noch sehr einfallsreich, was Suppenrezepte betrifft. Jedes Jahr gibt es die Kirmes im Suppenland, bei der etwa das beste Rezept gesucht wird. Tipps für viele leckere Varianten sind auch im Museum zu finden, das vom Heimatverein Am Fichtelberg betrieben wird. Auf der Internetseite wird zudem stets eine Suppe des Monats vorgestellt. Im vergangenen Jahr haben fast 17.700 Gäste das Suppenmuseum besucht. Dass das möglich ist, darum kümmern sich insgesamt sechs Mitarbeiter, die der Verein dafür beschäftigt. Und diese lassen sich natürlich auch Neues einfallen - zuletzt ist etwa ein spezieller Kinderführer entwickelt worden.

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