650 Jahre Wünschendorf: Zum Auftakt wird Linde gepflanzt

Der Pockau-Lengefelder Ortsteil feiert eine Woche lang. Und die Besucher können sogar ein eigens gebrautes Bier trinken.

Wünschendorf.

30 Jahre lang hat Wünschendorf ein ganz gewöhnliches dreitägiges Dorffest gefeiert. Diesmal ist alles anders, denn der Ort begeht seinen 650. Geburtstag, und zwar zehn Tage lang.

Beim Kulturverein laufen die Fäden zusammen. "Seit etwa fünf Jahren haben wir das Fest vorbereitet, jetzt ist es endlich losgegangen", sagt Wieland Schmidt. Der Vorsitzende des Kulturvereins kann sich auf seine Mannschaft verlassen, denn innerhalb des Organisationskomitees gibt es Arbeitsgruppen, die für die Aktivitäten verantwortlich sind.


Noch vor dem offiziellen Beginn der Festsitzung in der Jahnhalle pflanzten Ortsvorsteher Johannes Schmidt und Ortschaftsrat André Kempter auf dem Spielplatz eine Linde. "Das Bäumchen steht weit genug von der Straße weg, und es besteht auch nicht mehr die Gefahr, dass ein Schwimmpanzer in die Linde kracht", sagt Wieland Schmidt. Hintergrund: Am 24. August 1968 fuhr ein sowjetischer Schwimmpanzer auf dem Weg nach Prag in die stattliche Linde, die am Ortsausgang Richtung Lengefeld stand. Damit hatte der Baum, der noch bis 2009 stand, seinen Namen als "Panzerlinde" weg.

Am Freitagabend kamen auch die Bierliebhaber auf ihre Kosten, denn ein Fässchen Festbier wurde angestochen. Das Getränk, ein obergäriges Kellerbier mit 5,5 Prozent Alkohol, hatte Uwe "Max" Gottwald, Betreiber der Bierfabrik Erzgebirge in Wünschendorf, extra für diesen Anlass gebraut. Bürgermeister Ingolf Wappler erledigte den Bierfassanstich formvollendet mit nur zwei Schlägen. "Ich habe so etwas zum ersten Mal gemacht und bin froh, dass es geklappt hat", sagte der bekennende "Nichtbiertrinker".

Ein Höhepunkt am Samstag war das Treffen ehemaliger Schüler der Schule. "400 Ehemalige sind gekommen, der Aufwand hat sich gelohnt", so Wieland Schmidt. Am Sonntag kamen die Liebhaber von Oldtimern auf ihre Kosten, denn zur "Ü-30-Technikschau" waren auf dem Sportplatz 40 Autos und 120 Motorräder zu sehen. Das Vogelschießen zog sich am Sonntag in die Länge, doch dann war das letzte Stück Holz vom Vogel geschossen, und Daniel Krolkofsky aus Wünschendorf durfte sich Schützenkönig nennen. Die Aktivitäten gehen unterdessen weiter und sollen ihren Höhepunkt am Sonntag finden, wenn 14 Uhr der Festumzug beginnt.


Der Klassentreffen-Profi

Karl-Heinz Richter hatte es nicht allzu schwer, seine ehemaligen Mitschüler wieder zu erkennen. "Wir machen jeweils nach fünf Jahren ein Klassentreffen, in diesem Zeitraum verändert sich niemand zu sehr", sagt der 66-Jährige. Eingeschult wurde der Reifländer in seinem damaligen Wohnort, die 5. bis 8. Klasse besuchte er in Wünschendorf. "Es war schön hier, an die Schulzeit erinnere ich mich gern." Nach der Schule wurde er Triebfahrzeugschlosser, arbeitete in einer Holzfabrik in Wünschendorf, sattelte um und wurde Meister der Holztechnik. Er arbeitete bei Gelkida, nach der Wende ging er mit seiner Lebensgefährtin Maria ins Allgäu, wo er 30 Jahre lang arbeitete. Seit einem Jahr lebt Karl-Heinz Richter mit seiner Maria wieder im Erzgebirge, in Ehrenfriedersdorf. (dit)


Die Aufgeregte

Ingeburg Bach schaute erst in die Runde und war sich unsicher, ob denn jemand kommen würde, den sie aus der Schulzeit kennt. "Wir hatten überhaupt noch kein Klassentreffen, das ist das erste Mal", sagte sie aufgeregt. Sie lebt mit Ehemann Siegfried in Pockau. Im kommenden Jahr feiern die beiden Diamantene Hochzeit anlässlich 60 gemeinsam verbrachter Ehejahre. 1953 beendete Ingeburg Bach die achtjährige Schulzeit in Wünschendorf. "In einem Klassenzimmer wurden damals zwei Klassen unterrichtet, das kann sich heute gar niemand mehr vorstellen", erinnert sich die 80-Jährige. Nach der Schulzeit erlernte sie den Beruf der Ringspinnerin und arbeitete in der Baumwollspinnerei in Hohenfichte, danach bis zur Wende im VEB Vakutronik in Lengefeld. (dit)


Die aus dem letzten Jahrgang

Steffi Riegergehörte einer ganz besonderen Schulklasse an: "Wir waren 1977 der letzte Jahrgang an unserer Schule, dann gab es keine Schüler mehr in Wünschendorf." Sie stammt aus Wünschendorf und besuchte dort die Schule von der 4. bis zur 7. Klasse, danach ging sie in Lengefeld zur Schule. Es habe schon einige Klassentreffen gegeben, zu denen immer zahlreiche Ehemalige kamen: "Wir müssen auch an die Reifländer denken, die nach der 7. Klasse in die Schule nach Lippersdorf gehen mussten", erzählte die 54-Jährige. Sie hatte Wirtschaftskaufmann, Spezialgebiet Verkehrswesen, gelernt. Nach der Wende sattelte sie um zur Finanzbuchhalterin. "Das Jahrgangstreffen ist eine richtig tolle Geschichte", schätzte die Großrückerswalderin ein. (dit)

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