Würden Sie in diesen alten Bahnhof ziehen?

Für das leerstehende Empfangsgebäude des Niederschlemaer Bahnhofs ist die Stadt auf der Suche nach Ideen. Jetzt soll ein Planungsbüro bei der Vermarktung helfen. Doch die Sache hat zwei Haken.

Bad Schlema.

"Schlema unterer Bahnhof" steht in Kürzeln über der Eingangstür, die schon lange keine mehr ist. Fenster sind mit Schriftzeichen beschmiert. Die Zimmer in der oberen Etage - wie wird es wohl in ihnen aussehen? Das Haus, es bietet ein trauriges Bild.

Das alte Empfangsgebäude des Niederschlemaer Bahnhofs steht am Ortseingang an der Hauptstraße, es trägt die Hausnummer 78. Die Deutsche Bahn als Eigentümerin hatte viele Jahre wenig Interesse an der Immobilie, 2018 kaufte das Haus schließlich die Gemeinde Bad Schlema für einen symbolischen Euro. Doch was damit anfangen? Die neue Stadt Aue-Bad Schlema sucht jetzt nach Ideen und Betreibern.

Weil Interessenten nicht Schlange stehen, soll nun ein Planungsbüro engagiert werden, das bei der Vermarktung hilft. Das hat der Stadtentwicklungsausschuss in dieser Woche beschlossen. Konkret soll eine Firma gefunden werden, die untersucht, wie es um das Objekt steht und so Impulse gibt, wie es sich später nutzen ließe. Mehrere Unternehmen sind nun gefragt, ein Angebot für die Analyse abzugeben.

Doch die Sache hat zwei Haken. So hat sich bereits eine Firma bei der Gemeinde gemeldet, die das Projekt gern übernehmen würde. Kostenpunkt jedoch: fast 28.000 Euro. Und: Eine schnelle Sanierung ist trotz der externen Hilfe nicht in Sicht. Das bestätigte in der Ausschusssitzung der Beigeordnete Jens Müller (Freie Wähler). "Bis nächstes Jahr ist das nicht zu schaffen", sagte er.

Dabei ist sprichwörtlich höchste Eisenbahn geboten. Denn im September 2020 wird der Bahnhof in Niederschlema wohl das erste sein, was viele Gäste aus dem ganzen Freistaat sehen, die zum Tag der Sachsen in Aue-Bad Schlema wollen. Heide-Marie Bamler (Linke) mahnte im Ausschuss deshalb zur Eile. "Dass Handlungsbedarf besteht, darüber gibt es kaum Zweifel. Aber die Zeit drängt." Jens Müller warb derweil erneut für eine Übergangslösung: "Wir müssen den Bahnhof aufhübschen." Die zuletzt diskutierte Variante, das Gebäude mit Planen zu verhüllen, sei jedoch vom Tisch. "Das ist zu teuer", so Jens Müller. Stattdessen, schlug er vor, könnten Kinder vielleicht die Fenster bunt anmalen.

Das Gebäude ist inzwischen zum Teil in einem desolaten Zustand. Laut Rathaus weist das Mauerwerk Feuchtigkeitsschäden, Schwammbefall und Salpeter auf. Würden Sie in so ein Haus ziehen?

Stadtrat Oliver Titzmann (Freie Wähler) brachte als mögliche Mieter die Mitglieder eines Modelleisenbahnclubs ins Spiel. "Das wäre eine kulturelle Bereicherung, eine Zukunftsvision", sagte er. Fährt im alten Bahnhofsgebäude also bald wieder der Zug ab? Der Beigeordnete Jens Müller konnte zumindest bestätigten: "Ja, sie suchen ein neues Zuhause."

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