Abschied und Neustart im Theater

Eine gelungene Vorstellung auf der Bühne hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören auch viele helfende Hände hinter den Kulissen.

Annaberg-Buchholz.

Probt das Schauspielensemble des Eduard-von-Winterstein-Theaters in Annaberg-Buchholz im Haus oder im Sommerquartier auf der Freilichtbühne an den Greifensteinen, war sie in den zurückliegenden zwei Jahren meist mit dabei: Natascha Rose, Regieassistentin und Abendspielleiterin. Meist mit dickem Ordner und stets schreibbereitem Stift ausgestattet, kennt sie die Stücke wie kaum ein anderer bis ins Detail. Kein Wunder, ist sie doch von der ersten Konzeption bis zum letzten Vorhang mit jeder Inszenierung intensiv beschäftigt.

"Eine Abendspielleiterin ist verantwortlich für alle eigenen Produktionen des jeweiligen Theaters - und das wirklich von vorn bis hinten", erklärt sie. Dabei gehe es um die Sicherung der Qualität jeder einzelnen Inszenierung. Und die Betreuung umfasst tatsächlich alles, was damit im Zusammenhang steht: von der Absprache mit den Gewerken in den Werkstätten, über das Managen der Probentermine für die Ensemblemitglieder bis zum Soundcheck und allem, "was auf der Bühne passiert". Und manchmal steht man dann als Regieassistentin plötzlich ohne den Regisseur da.


"Das war in meinem ersten Jahr hier bei der Inszenierung von ,Cabaret'", erinnert sich Natascha Rose. Zunächst war schon eine der Hauptproben ausgefallen, und letztlich musste krankheitsbedingt auch noch die Premiere abgesagt werden. Der neue Termin: zwei Tage nach dem Februarurlaub. Da war der Regisseur allerdings schon bei seiner nächsten Inszenierung verpflichtet. Eine besondere Herausforderung für die zierliche junge Frau. Doch vielleicht gerade dieser Umstände wegen ist dieses Stück für sie zu einer ihrer liebsten Inszenierungen in Annaberg-Buchholz geworden.

Ansonsten gibt es das Wort "Pannen" für sie nicht. Sie spricht höchstens von "Schrecksekunden" oder einer "Aneinanderreihung von all dem, was nicht funktioniert". Doch dann heißt es, flexibel sein und Lösungen finden. "Die Umstände müssen genommen werden, wie sie sind", sagt sie. Eine wichtige Voraussetzung dafür? "Ein relativ hoher Ruhepuls." Denn wie lautet einer der wichtigsten, wenn auch etwas flapsigen Sprüche in jedem Theater: "Der Lappen muss hoch."

Das bestätigt auch Lucia Reichard. Die Schauspielerin aus Freiburg im Breisgau wird noch diese Woche die Aufgaben von Natascha Rose übernehmen. Die Germanistin, Philosophin und Literaturwissenschaftlerin Natascha Rose unterdessen wird ihre neue Stelle antreten - im Pfalz-Theater in Kaiserslautern.

Durchschnittlich bleiben für die Vorbereitung neuer Inszenierungen etwa sechs Wochen. "Das ist eine übliche Zeit an den Theatern", sagt Lucia Reichard, die neben ihrer schauspielerischen Ausbildung auch schon Erfahrungen mit Regiearbeit von der Schwäbischen Alb mitbringt. Sie kennt daher auch die ganz unterschiedlichen Typen Regisseure: "Manche bringen eine ganz klare Linie mit, andere beziehen die beteiligten Akteure in den Entwicklungsprozess mit ein." Eigene Vorstellungen zur Gestaltung des Stückes müssen da gegebenenfalls hintenan gestellt werden. "Im Idealfall ist es eine gute Teamarbeit", sagt Natascha Rose.

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