Zinnabbau soll (nach)erlebbar werden

Mit 22 Bestandteilen rückt das Welterbe die Schätze der Bergbauregion stärker denn je in den Fokus - und mit ihnen Geschichten, (Berg)Leute und Zukunftsideen. Heute: Thomas Helm aus Eibenstock und seine erstaunlichen Projekte.

Eibenstock.

Thomas Helm biegt zielsicher vom Gerstenbergrundweg bei Eibenstock ab und steuert tiefe Gräben und Trichter mitten im Wald an. Pingen, Seifen, Strossenbau, Pochwerke, Kunstgraben - die Begriffe, die mit dem einstigen Zinnbergbau in der Region um Eibenstock zu tun haben, sprudeln aus dem 41-Jährigen nur so heraus. Ab und an verschwindet er in den bis zu fünf Meter tiefen Klüften, um alles besser erklären zu können. Es ist das Bergbaugebiet Grün nördlich von Eibenstock, das als eines der größten Pingenfelder des Westerzgebirges gilt. Über Jahrhunderte (1524 bis 1813) war es eines der ergiebigsten Lagerstätten des Eibenstocker Bergreviers. Das Besondere daran ist, dass die Grün heute noch nahezu unverändert den Zustand nach der Aufgabe der Bergwerke und Seifen zeigt. "Es ist alles liegen geblieben, wie es dem Bergmann aus den Händen gefallen ist", sagt Thomas Helm. Zu verdanken ist das der Tatsache, dass das Gebiet die Jahrhunderte über ununterbrochen bewaldet war.

Seit Anfang der 1990er-Jahre gab es im Revier einen Bergbaulehrpfad, damals gebaut in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM). Im Laufe der Jahre sind die Geländer und Bauten verrottet und in sich zusammengefallen. Zuletzt war der Zustand so schlecht, dass die Stadt Eibenstock entschied, den Rest ganz abzureißen. Ein neuer Lehrpfad sollte gebaut werden, Fördermittel wurden über Leader beantragt. Fast zwei Jahre wartete man darauf, dann gab es auf einmal die Bewilligung, sicher beschleunigt dadurch, dass das alte Bergbaurevier zu den 22 Bestandteilen der Montanregion Erzgebirge/Krušnohorí gehört. Während der alte die regionale Bedeutung darstellte, soll der neue Lehrpfad für das Eibenstocker Revier stellvertretend für andere wie Geyer, Ehrenfriedersdorf oder Seiffen erklären, was die Besonderheiten des Zinnabbaus sind. Die Konzeption dafür hat Thomas Helm erarbeitet. Er kann dabei seine Kenntnisse als gelernter Maler und Grafiker, als Historiker und Geologe in die Waagschale werfen. "Jetzt werden wir international", weiß auch Eibenstocks Bürgermeister Uwe Staab um die Bedeutung der Aufgabe.

Helm beschäftigt sich seit seiner Jugend mit der Bergbaugeschichte. Als Zivildienstleistender im Bauhof von Eibenstock ist er Ende der 1990er-Jahre Karl-Heinz Schwarze begegnet. "Für mich war das die prägende Bekanntschaft in der Jugendzeit", sagt Helm. Er habe Steine gesucht - Schwarze als Geologe und Mineraloge ebenso. So sind sie zu zweit losgezogen. "Er hat erforscht, ich habe kartiert", so Helm. Der heute 88-Jährige Schwarze gilt als Kenner der Mineralogie des Erzgebirges.

Die Arbeiten für den ersten Abschnitt des Bergbaulehrpfads beginnen noch dieses Jahr, die Gesamtkosten dafür liegen bei 155.000 Euro, der Erzgebirgische Heimatverein Eibenstock als Träger hat 139.500 Euro als Fördermittel bekommen. Es folgen noch zwei weitere Bauabschnitte. Was konkret entstehen wird, ist laut Thomas Helm eine Frage der Finanzierung. Staunen lassen seine Entwürfe für Nachbauten historischer Bergbaueinrichtungen: Pochwerk, Fahrten-Gerüst, Wasserspielplatz, Meiler, ein Klettergerüst, das einem Bergwerk nachgeahmt ist.


Montanlandschaft Eibenstock

Welche Einzelobjekte gehören noch zu dieser Montanlandschaft?

Das Pingenfeld Heiliger Geist und St. Bartholomäus, geprägt durch lang gestreckte, kluftartig ausgebildete Pingen; Grüner Seifen und Grüner Graben mit Abbauen, die in eine Tiefe von mehr als zehn Meter reichen; die Schwarze Pinge im Zentrum.

Was ist das Besondere an der Montanlandschaft?

In dem Gebiet kann man Spuren sowohl des obertägigen Zinnseifenbergbaus (Raithalden und Wassergräben zur Erzauswaschung) als auch des untertägigen Bergbaus auf Zinn (Pressbaue und Pingen) finden.

Wann wurde in Eibenstock Zinn abgebaut?

Die erste urkundliche Erwähnung des Zinnseifenbergbaus im Eibenstocker Revier stammt aus dem Jahr 1378. Archäologische Funde weisen hingegen ins Hochmittelalter. Außerdem gibt es in Sauschwemme am Auersberg Hinweise auf bronzezeitlichen Zinntagebau. Eibenstock verdankt seine Entwicklung vom Bauerndorf und Marktflecken zur freien Bergstadt im 16. Jahrhundert vor allem den Zinnerzlagerstätten. Die Seifenzinnlagerstätte im Raum Eibenstock war ursprünglich vermutlich die reichste im Erzgebirge. Der Zinnbergbau dauerte bis 1813 an. (ike)

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