Alte Liebe auf zwei Rädern: Aus der Scheune ans Tageslicht

Meine MZ: Michael Riedel hat mit seiner ETZ 250 schon viel erlebt. Darunter zwei Fahrten zu dritt mit Kleinkind. Und die Bekanntschaft mit einem netten polnischen Grenzbeamten.

Crottendorf.

Mit großer Begeisterung hat Michael Riedel aus Crottendorf den Artikel "Traditionsmarke aus Zschopau, Nummer 1 auf Kubas Straßen" vom 18. März gelesen. Und er hat seine Erfahrungen aufgeschrieben:

"Ich bin seit 1986 begeisterter MZ-Fahrer und stolzer Besitzer einer ETZ 250, Baujahr 1986. Noch heute fahre ich regelmäßig meine MZ. Vor ein paar Jahren wurde ich etwas belächelt, weil ich mir kein moderneres Motorrad kaufen oder leisten wollte. Mittlerweile hat sich das geändert, denn meine Maschine als ehemalige Retour-Exportmaschine in metallic-blau ist mit ihrem zeitlosen Design nach wie vor wettbewerbsfähig und ein Blickfang für andere Motorradfahrer.


Geschichten mit meiner 250-er könnte ich einige erzählen. Ich habe mir zwei für mich wichtige herausgesucht. 1988 wurde meine Tochter geboren. Leider hatten wir noch kein Auto. Nach der Anmeldung zum Pkw-Führerschein musste ich drei Jahre warten, bis ich die Fahrschule absolvieren durfte. Zum Urlaub nach Neuruppin 1989 fuhren wir dann einen Teil der Strecke zu dritt. Meine Frau auf dem Sozius, meine einjährige Tochter in der Mitte. Ich habe die beiden damals nach Karl-Marx-Stadt zum Bahnhof gefahren - 50 Kilometer -, in Oranienburg von der S-Bahn abgeholt, und dann sind wir die 60 Kilometer noch gemeinsam nach Neuruppin gefahren. Den Buggy für meine Tochter hatten wir auf dem selbst gebauten Gepäckträger hinten quer verstaut. Leider habe ich aus dieser Zeit kein Fotomaterial, das uns zu dritt auf der MZ zeigt.

Nachdem wir Ende 1988 nach Karl-Marx-Stadt gezogen sind, hatte ich keine Möglichkeit, meine MZ unterzustellen, und ich fuhr nur noch gelegentlich. 1990 habe ich sie dann bei meinen Großeltern im Schuppen eingemottet. 1997 sind wir wieder nach Crottendorf gezogen, und ich habe meine 250-er flott gemacht. Nach der Reinigung von Tank, Vergaser und Luftfilter, der Zündungseinstellung und dem Getriebeölwechsel konnte ich das Motorrad nach fünfmaligem Antreten wieder zum Leben erwecken. Ich habe es dann umgehend zum Tüv gebracht und neu anmelden lassen. Seit dieser Zeit ist es in der Saison von April bis Oktober wieder mein Wegbegleiter auf zwei Rädern.

2003 habe ich in einem Unternehmen in Polen gearbeitet. Dort war es Tradition, einmal im Jahr eine Fußball-Meisterschaft zwischen den einzelnen Produktionsstandorten durchzuführen. Zu diesem Event bin ich mit meiner MZ von Crottendorf über die Tschechische Republik nach Polen, Wałbrzych (Waldenburg/Niederschlesien) gefahren. An der Grenze zu Polen wollte der polnische Grenzbeamte wissen, wie alt mein Motorrad ist. Als ich ihm antwortete, war er sichtlich begeistert. Dann verlangte er meine Grüne Versicherungskarte, die ich leider vergessen hatte. Deshalb wollte er mich nicht nach Polen einreisen lassen.

Nach einer längeren Diskussion und einem Augenzwinkern ließ er mich dann doch noch einreisen, und ich konnte am Fußballfest in Wałbrzych teilnehmen.

Heute fahre ich oft mit einem meiner besten Freunde, Clemens Schubert aus Leipzig. Er besitzt eine MZ TS 250. Gemeinsam haben wir viele schöne Touren absolviert.

Ich bin als Erzgebirger überaus stolz auf die Tradition des Motorradbaus in unserer Heimat und stolz darauf, eine Maschine der Marke MZ, dem ältesten Motorradserienproduzenten der Welt, zu besitzen. Schade, dass es MZ als Marke heute nicht mehr gibt, dafür ist es umso wichtiger, diesen Namen in unseren Traditionen und Erinnerungen weiterleben zu lassen."

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