Zwischen Klischee und Wirklichkeit

Fünf Erzgebirgerinnen erlebten das Land des Lächelns zwischen Hightech-Toilette und Plastikmüll am Traumstrand. Ein Austausch der Sportjugend machte es möglich.

Aue/Schwarzenberg.

Die vier jungen Tänzerinnen vom Schneeberger Tanzprojekt Keen on Rhythm kommen in Yukata zum Termin. So nennt sich die leichtere Alltagsvariante des Kimonos, und wie man trägt wissen die jungen Frauen ganz genau - drei Wochen waren sie in Japan. Ein Simultanaustausch der japanisch-deutschen Sportjugend hat dies ermöglicht.

Selbst an ein Handtuch, das die Taille unter dem Gewand verschwinden lässt, haben die Mädchen gedacht. "Der Yukata soll die weiblich Formen nicht betonten, sondern lässt die Figur gerade wirken", sagt Elaine Wolter. Warm sei das Material, die dazu passenden hölzernen Schuhe seien eher unbequem, sind sich die Mädchen einig. "Das war ein Abschiedsgeschenk an unserer ersten Station", sagt Melina Stieglat. Lisa-Marie Langer ergänzt: "Als wir den bekommen haben, waren wir alle ganz sehr berührt." Denn natürlichen hatten sich die Mädchen längst angeschaut, was ein Yukata kostet und waren vom hohen Preis überrascht. Überhaupt sei der erste Abschied auf ihrer Rundreise sehr bewegend und traurig gewesen. So herzlich sei man in der ersten Präfektur aufgenommen worden.

Während ihres Aufenthaltes in Japan sollte das aber nicht die einzige Überraschung bleiben. Auch die Toiletten gehörten da dazu. Michelle Baumgarten lacht: "Auf die Toilette zu gehen, ist ein Abenteuer. Es gibt nicht nur einen Knopf zum Spülen, sondern auch einen zum Heizen der Toilettenbrille, einen zum Musik anschalten, für einen Wasserstrahl von unten und einen für eine Luftdusche", zählt sie auf. Melina Stieglat: "Und es gibt ganz viele Knöpfe, die wir gar nicht ausprobiert haben." Diese Hightech-Toiletten finde man nicht nur in Privathaushalten. Öffentliche Anlagen mit dieser Ausstattung sind als "Western Style" gekennzeichnet. "Japanese Style" hingegen sei zugespitzt: Ein Plumpsklo. "Das ist ein bisschen wie Mittelalter", so Gnepper. Zwischendrin gäbe es nichts.

Interessant fanden die Mädchen auch ihre Aufenthalte in den großen Metropolen - Tokio und Hiroshima. Dort würden sich viele Klischees bestätigen. "Menschenmassen in der Metro ist die typisch deutsche Vorstellung", so Michelle Baumgarten. Überraschend dabei: "Obwohl unzählige Gäste in die Bahn wollen, drängeln sie nicht, sondern stellen sich in einer Reihe an", so Elaine Wolter. Beeindruckt zeigten sich die Erzgebirgerinnen auch von der Sauberkeit in den Städten. "Dabei gibt es keine Mülleimer", so Baumgarten. Also haben sie gefragt. Die Antwort erstaunte: Es sei eine Anordnung der Regierung, den Müll mit nach Hause zu nehmen. "Bei uns undenkbar", meint Melina Stieglat. Im Gegensatz dazu sahen die Erzgebirgerinnen selbst an den weißen Traumstränden unglaublich viel Plastikmüll. "Das wird angespült und bleibt liegen", so Maxi-Jasmin Gnepper. "Das hat uns alle sehr nachdenklich gemacht", sagt Elaine Wolter. Unvergessen bleibe der Besuch des Friedensparks mit der Gedenkstätte in Hiroshima. "Der Bürgermeister hat zu uns gesagt, dass wir das Friedensgefühl mitnehmen und bei uns verbreiten sollen", so Elaine Wolter.

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