Am Schacht hat's gefunkt: Über ein seltsames Hobby

Zu Christi Himmelfahrt bleiben viele Männer gern unter sich. Ein paar Hobbyfunker aus der Region haben stattdessen Kontakt mit Menschen aus der ganzen Welt aufgenommen. Warum?

Marienberg.

Eine sechs Meter große Spinne aus Drahtgeflecht und Antennen lässt Ausflügler am Bergbaulehrpfad Am Abrahamschacht vor der Toren Marienbergs aufschauen. Unverständliche Worte in einem Gemisch aus Deutsch, Englisch, einzelnen Buchstaben und Zahlen sorgen für bei den Besuchern vollends für Wirrwarr. An einem Funkgerät sitzt Max Schönherr vor dem Schacht. Deutlich buchstabiert er D-L-O-M-A-B, erkundigt sich nach seinem Funkpartner am anderen Ende und meldet mit "MA-DL-146" eine neue und ab sofort offizielle Funkadresse.

"Mining activity" lautet der englische Fachbegriff für die Aktivierung einer bergbaulichen Einrichtung in der Welt der Amateurfunker, zu der weltweit jedes Jahr zu Christi Himmelfahrt, dem internationalen "Mining activity day", aufgerufen wird. Ziel ist es, auf Zeugnisse des Bergbaus rund um den Erdball aufmerksam zu machen und auf diese Weise Gäste in die Region zu locken. "Seit heute früh gab es bei mir bereits sechs Kontakte, auch wenn der Empfang wetterbedingt nicht so toll ist", sagt Schönherr.

Seit 2012 ist er im Besitz der Funklizenz, war damals der jüngste Amateurfunker Deutschlands und gehört heute zu den 40 Mitgliedern des Funkclubs "S 48 Annaberg-Buchholz". Etwa 30 Anlagen der Region haben die Funker in Zusammenarbeit mit der Ortsgruppe Olbernhau auf diese Weise bereits aufgenommen. Ein ähnliches Projekt: "Castle on the Air", bei dem am Maifeiertag auf gleiche Weise Schlösser, Burgen und Ruinen im internationalen Funkverkehr eine Rolle spielen.

Dieter Schönherr, Mitglied der Marienberger Bergbauknappschaft, funkte am Donnerstag mit einem Gleichgesinnten auf Korsika. Auch Kontakte mit Großbritannien, Finnland und einem Holländer hatte der 69-Jährige an diesem Vormittag schon. Schönherr war bis 1970 bei der Wismut AG unter Tage tätig und gehört zur Interessengemeinschaft funkender Bergbauangehöriger (IGARAG) Bei den bergmännischen Funkaktivitäten handle es sich um ein Geben und Nehmen, denn auch anderswo werden Mundlöcher, Stollen, Gruben oder Bergbauschächte aktiviert.

Sicher sei ihr Hobby nicht für jedermann nachzuvollziehen. "Muss es ja auch nicht", räumt Holger Müller sachlich ein und geht mit Blick auf die große Navis-Antenne, die an ein Notfunkgerät angeschlossen ist, einen Schritt weiter: "Die Bedeutung des Amateurfunks beschränkt sich heute nicht auf touristische Zielstellungen oder auf Small-Talk mit Gleichgesinnten", klärt der Ortsverbandsvorsitzende auf. Gerade bei Katastropheneinsätzen sei diese Art von Kommunikation die meist einzig noch mögliche, wenn flächendeckend und für lange Zeit der Strom ausgefallen. So sei es ein Hobbyfunker gewesen, der nach dem Lawinenunglück in Galtür 1999 die ersten Informationen in die Welt schickte. Auch zur Jahrhundertflut 2002 wurde das Amateurfunknetz zu einer wichtigen Verbindung in die Außenwelt.


80.000 Amateurfunker sind in Deutschland aktiv

Der Amateurfunk ist im Sinne der Internationalen Fernmeldeunion ein von Amateuren ausgeübter, globaler und nicht kommerzieller Weg des Funkdienstes. Die Anhänger setzen sich dabei folgende Ziele: Das Selbststudium der Funktechnik, die Kommunikation untereinander sowie technische Untersuchungen.

Funkamateure müssen ein Zulassungsverfahren bestehen und dürfen ihr Hobby nicht aus finanziellem Interesse betreiben.

Zwei Millionen Funkamateure üben derzeit weltweit ihr Hobby aus. In Deutschland liegt die Anzahl bei 80.000. Rund 70 Prozent der deutschen Hobbyfunker sind Mitglied im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC), dem Bundesverband für Amateurfunk. Der Verband gliedert sich in mehr als tausend Ortsverbände.

Im Bundesverband fanden 2016

87 Amateurfunkprüfungen statt, aus denen 1042 Amateurfunkgenehmigungen hervorgingen. In den beiden Vorjahren lag die Anzahl bei 997 (2015) und 849 (2014) Genehmigungen. 2016 sind 1197 Prüfungsteilnehmer gezählt worden. (mdeg)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...