Als Ursprung das Saturnfest?

Am Dienstag dürfte es beim Stadtgespräch in Olbernhau kontrovers werden. Zu Gast ist an dem Abend ein Mann, der den Mythos um die Männelkunst im Erzgebirge ins Wanken bringen könnte. Oder doch nicht?

Olbernhau.

Das zum 94. Mal vom Verein Tivoli Olbernhau angesetzte Stadtgespräch am kommenden Dienstagabend könnte den Mythos um die Ursprünge der erzgebirgischen Männelkunst ins Wanken bringen. Denn kein Geringerer als der Direktor des Dresdner Museums für Sächsische Volkskunst, Igor Jenzen, hat sich angesagt. Er hatte jüngst vor allem im Erzgebirge mächtig für Wirbel gesorgt. Denn im Zusammenhang mit der in seinem Museum gezeigten Sonderausstellung "Glück auf und ab ins Erzgebirg!", die am morgigen Sonntag ausklingt, hatte er eine Reihe von Thesen aufgestellt, wonach Pyramide, Schwibbogen, Lichterbergmann und Räuchermann einen anderen Ursprung haben als bislang angenommen.

Der gebürtige Hesse, der seit dem Jahr 2004 das Museum in Dresden leitet, glaubt belegen zu können, dass all diese Dinge ihren Ursprung im Saturnfest in Dresden im Jahr 1719 haben. Damals verheiratete Sachsens Kurfürst August der Starke seinen Sohn Friedrich August mit der österreichischen Kaisertochter Maria Josepha. Die Verbindung mit den Habsburgern sollte Sachsen gegen Preußen stärken. Die Hochzeit musste ein Jahrhundertereignis werden. Einen Monat lang wurde gefeiert.

Höhepunkt war das Saturnfest im Plauenschen Grund im Tal der Weißeritz, das dem Gott der Unterwelt - auch Herr über den Bergbau - gewidmet war. August der Starke wusste, dass der Hof seinen Reichtum dem Bergbau verdankte. 1400 Bergleute aus dem Erzgebirge ließ er in schmucken Habits aufmarschieren. Es gibt einen Kupferstich von 1724, der das belegt.

Igor Jenzen ist überzeugt, dass dieses überaus pompöse Fest die Bergleute so beeindruckt hat, dass sie zuhause davon erzählten und die Eindrücke nach Feierabend in Holz "verarbeiteten". So soll der Schwibbogen nicht dem Stollenmundloch oder dem Himmelsbogen, sondern den Arkaden des Saturntempels nachempfunden sein, die mit Fackeln bestückt waren. Die Pyramiden des Tempels sollen Vorbild für Weihnachtspyramiden gewesen sein - nicht wie bisher verbreitet die Pferdegöpel der Bergwerke. Selbst der Räuchermann in Gestalt eines Türken entspringe dem Saturnfest, meint Jenzen. Denn der Kurfürst ließ den Festplatz mit Soldaten umstellen, die zur Tarnung als Türken verkleidet waren und am Rande des Geschehens rauchten.

Igor Jenzen stellt sich dem Gegenwind, der ihm seit Wochen vor allem im Erzgebirge von namhaften Heimatforschern und Wissenschaftlern entgegenweht. Jenzen will daher seine Thesen zu den Hintergründen erzgebirgischer Weihnachtskultur am kommenden Dienstag Interessenten in Olbernhau erläutern. Bevor er 2004 das Sächsische Volkskunstmuseum als Direktor übernahm, befasste er sich als Wissenschaftler am Kunstgewerbemuseum in Dresden mit der Hofkunst.

Das Olbernhauer Stadtgespräch am 14. Januar beginnt um 19 Uhr im Theater Variabel im hinteren Teil des Olbernhauer Rittergutes am Markt. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

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