120-Jährige wartet mit bekanntem Lied auf

Die erste Liedpostkarte aus dem Schwarzenberger Verlag Vogel war dem Vogelbeerbaum gewidmet. Nun wurde eine Polyphon- Platte aus dem Nachlass des Verlegers zum Klingen gebracht: "Vuglbärbaam".

Schwarzenberg/Glauchau.

Stattliche 56 Zentimeter Durchmesser hat dieser Schallplatten-Vorgänger aus der Zeit um 1900. Die Polyphon-Platte gehört zum Nachlass des Schwarzenbergers Arthur Vogel, weithin bekannt als Geschäftsmann sowie als Verleger von Ansichts- und Liedpostkarten. Um das Aufarbeiten seines Lebenswerks, insbesondere als Verleger, haben sich der Schwarzenberger Fotografenmeister Christoph Weigel und seine Partnerin Agnes Glätzner verdient gemacht. Erinnert sei hier an die Sonderausstellung im Museum, an einen Kalender und an das Karten-Gesamtverzeichnis. Weigel und Glätzner knüpften Kontakte zu Vogels Enkelin Christa und deren Ehemann Karl-Fritz Voigtmann in Berlin. Diese sehen den Vogelschen Nachlass am besten im Erzgebirge, in Schwarzenberg, aufgehoben und übergaben ihn so an Foto-Weigel.

"Natürlich wollten wir 'mal hören, wie denn die Musik von dieser Polyphon-Platte klingt", sagt Agnes Glätzner. Erst recht, weil die etwa 120 Jahre alte Metallscheibe laut Aufschrift mit Max Schreyers Lied vom "Vuglbärbaam" aufwartet. "Das ist also eine Klangvariante zur ersten Vogel-Liedpostkarte. Die Platte, so unsere Annahme, hat der Verlag Vogel beim einschlägigen Leipziger Hersteller in Auftrag gegeben." Ob das wirklich so war, ob der Firmengründer Wilhelm Vogel oder dessen Sohn und Nachfolger Arthur Vogel das in die Wege leitete, sei noch unklar. "Wir forschen auch zu diesem Aspekt intensiv weiter", so Glätzner.


Wo aber ein geeignetes Abspielgerät finden, um zum Klangerlebnis zu kommen? Zum Vogel-Nachlass gehörte so ein "Plattenspieler" nicht. "Eine Empfehlung des Schwarzenberger Uhrmachermeisters Egon Weißflog führte uns über einen Restaurator zu Jan Ziederer, der in Fraureuth eine Musik-Antik-Werkstatt hat", erklärt Christoph Weigel. "Er hat die Platte mit Freude begutachtet und als sehr gut erhalten bewertet." Auf Nachfrage erläuterte Ziederer, das vorgelegte große Exemplar sei nicht das größte der Marke Polyphon: Diesen Rekord hat eine Scheibe mit 62,5 Zentimetern Durchmesser. Ein zum Abspielen geeignetes Gerät - "eine Plattenspieluhr für ein Caféhaus oder Restaurant", so Ziederer - hatte er einst restauriert und später nach Glauchau abgegeben. Da könne man die Platte, "wirklich ein Schatz", zum Klingen bringen.

Auch dieser Kontakt war schnell hergestellt. "Und so fuhren wir nach Glauchau, wo es im Café Kretzschmar UPhi's Musikkabinett gibt", erzählt Weigel. In dieser Privatsammlung von Uwe Pöschmann und Philipp Ullmann sind viele funktionsfähige Geräte der Unterhaltungstechnik aus drei Jahrhunderten zu bestaunen. "Herr Ullmann erfüllte uns den Wunsch, auf dem restaurierten Gerät die Platte abzuspielen, damit wir die Originalmusik aus damaliger Zeit hören und aufnehmen konnten", sagt Glätzner. Damit wird der Vogel-Firmenhistorie ein klingender Mosaikstein hinzugefügt.


40.000 Instrumente pro Jahr

Polyphon ist der Markenname eines selbstspielenden mechanischen Musikinstruments, das von der Firma Polyphon-Musikwerke AG in Wahren bei Leipzig um die Jahrhundertwende 1900 hergestellt wurde. Der Begriff polyphon kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet vielstimmig.

Die Firma Brachhausen & Rießner stellte ihr Polyphon erstmals auf der Leipziger Herbstmesse 1890 aus. Das Warenzeichen wurde 1891 registriert. Zur Weltausstellung in Antwerpen 1894 wurden die Polyphon-Apparate mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. Um 1900 waren etwa 800 Mitarbeiter beschäftigt, die Jahresproduktion lag bei 40.000 Instrumenten.

Die Lochplatte von Polyphon ist eine Metallplatte mit eingestanzten länglichen Löchern, die auf der Unterseite kleine Haken bilden. Diese bewegen Rädchen, die Metalllamellen anreißen und so Töne erzeugen. Polyphon-Antrieb war ein Federwerk mit Kurbel.

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