86-jähriger Vereinsvorsitzender hält die Euphorie am Leben

Brauchtum im Erzgebirge: Wandern, Heimatabende organisieren, aber auch Feste feiern, das machen die Mitglieder von Erzgebirgszweigvereinen. Heute der aus Sayda.

Sayda.

Mit seinen 86 Jahren ist Roland Mehner aus Friedebach einer der ältesten Vorsitzenden eines Erzgebirgszweigvereines (EZV) in der Region. Seit dem plötzlichen Tod des einstigen Vorsitzenden Heinz Flade im April 2018 hat er beim EZV Sayda das Steuer übernommen. Mit Liebe zur Heimat, zum Wandern und zur Geselligkeit füllt er sein Ehrenamt aus. "Wenn ich es nicht kommissarisch übernommen hätte, wäre es sicherlich bei uns in Sayda nicht weitergegangen. Außerdem kann ich schlecht Nein sagen", erzählt der Friedebacher. Und: Er ist kein heuriger Hase. Vielmehr hat Mehner den Verein schon einmal geleitet. 1998 übernahm er das Amt vom verdienstvollen Gottfried Krönert, der den EZV in Sayda im Februar 1990 aus der Taufe hob, nachdem er in der DDR verboten war. Bis 2010 hielt Mehner das Zepter in der Hand - damals noch für 70 Mitglieder.

Heute sind es noch 36. Diese kann Roland Mehner, dem man sein Alter keineswegs ansieht, durch seine direkte Art gut motivieren. Erfahrung bringt er dank seiner zwölf Jahre als Vereinschef reichlich mit. "Das waren damals noch andere Zeiten. Da war noch eine große Anfangseuphorie vorhanden. Die Menschen bei uns waren leicht zu begeistern, und wir haben jedes Jahr sehr viel unternommen", erzählt Mehner, der im Ortsteil Friedebach bis zur Wende Mitglied der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) war. Einen großen Teil dieser Euphorie, die den Senior nicht zuletzt antreibt, setzt Mehner mit seinem fünf Personen zählenden Vorstand heute noch in die Tat um. Auch wenn seine Frau Inge nicht zum Vorstand gehört, so kann er jederzeit mit kleinen und großen Aufgaben auf sie zählen. "Sie ist mir jederzeit eine große Stütze", sagt Mehner.

Die Neujahrswanderung am 1. Januar, der erste Höhepunkt 2019 des EZV, ist trotz des schlechten Wetters nicht ins Wasser gefallen. 14 Mitglieder ließen sich Laune und Tatendrang nicht vermiesen und fuhren mit dem Vereinsbus ins Café Dahmen nach Friedebach. "Die Geselligkeit wird bei uns großgeschrieben, da muss so eine Einkehrstätte immer dabei sein", so der Vereinschef.

Im April steht die traditionelle Frühlingswanderung an. Dieses Jahr soll es nach Moritzburg gehen. "Jedes Jahr ist ein anderes Ziel dran, wo gewandert werden kann. Dabei hat es uns diese Gegend angetan", erzählt Vorstandsmitglied Werner Kahnt. Ob die Abendwanderung Ende Juli, die Karl-Stülpner-Wanderung (früher hieß sie "Rund um Sayda"), der Grillabend, der Frühschoppen mit dem EZV Neuhausen oder vielfältige Vorträge - all das sind Höhepunkte für die Senioren aus Sayda und Umgebung.

Wenn Roland Mehner vom Johannisfeuer am 24. Juni erzählt, leuchten seine Augen. "Das Feuer auf dem Hexenberg mit der Blaskapelle der Freiwilligen Feuerwehr Friedebach und dem Volkschor der Stadt ist eigentlich der größte Höhepunkt für uns", schwärmt er. Ob Holz sammeln, Grillen oder Getränke ausschenken, die Vereinsmitglieder machen fast alles selbst und freuen sich darüber, dass jedes Jahr immer weit mehr als 100 Besucher kommen, erzählt Roland Mehner.

Seit vielen Jahren engagiert sich Werner Kahnt im Vorstand des Saydaer EZV: "Alle Achtung, dass Roland in seinem Alter unseren Verein so engagiert leitet, dafür gebührt ihm große Anerkennung", sagt er. Er könne aber auch verstehen, dass er diese Funktion nun endgültig abgeben möchte. "Ich hoffe, dass wir bis zur Jahreshauptversammlung im März einen würdigen Nachfolger gefunden haben", erklärt der 77-Jährige, der in der Stadt zusätzlich im Ehrenamt ganz rührig ist.

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