Zu klein: Rückhaltebecken in Niederzwönitz droht das Aus

Die Hochwasser der vergangenen Jahre haben sich auf die Planungen ausgewirkt. Doch anders als vom Stadtrat erwartet.

Zwönitz.

Immer wieder wurden die Dorfchemnitzer in den vergangenen Jahren von schweren Hochwassern heimgesucht. Ein Rückhaltebecken in Niederzwönitz sollte sie sogar vor starken Fluten schützen. Seit 2012 wurde geplant. Jetzt droht das Vorhaben selbst den Bach runterzugehen. Der Grund sind neue Zahlen des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.

Als Information zum Arbeitsstand zum Hochwasserrückhaltebecken Niederzwönitz stand es auf der Tagesordnung der Sitzung des Stadtrates. Was dann der Geschäftsführer des Ingenieurbüros für Wasserbau- und Umweltplanung, Frank Nieren, erläuterte, sorgte für Frust und Enttäuschung. "Wir sind bei den Planungen wieder beim Stand von 2016", überraschte er die Stadträte. Als Grund nannte er Nachforderungen der für den Bau zuständigen Landesdirektion Sachsen. "Wir wurden aufgefordert, die hydrologischen Werte zu überarbeiten", sagte Nieren. Er erklärte, dass diese amtlichen Werte, die den bei Hochwasser zu erwartenden Zufluss angeben, sich um 30 bis 50 Prozent erhöht hätten. "Der Grund sind die Hochwasser 2002, 2010 und 2013. Diese wurden nun mit in die Statistik einberechnet und haben damit zu diesem Anstieg geführt", so der Experte. Er hält damit "die zu erwartende Wahrheit für realistisch abgebildet".

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Bei den bisherigen Planungen ist man davon ausgegangen, dass mit dem Becken ein Hochwasser, das statistisch alle 50 Jahre auftritt, entschärfen werden kann. So war ein Reservoir von 83.000 Kubikmetern vorgesehen. "Mit den neuen Zahlen bräuchten wir eine Größe von 890.000 Kubikmetern", erklärte Nieren. Das sei jedoch an dem geplanten Standort nicht realisierbar.

Dort an der Bahnstrecke zwischen Niederzwönitz und Dorfchemnitz war ein Damm mit einer Länge von 600 Metern und vier Metern Höhe vorgesehen. Einen alternativen Standort gebe es aus seiner Sicht nicht. Laut Nieren würde nach der Neuberechnung das Hochwasserrückhaltebecken nicht die vorgesehen Drosselung der Zwönitz auf zwölf Kubikmeter pro Sekunde erreichen. Innerhalb kurzer Zeit wäre das Becken gefüllt und das Wasser würde ungebremst abließen. "Die fehlende Drosselung gefährdet jedoch die Förderfähigkeit", machte Nieren den Stadträten deutlich. Das bedeute, dass die Stadt selbst die zu erwartenden Kosten von über sieben Millionen Euro tragen müsste.

Während sich ein Stadtrat darüber ärgerte, dass "hier mit der Statistik alles über den Haufen geworfen werde", erklärte Frank Salzer(UWZ): "Es ist frustrierend. Wir stehen wieder bei null."

Bürgermeister Wolfgang Triebert (CDU) sagte: "Wir bekommen den Schutz nicht mehr, den wir uns erhofft hatten." Allerdings machte er darauf aufmerksam, dass derzeit das Planfeststellungsverfahren weiter laufe. Die Unterlagen werden bei der der Landesdirektion eingereicht. "Wir wissen noch nicht, was passiert", erklärte Triebert. Jetzt sei erst einmal die Landesdirektion an der Reihe.

Frank Nieren riet jedoch den Stadträten, sich zeitnah zu positionieren, ob die Planungen trotz der schlechten Förderaussichten weitergehen sollten. Denn bislang sind bereits Kosten in Höhe von rund 400.000 Euro aufgelaufen. Zwar sind diese zu 90 Prozent förderfähig. Doch die Stadt muss davon 40.000Euro tragen.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    0
    Tauchsieder
    29.03.2019

    Na toll, da flossen mal ebenso 400 000€ die Zwönitz runter um zu dieser Erkenntnis zu gelangen.
    Zitat: - "Wir wurden aufgefordert, die hydrologischen Werte zu überarbeiten ... Der Grund sind die Hochwasser 2002, 2010 und 2013" - Zitat Ende.
    Hier stellt sich dem interessierten Leser sofort die Frage mit welchen Werten haben die denn sonst gerechnet, etwa aus dem 16. Jhr., oder dem 19. Jhr.?
    Und dies ist wirklich ein Ingenieurbüro ?



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