Amerikaner schließen Wilhelm ins Herz

Der Nussknacker aus dem Erzgebirge ist schon weit in der Welt gereist. Jetzt war er in den USA - und sah schicke Frauen, fliegende Motorräder und einen Superstar.

Canyon Lake/Seiffen.

Am Nordkap, in Südamerika und selbst in der Südsee war Wilhelm schon. Seit zwei Jahren reist der kleine Nussknacker aus dem Erzgebirge durch die Welt - stets im Gepäck von Menschen, denen Erschaffer Markus Füchtner aus Seiffen seinen Liebling anvertraut. Bei einer früheren USA-Reise kam es für Wilhelm einmal ganz dicke: In einem Footballstadion hatte er seinen rechten Fuß verloren. Jetzt reiste der Nussknacker wieder in die Vereinigten Staaten. Auf dem Programm standen Motocross, Sehenswürdigkeiten und: Heilung für den verlorenen Fuß.

"Die Reise ist der Jahreshöhepunkt", sagt Tom Neubert aus Seiffen. Er hat Wilhelm mitgenommen, als er vor knapp drei Wochen zusammen mit einem Freund in die USA aufbrach. Der 35-Jährige ist begeisterter Motocross-Fan und fährt selbst leidenschaftlich gern. In Kalifornien angekommen, verbrachte er die ersten zwei Wochen in einem Motocross-Camp. Bei 25 Grad Celsius und blauem Himmel ging es jeden Tag auf die Rennstrecke, auf der bis zu 200 Fahrer unterwegs waren. Mit einem Leihmotorrad preschte Neubert die Strecken entlang, durch scharfe Kurven und auf steilen Hügeln. "In Deutschland ist Motocross nicht so populär", meint Neubert. "Aber hier in den USA ist es ein Traum für Fans." Er hat sogar Szene-Star Jeremy McGrath getroffen.

Mit 14 Jahren hat der Seiffener mit dem Motocross angefangen und war auch schon bei der Sachsenmeisterschaft. Zwar fährt er seit gut fünf Jahren nicht mehr. Mit dem USA-Trip wollte er sich noch einmal einen Traum erfüllen. "Und den auch mit Wilhelm teilen", scherzt er.

So hat Neubert den kleinen Nussknacker mit auf die Rennstrecke genommen und auch auf eine Tour in die nahegelegen Metropole Los Angeles. Die Amerikaner haben den kleinen, hölzernen Erzgebirger offenbar schnell ins Herz geschlossen. "Sie kennen Nussknacker, wissen aber nicht, woher diese kommen", berichtet Neubert. "Alle fanden Wilhelm sehr interessant und wollten Fotos." Ohnehin seien die Menschen in den USA sehr freundlich und offen. "Das kennt man in Deutschland gar nicht so", meint Neubert. Er findet es super, etwas aus der Heimat in die Welt zu tragen - und dass sich Menschen daran so erfreuen.

Höhepunkt der Reise war schließlich in der Stadt Anaheim: ein Supercross-Wettbewerb. In einem riesigen Stadion mit 40.000 Zuschauern flogen die Motorräder durch die Luft - und Wilhelm war mittendrin. Ob er aufgeregt war? Vielleicht. Tom Neubert hatte jedenfalls Lampenfieber. Er durfte als Fahrer in der Amateurklasse antreten. "Als ich in der riesigen Halle stand, war ich schon aufgeregt. Es war beeindruckend", sagt Neubert. Er war einer von drei Deutschen, die mitgemacht haben und landete auf dem elften Platz.

Nach dem Wettbewerb war geplant, Ersatz für Wilhelms Fuß zu besorgen. Es sollte ein Stück Holz von einem Josua-Baum sein, für die Kaliforniens Wüsten bekannt sind - geklappt hat das aber nicht. Neuberts Begleiter war beim Fahren gestürzt, die Motocross-Fans mussten die Reise ein paar Tage früher beenden - und Wilhelm bleibt lädiert.

Seinen Erschaffer Markus Füchtner stört das nicht. "Das sind Reisespuren. Und so weiß jeder, dass es Wilhelm ist." Der kleine Nussknacker ist mittlerweile wieder in Seiffen eingetroffen. Doch schon bald wird es erneut auf Tour gehen. "Wilhelm hat einen vollen Terminkalender", sagt Füchtner: "Indien, Kanada, China - vieles steht auf der Liste." Für die kommende Reise muss sich der Nussknacker allerdings warm anziehen. Es soll zu den Olympischen Winterspielen ins südkoreanische Pyeongchang gehen.

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