80 Erzgebirger folgen Klimastreik-Aufruf

Weltweit ist am Freitag für mehr Umweltschutz demonstriert worden. In Marienberg schlossen sich Menschen dem Protest der Fridays for Future-Bewegung an - und hinterließen bleibende Botschaften.

Marienberg.

Laute Sprechchöre hallen über den Marienberger Marktplatz. "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut", rufen die Teilnehmer des Klimastreiks. Zu dem hatte die Fridays for Future-Bewegung am gestrigen Freitag anlässlich der UN-Klimakonferenz in New York und einer Sitzung des Klimakabinetts der Bundesregierung weltweit aufgerufen. Allein in Deutschland wurde in mehr als 600 Städten demonstriert - darunter auch in Marienberg.

Ab 14.30 Uhr versammelten sich rund 80 Erzgebirger, um dem Aufruf zum Klimastreik zu folgen. Der Zeitpunkt war bewusst nach Schulschluss gewählt, damit niemand behaupten kann, dass die Kinder und Jugendlichen nur schwänzen wollen. Doch es waren längst nicht nur junge Menschen, die sich für mehr Umweltschutz stark machten. Auch Erwachsene bis hin zu Senioren und sogar ganze Familien protestierten mit. Jung und Alt kamen ins Gespräch.

"Klimaschutz betrifft uns alle", sagte Ronja Enold aus Wiesenbad. Die Gymnasiastin weiß auch, dass das Thema die Nation spaltet. Aber: "Wir dürfen nicht tolerieren, dass der Klimawandel geleugnet wird", ergänzte Luise Ramm, angehende Studentin aus Wolkenstein.

Neben den Forderungen an die große Politik müsse sich jeder selbst fragen was er zum Klimaschutz beitragen kann, betonten die Rednerinnen. "Es beginnt mit den kleinen Dingen", machte Anna Bretschneider aus Neudorf deutlich. Genau das forderte Rainer Düll von den Schülern: "Ich würde die jungen Leute zum Aufforsten in den Wald schicken." Der Gornauer habe aus der Zeitung von der Demo erfahren und wollte sich vor Ort selbst ein Bild machen. "Ich hatte mit mehr Leuten gerechnet", meinte er.

Dass die jungen Aktivisten nicht nur Forderungen stellen, sondern selbst anpacken, haben sie erst kürzlich mit einer Müllsammelaktion in Annaberg bewiesen. Auch Susanne Stülpner, die bei der Organisation der Demo unterstützend zur Seite stand, leiste bereits jahrelang ihren Beitrag. Sie lebe schon seit längerer Zeit deutlich bewusster, achte bei Artikeln in ihrem Friseursalon auf die Inhaltsstoffe, ernähre sich mit Biolebensmitteln und vermeide Plastikmüll. "Das versuche ich auch meiner Tochter zu vermitteln", sagte die Marienbergerin aus vollster Überzeugung. Reinhard Egermann aus Grünhain-Beierfeld nahm die 36 Kilometer lange Anreise zur Demo mit dem Elektroauto in Angriff. Seit Jahren setzt er auf E-Mobilität, zu Hause auf Fotovoltaik. "Es ist schön, dass die Jugend mal wieder ihre Stimme erhebt", lobte der 66-Jährige. Enttäuscht zeigte er sich hingegen vom geschlossenen Klimapaket der Groko: Die Änderungen seien alle nur oberflächlich.

Bleibend sind die Botschaften der Protestteilnehmer in Marienberg - zumindest bis zum nächsten Regen. Mit Kreide malten sie Bilder und Sprüche auf den Marktplatz. Im Übrigen das Einzige, was die Teilnehmer hinterlassen haben. Weder Müll, noch leere Flaschen oder Zigarettenstummel blieben nach Ende der Demo gegen 16 Uhr auf dem Boden zurück. (mit dit)

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 2 Bewertungen
4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 16
    2
    franzudo2013
    22.09.2019

    Kann mir jemand erklären, wer der Adressat des Streiks sein soll?
    Wird hier der Mond angebellt?
    Von den 80 "Aktivisten" kann doch jeder heimgehen, sein Auto verkaufen, sich vegan ernähren, auf Fernreisen verzichten und die Heizung abdrehen/ nur noch ein Zimmer heizen.
    Was hält die Leute davon ab?
    Warum müssen alle anderen agitiert werden? Haben die kein Vertrauen in ihre" Argumente "?

  • 14
    4
    Sterntaler
    21.09.2019

    @BlackSheep: Sie überschreiten Grenzen. Zum Ersten, schauen Sie sich an, wie die Aussage entstanden ist 97 % aller Wissenschaftler seien sich einig. Zum Zweiten, auch wenn dies an dieser Stelle vielleicht polemisch klingen mag, es gab Zeiten da waren sich auch fast alle Wissenschaftler einig die Erde sei eine Scheibe. Zum Dritten, wo bitte habe ich geschrieben, Studierte hätten eine Macke? Sie vergessen sich, mein Lieber. Übrigens habe ich ebenfalls studiert und übe meinen Beruf seit über 25 Jahren erfolgreich aus. Zum Vierten, auch ich kritisiere und Sie tun genau das was Sie mir unterstellen.

  • 6
    16
    BlackSheep
    21.09.2019

    @Sterntaler, wenn sich ausnahmsweise mal fast alle Wissenschaftler einig sind, das der Mensch den Klimawandel beschleunigt, muss man das natürlich nicht ernst nehmen, ist klar, Studierte haben eh ne Macke. Das zur Zeit Klimahysterie herscht da gebe ich Ihnen Recht, aber so zu tun als ob alle die etwas kritisieren spinnen, ist Blödsinn.

  • 16
    8
    Sterntaler
    21.09.2019

    Fräulein Ramm fordert also die Einschränkung der grundgesetzlich garantierten Meinungsfreiheit. Bevor hier jemand den Daumen nach unten setzt sollte er sich genau überlegen, ob er Vorstehendes wirklich will. Wenn der Damm einmal gebrochen ist geht das bei anderen Themen leicht genau so weiter und der Schritt in die gelebte Diktatur ist kurz. Aber ganz schön selbstbewusst ist diese Forderung schon für das Grüppchen von 0,02 % der Einwohner des Erzgebirgskreises, das sich da versammelt hatte. Der Begriff "leugnen" spricht darüber hinaus für meinungsstarke Ahnungslosigkeit. Niemand der bei Verstand ist leugnet den stetigen Wandel des allzeit dynamischen, nichtlinear-chaotischen Systems Klima als statistischen Mittelwert aus 30-jährigen Beobachtungsperioden. Ich nehme mal an, dass die junge Dame aus Wolkenstein den menschlichen EInfluss auf Klimaveränderungen meint. Sie sollte sich allerdings schon mal mit den tatsächlichen Fakten vertraut machen, nach denen ein Einfluss des anthropogen emittierten CO2 auf die Klimadynamik keinesfalls signifikant erwiesen und die künftige Entwicklung des Klimas nicht vorhersehbar ist. Es kann einen Einfluss des CO2 geben, ob dem so ist und wenn ja in welchem Maß ist nicht belegt. Mit der 97%-aller Wissenschaftler-These braucht niemand anfangen, man muss sich nur ansehen wie diese Zahl entstanden ist. Sehr positiv ist aus meiner Sicht aber zu bewerten wenn sich Teile der Demonstranten aktiv an Müllsammel- oder Pflanzaktionen beteiligen. Dass jeder seinen Beitrag zu Umweltschutz und Ressourcenschonung leistet ist elementar wichtig. Das Klima kann man jedoch ebenso wenig schützen wie den über 30 Jahre gemittelten Pegelstand von Rhein und Elbe. Zur von Herrn Egermann genutzten E-Mobilität kann man auch gespaltener Meinung sein, wenn man sich die gesamte Ressourcen- und Herstellungsbilanz ansieht. Für den Großstadtfahrer auf kurzen Strecken wäre E-Mobilität vielleicht schon eine überlegenswerte Option, um zumindest die Abgasbelastung in den Städten zu reduzieren. Für die Breitenanwendung halte ich dies für eher ungeeignet.



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