Zwei Sprockhöveler strampeln für die Städtepartnerschaft

Rund 520 Kilometer Autostrecke liegen zwischen den Partnerstädten Oelsnitz und Sprockhövel (Nordrhein-Westfalen). Doch Felicitas Blasius- Taetz und Albrecht van Well haben nicht diese kürzeste Route gewählt: Sie sind per E-Bike nach Oelsnitz geradelt.

Oelsnitz.

Seit dem Jahr 2000 verbindet Oelsnitz und Sprockhövel eine Städtepartnerschaft. Seither hat Albrecht van Well rund zehn Mal die erzgebirgische Stadt besucht. "Das letzte Mal war ich zur Landesgartenschau in Oelsnitz." Doch der zweite Vorsitzende des etwa 180 Mitglieder starken Internationalen Freundschaftskreises Sprockhövel hatte den Wunsch mehr zu tun: "Die Euphorie der ersten Jahre ist inzwischen vorbei. Wir hatten das Gefühl, es plätschert nur noch so dahin."

Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Felicitas Blasius-Taetz hat er deshalb vor etwa acht Wochen eine besondere Aktion beschlossen. Beide wollten mit dem Fahrrad von Sprockhövel nach Oelsnitz radeln. "Das Motiv für diese Fahrt war es, die Partnerschaft zwischen den Orten wieder ins Bewusstsein der Leute zu bringen." In Sprockhövel ist das bereits besser gelungen als erwartet. "Als in der Presse von unseren Vorhaben berichtet wurde, haben wir mehrere Anfragen von Leuten bekommen, die gern mitgefahren wären." Doch das hätte den Rahmen der aufwändig geplanten Tour gesprengt.

Binnen zehn Tagen hat das Paar nun 810 Kilometer zurückgelegt. Von Sprockhövel ging es über Hamm und Paderborn, Erfurt, Jena und Zwickau vor allem über Radwege entlang von Flüssen. "Wir wollten nicht nur die Autobahn sehen, sondern die Landschaft. Ohnehin ist ein völlig CO2-freier Urlaub für uns das Ideal", berichtet van Well. Auf diese umweltfreundliche Weise haben die beiden schon viel vom Osten des Landes gesehen: Den Elberadweg von Cuxhaven bis Prag haben sie ebenso absolviert wie den Oder-Neiße-Radweg und die Strecke von Berlin über Usedom bis Danzig. Das alles allerdings noch mit normalen Fahrrädern. Erst vor zwei Jahren sind der 68-jährige Steuerberater und die 65-jährige, gerade pensionierte Lehrerin auf E-Bikes umgestiegen. Ein Tribut ans Alter, bei dem die Vorteile des Radfahrens erhalten bleiben. Felicitas Blasius-Taetz: "Man kommt unterwegs mit Leuten ins Gespräch und sieht viel von der schönen Landschaft. Die Radwege sind einfach wunderbar und sie sind sehr gut ausgeschildert."

Nach der Ankunft am Mittwochabend wurde erst einmal bei einem gemütlichen Abend mit den Freunden in Neuwürschnitz verschnauft, denn die Hitze hat die Fahrt anstrengender gemacht als gedacht. Am Donnerstag folgte dann ein Besuch im Rathaus mit Stadtrundfahrt.

Albrecht van Well sagt von sich, dass er inzwischen das Gefühl hat, nach Hause zu kommen, wenn er den Turm des Bergbaumuseums sieht. Und er möchte, dass noch mehr Menschen der Partnerstädte das künftig so empfinden. "Bei den Feuerwehren funktioniert der Austausch bereits sehr gut. Außerdem gibt es etliche persönliche Kontakte. Ich wünsche mir aber, dass die Partnerschaft künftig noch stärker innerhalb von Vereinen gelebt wird, in denen ja viele Bürger involviert sind, Sportvereine zum Beispiel."

Außerdem erinnert er daran, dass es schon einmal einen Austausch von Auszubildenden in den Rathäusern gab. Das möchte er wiederbeleben: "So etwas könnte auch in Betrieben funktionieren, aber das müsste über die Stadt laufen."

Bis Sonntag oder sogar Montag wollen Felicitas Blasius-Taetz und Albrecht van Well bei ihren Freunden in Neuwürschnitz bleiben, in dieser Zeit Bekannte treffen und kleinere Ausflüge unternehmen. Danach soll es auf dem Fahrrad nach Leipzig und von dort per Zug zurück nach Hause, nach Sprockhövel gehen.

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