Rennwagen helfen kranken Kindern

Mit zwei neuen Renn- wagen und einem neuen Gesicht ist das Projekt "Nascar hilft" in die nächste Saison gestartet. Einem 13-jährigen Jungen konnte bereits jetzt ein letzter Wunsch erfüllt werden.

Wolkenstein.

Sie starten wieder durch. Jan Wätzig und sein Team von "Nascar hilft" geben Vollgas - für den guten Zweck. Am Lausitzring lassen sie im sechsten Jahr seit dem Startschuss des Projekts erneut die Herzen von krebskranken Kindern und ihren Familien höher schlagen.

Zu sieben Terminen lassen diese für einen Moment die Schicksalsschläge hinter sich und erleben ein Abenteuer als Mitglieder der Boxencrew und als Beifahrer in echten PS-Boliden. Dabei brettern sie in zwei neuen "Renntaxis" über den Asphalt.


Anfang April wurden von Wätzig der 520 PS starke BMW V8 Star und vom zweiten Fahrer, Henrik Roscher, ein gelber Dodge Charger mit 857 Pferdestärken bei 9200 Umdrehungen erstmals auf dem Lausitzring getestet.

"Ich bin schon fast alles gefahren. Aber der BMW ist der Gipfel. Er stellt alles in den Schatten. Man fühlt sich wie in einer anderen Welt", beschreibt Jan Wätzig das Gefühl, das Ende April zum ersten Renntag bereits der 13-jährige Julian aus Dresden erfahren durfte.

"Er ist unheilbar an Krebs erkrankt. Ihm bleibt nur noch begrenzte Zeit. Sein Traum war es immer, zu sehen, wie ein Boxenteam arbeitet, und einmal selbst mitfahren", erklärt der 38-jährige Wolkensteiner.

Wie bei jedem seiner Co-Piloten muss Wätzig individuell auf die Erkrankung der Kinder eingehen. "Bei Julian musste ich darauf achten, langsamer bremsen, damit sein Kopf mit dem Gewicht des Helmes nicht nach vorn schlägt", erläutert der zweifache Familienvater.

Vor jeder Fahrt führt daher das Betreuerteam um Chefingenieur Thoralf Nestler, dem neuen Mitglied Matthias Feist aus Herold und Mandy Brüchner, die die komplette Organisation übernimmt, Gespräche mit den Eltern. "Im Wagen signalisieren mir die Kinder mit Daumen hoch und Daumen runter, wie der Ritt weitergeht", so Wätzig.

Zu den noch bevorstehenden sechs Terminen am Lausitzring sollen jeweils drei bis fünf Familien schnelles Glück und neuer Mut verliehen werden. Und die Taxiliste, wie Wätzig sie nennt, ist lang. "Manche Eltern müssen wir auf das nächste Jahr vertrösten."

Den Kontakt vermittelt Sonnenstrahl Dresden, ein Elternverein, der krebskranken Kindern und deren Familien hilft. "Sie teilen uns auch die Prioritäten mit. Schließlich bleibt manchen Betroffenen nicht die Zeit, ein weiteres Jahr zu warten. Bei diesen Schicksalsschlägen weinen auch gestandene Männer", sagt Wätzig.

Damit "Nascar hilft" statt Tränen weiterhin Freude in die Kinderaugen zaubern kann, ist das Projekt auf Sponsoren angewiesen. Neuer Unterstützer will Wätzig vom 22. bis 24. September bei einem Tourenwagenfestival auf dem Salzburgring in Österreich gewinnen.

"Der Veranstalter hat herausgefunden, dass ein V8 Star als Charity-Auto unterwegs ist, und uns kurzerhand eingeladen", erklärt Wätzig. Für ihn ein besonderer Moment. Dann drückt er ausnahmsweise das Gaspedal nicht nur für den guten Zweck durch bis aufs Blech, sondern bei einem richtigen Rennen - vor Zehntausenden Zuschauern.

"Aber nur dank der Erlaubnis meiner Frau", betont der eigentlich pensionierte Rennfahrer.

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