AfD-Stadtrat kritisiert geplantes Wohngebiet

Für fast zwei Millionen Euro soll neues Bauland im Marienberger Ortsteil Lauta erschlossen werden. Es fehlt nur noch die Genehmigung vom Landratsamt. Im Stadtrat sind aber nicht alle begeistert.

Marienberg.

Das neue Wohngebiet nahe der Bundesstraße 174 im Marienberger Ortsteil Lauta kann schon bald erschlossen werden. Der Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung die beiden abschließenden Beschlüsse abgesegnet. Nun könne der Bebauungsplan beim Landratsamt zur Genehmigung eingereicht werden, erläuterte Oberbürgermeister André Heinrich (parteilos).

Nach erteiltem Baurecht will die Verwaltung in die Vermarktung der Grundstücke gehen. Doch nicht alle Stadträte sind von dem fast zwei Millionen Euro teuren Projekt, für das die Stadt einen 1,9-Millionen-Euro-Kredit aufnehmen muss, begeistert. AfD-Stadtrat René Schubert äußerte Unverständnis. Und es war nicht die erste Kritik an dem prestigeträchtigen Vorhaben.

René Schubert sieht keinen Sinn darin, neues Bauland auf der rund 26.000 Quadratmeter großen Ackerfläche zu erschließen. In den Ortsteilen der Bergstadt herrsche Leerstand. Obendrein werden in den zu Marienberg gehörenden Dörfern Häuser abgerissen. André Heinrich entgegnete, dass die Stadt- und Dorfentwicklung gleichermaßen vorangetrieben werde. Zudem sei es gelungen, die Wohngebiete in den Ortsteilen Mooshaide und Gebirge voll zu bekommen. "Wir müssen Familien, die Bauland suchen, Möglichkeiten bieten", betonte der Oberbürgermeister. Und die Stadt halte dafür auch nicht zu viel freie Flächen vor.

Letztlich blieb es beim Abwägungsbeschluss über die Stellungnahmen sowie dem Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan bei der einzigen Gegenstimme durch Schubert. Sowohl CDU-Fraktionschef Andreas Haustein als auch Wolfgang Jasper, Fraktionsvorsitzender der Freien Wählergemeinschaft, betonten, die Pläne der Verwaltung zu unterstützen.

Aus beiden Fraktionen wurden allerdings vor nicht einmal einem Jahr ebenfalls Bedenken geäußert. Damals ging es um zusätzliche Lärmschutzauflagen aufgrund der unmittelbaren Nähe zur Ortsumgehung B 174. Sie ließen bei Wolfgang Jasper und dem damaligen CDU-Stadtrat Carl Scheffler Zweifel aufkommen. Denn im Ergebnis der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung kam die Auflage hinzu, entlang der Böschung zur B 174 eine zuvor nicht in diesem Ausmaß vorgesehene, drei Meter hohe und 300 Meter lange Wand-Wall-Kombination bauen zu müssen, um Lärm zu minimieren.

Im nun abgesegneten Abwägungsbeschluss wiesen die Landesdirektion Chemnitz und das Landratsamt des Erzgebirgskreises in ihren Stellungnahmen erneut auf die Problematik hin. Die Stadtverwaltung entgegnet, dass trotz der Wall-Wand-Kombination die schalltechnischen Orientierungswerte zwar weiter überschritten werden. Die Schwelle zur Gesundheitsgefährdung wird jedoch mit dem zusätzlichen Lärmschutz unterschritten.

Fakt ist: Genehmigt der Landkreis nun das Projekt, kann mit dem Bau begonnen werden. Und die Zeit drängt. Ursprünglich sollte bereits 2019 mit der Erschließung der etwa 40 Grundstücke begonnen werden.


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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    0
    Tauchsieder
    19.02.2020

    Ein "Grüner" von mir "fnor"!
    Zersiedlung der Städte, Verarmung der Innenstädte, Entstehung von Problemquartieren und Versiegelung in der Fläche. Schlimmer geht immer.

  • 9
    0
    fnor
    19.02.2020

    Die Marienberger protestieren Jahre für eine Ortsumfahrung. Dann wird sie endlich gebaut, schafft Ruhe im Ort, beeinträchtigt aber Anlieger andernorts. Jetzt baut man wieder bis an die Straße. Als Bund, der die Umfahrung finanziert hat, käme ich mir verarscht vor. Vermutlich wäre die Belastung für alle geringer, wenn die B174 wieder mit 50 km/h durch Lauta führt und erst am Aqua Marien zur Umfahrung wird. Das Vorgehen ist doppelte Steuergeldverschwendung: Eine Umfahrung, die nicht entlastet und Lärmschutzwälle, die nicht ausreichend schützen. Solange es genug Brachen in den Ortsteilen gibt, sollten diese genutzt werden statt auf der grünen Wiese zu bauen.