Zwischen familiärem Soloabend und großer Opern-Inszenierung

Martin Scherm ist der neue Ausstattungsleiter im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz. Derzeit ein Spagat zwischen Komik und Drama.

Annaberg-Buchholz/Aue.

Gleich mit zwei Premieren wartet das Eduard-von-Winterstein-Theater in dieser Woche auf - zwei Premieren, die unterschiedlicher kaum sein können. Am Freitagabend gestaltet Schauspieler Udo Prucha erstmals sein Soloprogramm "Lachen und lachen lassen" auf der Studiobühne des Hauses. Ein Abend, an dem er an bekannte Komiker vergangener Zeiten aus Ost und West erinnert. Am Sonntag wird es dann auf der großen Bühne dramatisch: Giacomo Puccinis Oper "Tosca" erlebt ihre Premiere. Während die Akteure der beiden Inszenierungen jeweils aus unterschiedlichen Sparten kommen, steckt einer mittendrin in diesem künstlerischen Spannungsfeld: der neue Ausstattungsleiter Martin Scherm. Er zeichnet für beide Inszenierungen verantwortlich.

Wobei er die Herausforderung für den Ausstatter dabei gar nicht so unterschiedlich sieht. Er will Räume schaffen, in denen sich die handelnden Personen entfalten können - also Atmosphäre schaffen. Die Herangehensweise sei aber schon eine andere: "Beim Schauspiel gibt es ein Grundkonzept. Mit dem wird umgegangen", erläutert er. Und: "Die Schauspieler erobern sich die Räume." Bei der Oper dagegen werde mehr mit starken Bildern gearbeitet. Dort sei die Musik der Oberbau. "Man muss also im Takt bleiben."

Manchmal - wie bei "Tosca" zum Beispiel - setze aber auch der historische Hintergrund des Stoffes den Rahmen für die Gestaltung der Bühne. Diesmal also der zweite Koalitionskrieg und seine Folgen im Rom um 1800. Ansonsten erfordere die von Victorien Sardou in seinem Drama "La Tosca" erfundene Geschichte eher Zurückhaltung in der Ausstattung, da sie vor allem von Emotionen lebt. "Die drei Hauptpersonen agieren so intensiv miteinander, dass es keines überflüssigen Dekors bedarf. Die emotionale Dichte des Stückes muss sich frei entfalten können", sagt der gebürtige Bayer, der Malerei und Grafik an der Kunstakademie in München studiert hat.

Das Malen fasziniert ihn auch heute noch. "Aber dabei verliert man schnell den Kontakt zur Außenwelt." Er wolle aber lieber etwas mit Menschen auf die Bühne bringen, deshalb habe er "schon immer mit dem Theater gebliebäugelt". Dazu beigetragen hat wohl auch sein Praktikum während der Studienzeit, das er bei der Staatsoper in München absolviert hat. Schließlich sei er beim Bühnenbild "hängen geblieben" und sieht dort durchaus auch noch Parallelen zur Malerei. Aber eben nicht nur. Für das Bühnenbild müssten viele verschiedene Gewerke zusammenarbeiten.

Nach Engagements beim Theater in Potsdam und beim Film in Köln ist nun das Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz seine dritte berufliche Station. Die besondere Herausforderung in dem altehrwürdigen Haus: Die Bühne ist vergleichsweise klein, und es gibt weder eine Hinter- noch eine Seitenbühne. Aber: "Ich muss mich als Ausstatter auf die Gegebenheiten des Raumes einlassen." Das nächste Mal für das Schauspiel "Nathan der Weise", das Anfang April Premiere hat.

Die Oper "Tosca" wird am Sonntag zum ersten Mal im heimischen Theater gezeigt. Die Vorstellung beginnt 19 Uhr.


Das tragische Ende einer großen Liebe im skrupellosen Spiel der Macht

Rom im Juni 1800: Die Sängerin Floria Tosca und ihr Geliebter, der Maler Mario Cavaradossi, leben in unsicheren Zeiten. Zwei Jahre zuvor hatten französische Truppen den Kirchenstaat erobert und die Römische Republik errichtet, die aber schon ein Jahr später beim Ansturm der Armee Neapels wieder zusammengebrochen war. Jetzt ist Napoleon Bonaparte in Frankreich an der Macht und versucht, Rom zurückzuerobern.

Cavaradossi malt in der Kirche Sant'

Andrea della Valle. In der hat sich der ehemalige Konsul der untergegangenen Römischen Republik versteckt: Cesare Angelotti. Als Cavaradossi seinen Freund entdeckt, verschließt er zum Schutz die Kirchentür. Tosca, die sich für den Abend mit Cavaradossi verabreden will, wird durch die verschlossene Tür argwöhnisch. Sie beschuldigt ihren Geliebten der Untreue.

Zusammen mit Angelotti verlässt Cavaradossi die Kirche, um ihn in seinem Haus zu verstecken. Der Mesner bringt die Nachricht von der angeblichen Niederlage Napoleons. Auf der Suche nach dem flüchtigen Angelotti kommt Polizeichef Baron Scarpia in die Kirche. Er hat den Verdacht, dass Cavaradossi Angelotti bei der Flucht unterstützt. Tosca und Cavaradossi werden zu hilflosen Werkzeugen in Scarpias skrupellosem Machtspiel.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...