Ärger in der Innenstadt: Anwohner kritisieren Parkkonzept

Seit Jahren versuchen sie, in Marienberg einen Bewohnerparkausweis zu bekommen. Vergebens. Dabei seien gerade früh und abends genügend Plätze vor der Haustür frei. Die Stadt nennt Gründe, warum sie dennoch nicht jedem Antrag zustimmt.

Marienberg.

Zentrumsnah und trotzdem ruhig gelegen, dazu eine eigene Terrasse im großen Hinterhof: Sindy Stieglitz hat ihre Traumwohnung gefunden. Wäre da nicht der Streit mit der Stadtverwaltung Marienberg.

Die 32-Jährige wohnt seit dreieinhalb Jahren an der Marienstraße. Fast genauso lange ist es her, dass die Physiotherapeutin einen Bewohnerparkausweis bei der Stadt beantragt hat. Schon mehrfach hat sie sich daher schriftlich an das Ordnungsamt gewandt: "Doch ich werde immer wieder vertröstet. Vielmehr soll ich die weit entfernten kostenlosen Parkplätze an der Stadthalle, bei der Polizei oder am Bahnhof nutzen." Dabei würden vor ihrer Haustür Anwohnerparkflächen zur Verfügung stehen - und gerade früh und abends, wenn sie zur Arbeit geht beziehungsweise nach Hause kommt, genügend Plätze frei sein.

Mit dem Problem steht Sindy Stieglitz nicht allein da. Auch ihr Nachbar Manfred Seifert wartet seit fünf Jahren auf einen Parkausweis, obwohl er ihn direkt nach seinem Einzug in das Eckhaus an der Marienstraße 2014 beantragt hatte. Zudem stehen neben den beiden weitere 18 Antragsteller auf der Warteliste - ausschließlich für die Marienstraße, bestätigt Stadtsprecherin Gisela Clausnitzer.

"Warum kann nicht einfach jedem, der hier wohnt, ein Bewohnerparkausweis genehmigt werden? Schließlich berechtigt der Schein ja nur, dass wir hier stehen dürfen, und ist keine Garantie, dass auch ein Platz frei ist. Deshalb spielt es doch keine Rolle, wie viele solcher Karten im Umlauf sind", fragt sich Sindy Stieglitz. So handhabt es unter anderem die Stadt Annaberg-Buchholz. "Jeder Antragsteller, der nachweisen konnte, dass er in dem jeweiligen Stadtgebiet wohnt, erhielt eine solche Karte", erklärt Sprecher Matthias Förster. In Chemnitz wiederum hat sogar jeder Anwohner in einer Bewohnerparkzone Anspruch auf einen Parkausweis. In Marienberg hingegen sind für insgesamt 243 Bewohnerparkplätze aktuell 235 Parkausweise ausgestellt und weitere acht in Bearbeitung. Doch warum handhabt es die Bergstadt anders?

Das 2010 vom Stadtrat beschlossene Parkkonzept sieht in der Innenstadt eine Mischnutzung vor, kombiniert Anwohner- und Kurzzeitparken. "Es gilt, Kurzzeitparker, Dauerparker, Tagesparker sowie das Bewohnerparken und Lieferbereiche gleichberechtigt zu berücksichtigen", erklärt Gisela Clausnitzer. Dazu gebe es eine bundesrechtliche Auslegung, dass Bewohnerparken nicht mehr als 50 Prozent aller Stellflächen in der Innenstadt einnehmen soll. Deshalb haben in Marienberg Anwohner keinen Anspruch auf eine entsprechende Parkerlaubnis.

Doch nicht nur das kritisiert Manfred Seifert: "Ich habe vor fünf Jahren einen Antrag gestellt. Andere wohnen noch nicht so lange hier und haben bereits einen Parkausweis bekommen." Zwar spielt das Antragsdatum bei der Vergabe eine Rolle, sagt Gisela Clausnitzer. Aber tatsächlich werden auch soziale Aspekte berücksichtigt. Familien mit Kleinkindern beispielsweise können bevorzugt behandelt werden, ergänzt die Stadtsprecherin.

Für Manfred Seifert geht das Warten also weiter. Und Sindy Stieglitz? Sie hat erneut Post von der Stadtverwaltung erhalten. Darin wird ihr nun ein Parkausweis angeboten. "Jedoch am Gymnasium. 350 Meter von meiner Haustür entfernt. Witzigerweise genau neben den mir bereits empfohlenen kostenlosen Parkplätzen bei der Polizei."

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    fnor
    17.08.2019

    Es betrifft ja nicht nur die Anwohner, auch Gäste dürfen dort nicht parken. Will man in Veranstaltungen ins Rathaus oder zur Stadtratssitzung, ist Übernachtungsgast oder hat abends in der Innenstadt etwas vor, steht man vor demselben Problem. Man kann höchstens 1 Stunde parken, kann an einigen Stellen länger mit Parkschein stehen oder muss mehrere Runden drehen, um einen Parkplatz zu finden. Dabei fährt man an einer Vielzahl freier Plätze vorbei, die man allesamt nicht nutzen darf. Andere Städte heben die Stundenbegrenzung z.B. zwischen 18 und 8 Uhr auf. Sicher gibt es gute Gründe, dass Familien mit Kleinkind wohnungsnah parken dürfen, ein bisschen mehr Freiheit wäre dennoch angebracht. Damit würden leere Parkplätze besser genutzt und keinem etwas weggenommen.



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