Angeklagter entschuldigt sich vor dem Richterstuhl

29-Jähriger muss sich wegen Körperverletzung verantworten

Marienberg.

Eine nicht alltägliche Verhandlung fand am Dienstag am Amtsgericht Marienberg statt. Auf der Anklagebank saß ein 29-jähriger Potsdamer, der im Herbst 2017 in einem Oberwiesenthaler Hotel übernachtete. Er war damals als Arbeiter vor Ort. Eines Nachts, es war der 18. November, rastete er aus. Nachdem ein Hotelmitarbeiter versucht hatte, einen Streit zwischen dem Angeklagten und Gästen zu schlichten, eskalierte die Situation. Der Mann warf mit einem Handy nach einem Hotelangestellten, schlug und trat auf ihn ein. Eine gebrochene Nase und eine Schädelprellung waren die Folgen, drei Wochen lang war der Geschädigte krankgeschrieben. Auch gegenüber den gerufenen Polizisten wurde der Potsdamer ausfällig. Er widersetzte sich den Beamten, bespuckte und beleidigte sie.

Während der Verhandlung zeigte sich aber, dass der Angeklagte zwar Täter war. Doch so einfach lassen sich die Geschehnisse jener Nacht nicht fassen. Denn er leidet an einer schweren Krankheit, auch damals schon, nahm starke Medikamente. Nach einem Streit mit seiner Ex-Freundin betrank sich der psychisch instabile Mann. Die Mischung aus Medikamenten und Alkohol führte zu einem Vollrausch. Er war buchstäblich nicht mehr Herr seiner Sinne, wie es der Staatsanwalt formulierte. Erinnern konnte er sich an die Taten kaum bis gar nicht. Blackout.


Doch der Angeklagte räumte die ihm vorgeworfenen Taten ein. Er entschuldigte sich bei den Polizeibeamten und dem Hotelangestellten. Nach der Zeugenanhörung gab Letzterer dem Angeklagten sogar die Hand. Am Ende wurde der arbeitslose 29-Jährige zu einer Geldstrafe in Höhe von 700 Euro wegen fahrlässigen Vollrausches verurteilt. Die Verfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung der Polizisten wurden zuvor eingestellt. Es sei nicht einfach gewesen, diesen Fall sachgerecht zu beurteilen, sagte der Richter. Immerhin habe der Angeklagte mit erheblichen Problemen zu kämpfen. Und am Ende täten ihm die Vorfälle am meisten leid. Der Angeklagte müsse aufpassen, künftig nicht wieder in so eine Situation zu geraten. Denn der Vorfall in dem Hotel sei nicht das erste Vergehen gewesen. Bei einem weiteren landet er vielleicht im Gefängnis. "Wenn Sie in den Strafvollzug kommen, gehen sie krachen. Gehen Sie in die richtige Richtung, lassen Sie sich helfen", so der Richter. Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig.

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