Zwönitz will zur Smart City werden

Die Kommune plant den Schritt zur Modellstadt für Digitalisierung. Dazu soll auch eine App entwickelt werden. Doch wie werden die Bürger in einer "intelligenten Stadt" eingebunden?

Zwönitz.

Smart City heißt übersetzt nicht nur intelligente Stadt, es klingt auch mächtig nach Zukunft - und genau die will Zwönitz jetzt anpacken. Deshalb hat sich die Kommune für ein millionenschweres Förderprogramm des Bundesinnenministeriums beworben, das Städte zu digitalen Vorreitern machen soll, ihnen zum Beispiel beim Aufbau von Online-Angeboten hilft.

Kurz vor dem Ende der Bewerbungsfrist wurden die Unterlagen eingereicht - natürlich übers Internet. Doch was bedeutet das für Zwönitz? Welche Chancen und Risiken verbergen sich hinter einer Smart City? Diese Fragen sollte Ronny König-Weinreich bei der jüngsten Sitzung des Stadtrates beantworten. Der ehemalige Zwönitzer arbeitet für die Kommunalentwicklung Mitteldeutschland und hat die Bewerbung der Stadt betreut.


"Wir erleben derzeit die vierte industrielle Revolution. Alles was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert. Und mittlerweile hat fast jeder ein Smartphone", erklärte König-Weinreich und machte damit deutlich, wie viele Veränderungen bereits im Gang seien. "Deshalb ist es für die Städte nötig eine Digitalstrategie zu entwickeln, um zu wissen, welche Schritte als nächstes getan werden muss." So sieht zum Beispiel das Regierungsprogramm "Digitale Verwaltung Sachsen" vor, dass alle Verwaltungsleistungen bis Ende 2022 elektronisch zur Verfügung stehen und in den Behörden elektronisch bearbeitet werden sollen.

Doch eine Smart City bedeute noch weit mehr als eine digitale Verwaltung. "Es braucht es auch Bürger, die in der Lage sind, die Angebote anzunehmen", so König-Weinreich. Daher sei die Aktivierung der Bevölkerung ein wichtiger Schritt. Schließlich würde diese durch das sogenannte Smart Living, also vernetztes Wohnen, auch davon profitieren. "Viele digitale Assistenzsysteme vom Türöffner bis zur Heizungssteuerung können dafür sorgen, älteren Menschen möglichst lange ein eigenständiges Leben zu ermöglichen." Ein mit dieser Technik ausgestattetes Haus könnte zum Beispiel die ehemalige Schuhfabrik sein, die derzeit zu einem Zentrum für Senioren umgebaut wird.

Doch eine "intelligente Stadt" kann auch nachhaltig sein. Zum Beispiel wenn Straßenbeleuchtung auf Sensoren reagiert und Lampen nicht dauernd brennen. "Zudem zeichnet sich eine Smart City dadurch aus, dass dort innovative Unternehmen aktiv sind, die miteinander vernetzt sind", so König-Weinreich. Ein Beispiel, wie das in Zwönitz gelingen kann, ist 3D-Audio. Bei diesem Netzwerk von mehreren Firmen wird am Klang der Zukunft forscht. Genug Platz für diese innovativen Firmen will die Stadt im umgebauten alten Speicher zur Verfügung stellen.

Als ein erstes Ziel der Smart City nannte König-Weinreich die Entwicklung einer App für die Stadt. Mit diesem Programm, was zum Beispiel aufs Smartphone geladen wird, können Information aus Zwönitz bezogen werden. "Es soll zu einer Plattform werden, mit der auch Bürger ihre Wünsche mitteilen können." Auch spätere Erweiterungen der App - zum Beispiel mit einem Online-Shop - seien denkbar.

"Im Mittelpunkt steht der Mensch", warb der Zwönitzer Bürgermeister Wolfgang Triebert (CDU) für die Smart City. "Wir wollen richtig kluge Fachkräfte für das Projekt gewinnen", sagte er. Damit werde diesmal nicht in Beton, sondern in Köpfe investiert.

Bekommt die Stadt den Zuschlag, könnten in den nächsten sieben Jahren acht Millionen Euro investiert werden. Zwönitz müsste selbst 1,4 Millionen Euro aufbringen. Trotz der großen Summe und der Bedenken, dass ältere Bürger eher skeptisch dem Projekt entgegenstehen, segnete der Stadtrat die Bewerbung ab. Nun muss das Bundesinnenministerium entscheiden, ob in Zwönitz ab Mitte Juli die Zukunft beginnen kann.

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