Altbergbau erfordert weiteres Eingreifen

Im Bereich Klosterberg in Annaberg-Buchholz soll ein neuer Schacht angelegt werden. Es geht darum, alte Stollen und andere Anlagen zu erkunden und zu sichern. Das geschieht mit jeder Menge Beton und harter Arbeit. Und das schon seit 2014.

Annaberg-Buchholz.

Noch in diesem Jahr soll für eine komplexe Sanierung im Annaberger Untergrund ein neuer Zugang angelegt werden. Im Auftrag des Sächsischen Oberbergamtes wird vom Klosterberg aus ein Schacht errichtet, der dort in die Tiefe führt. Zurzeit gibt es einen solchen auf einem nahe gelegenen Privatgrundstück, doch für die weiteren Arbeiten ist der neue Standort erforderlich. Allein in den vergangenen Monaten sind etwa 140 Kubikmeter Beton eingebracht worden, um ehemalige Bergbau-Anlagen nahe dem Stadtzentrum zu stabilisieren und zu verwahren. Ein Ende ist laut Projektleiter Frank Rottluff vom Oberbergamt nicht absehbar: "Es gibt sicher noch Etliches zu tun."

Ein weit verzweigtes Streckensystem, auf das die Mitarbeiter der beauftragten Bergsicherung Schneeberg vom jetzigen Schacht aus gestoßen sind, war nicht bekannt. Nun soll es weiter erkundet und gesichert werden. Geschieht das nicht, könnte es im schlimmsten Fall zu einem Tagesbruch kommen, bei dem sich die Erde auftut. Die bereits stabilisierten Strecken aus dem Altbergbau befanden sich zum Teil nahe an der Oberfläche, stellenweise habe es nur noch eine geringe Überdeckung gegeben. Als Strecke werden die Anlagen bezeichnet, wenn sie im Unterschied zu Stollen keinen Zugang von außen haben.

Die zuletzt verwahrten Bereiche führten unter anderem bis unter das Parkhaus vom Hotel "Wilder Mann". Um dort Beton in den Untergrund einzubringen, seien zwei Bohrungen notwendig gewesen. Denn vom bestehenden Schacht aus war das nicht möglich. Zwar sei Altbergbau am Klosterberg aktenkundig. "Aber es gibt kein altes Kartenmaterial", erläutert Rottluff. Daher wird weiter nach ehemaligen Strecken, Stollen und Abbauen gesucht. Solche größeren Hohlräume sind in den vergangenen Monaten ebenfalls gefunden und gesichert worden. "Da war zum Teil wirklich nicht mehr viel darüber", sagt der Fachmann.

Die Sanierung ist harte Arbeit, bei der der Einsatz moderner Technik nur eingeschränkt möglich sei. So werden etwa elektrische Bohrmaschinen verwendet. Doch das Beräumen der alten Bergbau-Anlagen erfolgt mit Hacke und Schaufel. Nur vom Schacht weg gebe es dann ein Förderband. Im Übrigen lässt die Analyse von Holz, das einst untertage eingebracht worden war, Rückschlüsse auf das Alter der Anlagen zu. Wie Frank Rottluff erklärt, steht nach der Untersuchung mehrerer Proben fest, dass diese aus der Anfangszeit des Bergbaus in Annaberg stammen - etwa von 1520.

Zurzeit arbeiten die Mitarbeiter der Bergsicherung Schneeberg daran, den jetzigen Schacht auf Privatgelände zurückzubauen und mit Beton zu verfüllen. Das geschieht so, dass er später für Kontrollen genutzt werden kann. Danach wird der neue Zugang vom Klosterberg aus angelegt. Das Ganze ist Teil von Arbeiten, die schon 2014 in einem anderen Bereich begonnen haben. Schäden erforderten damals ein schnelles Handeln von der Kleinen Kirchgasse aus. Die Sanierung erfolgte schließlich in einem großen Areal - etwa unter Teilen der Wolkensteiner Straße, der Kleinen Kirchgasse und des Fleischerplatzes. Die Kosten für das Projekt werden inklusive der Arbeiten 2018 auf gut 2 Millionen Euro beziffert - finanziert vom Freistaat.

Ein alter Stollen sorgte zuletzt auch auf der Baustelle Klosterstraße für Aufsehen. Wie die Stadt mitteilte, stammt dieser wohl ebenso aus der Gründungszeit Annabergs. Arbeiter hatten ihn zwischen den Häusern mit der Nr. 17 und 19 entdeckt. Nach Angaben von Abteilungsleiter Martin Herrmann vom Sächsischen Oberbergamt handelte es sich um Hohlräume in geringer Tiefe. Deren Verwahrung ist erfolgt, der Bereich wurde ausgemauert und mit Beton verfüllt. Ob eine weitere Erkundung und Sicherung in Richtung des einstigen Klostergeländes nötig ist, werde noch geprüft.

Im Übrigen war laut Frank Rottluff vom Oberbergamt bekannt, dass es auch in dem Bereich einmal Bergbau gab. Das bestätigt der hiesige Heimatforscher und Antiquar Frank Dahms. Er hat alte "Freie Presse"-Artikel von 1986 aufgehoben, die das belegen. "Da ich zu dieser Zeit in der Klosterstraße 19 wohnte, konnte ich mich sofort an diese Begebenheit erinnern", so Dahms.

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