Zu wenig Kunden - Laden für Kunstgewerbe schließt im August

In Eibenstocks Innenstadt grassiert ein Problem: Geschäfte stehen leer. Nun gibt die nächste Inhaberin auf. Die Industrie- und Handelskammer kennt einen Grund für das Dilemma.

Eibenstock.

Das Schild auf dem Gehsteig weist darauf hin: Am 31. August schließt das Kunstgewerbegeschäft in der Eibenstocker Innenstadt. "Es reicht finanziell nicht für Rente und Versicherung, alles ist sehr knapp bemessen", sagt Ina Neubert, die seit 2012 hinter dem Verkaufstresen steht. Deshalb hat die 55-Jährige beschlossen, sich noch einmal beruflich zu verändern.

Gudrun und Ludwig Jaschke sind darüber traurig. Ihnen gehört das Haus Dr.-Leithold-Straße 3. Gebaut wurde es 1863, Paul Schubert eröffnete dort 1913 ein Geschäft, und als er 1959 in den Westen ging, wurde daraus ein Wismut-Handel. Bis zur Wende arbeitete Gudrun Jaschke in dem Geschäft, war als Leiterin für dieses und eine weitere Filiale in Eibenstock zuständig. 1990 kauften sie und ihr Ehemann das Haus von den Alteigentümern. "Damals war das fast schon eine Bruchbude. Wir haben viel Geld und Zeit in seine Sanierung gesteckt", berichtet Ludwig Jaschke. Er musste jetzt seine 79-jährige Frau bremsen, sich nicht wieder selbst in das Geschäft zu stellen, das ihr so sehr am Herzen liegt und für das partout kein Nachfolger zu finden ist. "Wir haben das auch schon bei der Industrie- und Handelskammer gemeldet und überall Handzettel verteilt, auf denen wir um eine Übernahme werben", sagt Gudrun Jaschke.

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Dagmar Meyer von der Regionalkammer Erzgebirge der IHK kennt das Dilemma: "Die Kunden gehen zu wenig vor Ort einkaufen." Gegenüber dem bundesweiten Durchschnitt verfügt der Erzgebirgskreis über 104 Prozent der Verkaufsfläche pro Einwohner und nur 84,3 Prozent der einzelhandelsrelevanten Kaufkraft. Laut IHK gab es zum 2. Januar 2018 im Erzgebirgskreis 3531 Einzelhandelsbetriebe, am 2.Januar 2019 waren es 3423. Zudem erfolgten in diesem Zeitraum 159 Gewerbeanmeldungen und 210 Abmeldungen. "Welche dieser Unternehmen im Innenstadtbereich tätig sind, wer als Unternehmensnachfolger antritt und wie viele dieser Unternehmen auch oder ausschließlich Online-Handel betreiben, ist aus diesen Zahlen nicht ersichtlich. Diese Zahlen liegen uns so detailliert nicht vor", sagt Meyer.

Ina Neubert versucht Gründe zu finden, warum der Absatz von Kunstgewerbe immer geringer wird: "Junge Leute haben andere Interessen, die kaufen solche Sachen nicht. Auch die Urlauber, die nach Eibenstock kommen, würde ich nicht zu den guten Käufern rechnen, die richtig guten sind die Stammkunden." Zu ihnen gehört Astrid Sternkopf. "Das ist traurig, dass das Geschäft zumacht. Ich komme bestimmt schon 40 Jahre her und finde immer etwas, kleine Geschenke für Arbeitskollegen zum Beispiel. Ich schätze vor allem die Freundlichkeit und Aufmerksamkeit, mit der man hier bedient wird", sagt die Kundin.

"Nach der Wende war der Verkauf gut, jetzt sind die Leute übersättigt. Außerdem ist Kunstgewerbe etwas, was ewig hält", sieht Gudrun Jaschke die Gründe für das Aus. "Wir hätten gern gesehen, wenn das Geschäft im Zentrum der Stadt erhalten geblieben wäre", ergänzt ihr Mann. "Ich denke, auch den Urlaubern, die immer wiederkommen, wird etwas fehlen, wenn es das nicht mehr gibt." Ganz haben Jaschkes die Hoffnung nicht aufgegeben. "Unser Wunsch wäre es, wenn eine junge Frau sich vorstellen könnte, hier als Verkäuferin zu arbeiten. Ideal wäre, wenn sich jetzt schon jemand meldet, der sich dann bis Ende August einarbeitet und die gesamte Ware übernimmt", so Ludwig Jaschke.

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