Ausgezeichnete erinnern an andere Zeit

28 Feuerwehrleute aus dem mittleren Erzgebirge sind in Großrückerswalde für ihr jahrzehntelanges Engagement geehrt worden. Bei Dienstantritt hatten sie noch mit ganz anderen Herausforderungen zu kämpfen als mit Bränden und Unfällen.

Großrückerswalde.

Bis 1959 waren die Staatsflaggen der DDR und der BRD gleich. Erst das Gesetz zur Änderung brachte in jenem Jahr Hammer, Zirkel und Ährenkranz auf den schwarz-rot-goldenen Hintergrund. Außerdem wurden kurz vor dem Beginn der 1960er-Jahre die ersten Landwirtschaftlichen Produktionsgemeinschaften gegründet. Darüber berichtete Mario Mischok in Großrückerswalde nicht etwa, um der ostdeutschen Geschichte zu huldigen. Vielmehr wollte der Kreisbrandmeister des Erzgebirges deutlich machen, wie lange die dienstältesten Kameraden der freiwilligen Feuerwehren des mittleren Erzgebirges schon dabei sind.

Zu deren Auszeichnung war Mischok ins Hofgut "Zur Schneunenwirtin" gekommen. Bei seiner Zeitreise ging er auch auf die erste TV-Sendung in Farbe (1969) und den ersten Atomunfall in den USA (1979) ein. Denn neben den Jubilaren mit 60 Jahren Dienstzeit wurden auch solche mit 50 und 40 Jahren geehrt. Und die hatten ihre eigenen Geschichten über die vergangenen Jahrzehnte zu erzählen.


Von Trompeten alarmiert

Horst Melzer: Weil sich die Feuerwehr direkt in der Nachbarschaft befand, führte für den gebürtigen Satzunger kein Weg daran vorbei. Am 7. April 1957 schloss er sich der Gruppe an, die damals häufig ins Schwitzen kam: "Es ging gleich rund. Wegen der einfachen Technik war Handarbeit gefragt." Mithilfe eines Vorbaus wurde der Feuerwehrwagen von den Kameraden gezogen. Neben Muskelkraft kam es auf gutes Gehör an. Denn bis in die späten 1970er-Jahre wurden die Kameraden von Trompeten alarmiert. "Zwei, drei Leute haben dann Feuer geblasen", so Melzer. Zweimal musste er dabei auch in die Fabrik ausrücken, in der er selbst arbeitete und Tennisschläger sowie Schuhabsätzen aus Holz mit produzierte: "Das war schon bitter." Ab 1978 erfolgte die Alarmierung mit der Sirene. Die Wehr wurde moderner - und Horst Melzer 1993 Wehrleiter. 19 Jahre lang führte er die Truppe, der er mit 82 Jahren weiter angehört. (anr)


Familientradition fortgesetzt

Katharina Trübenbach: Wie der Vater, so die Tochter. Mit ihrem Mitwirken in der Großolbersdorfer Feuerwehr setzte Katharina Trübenbach eine Familientradition fort. Dass sie vor 50 Jahren diesen Schritt wagte, lag auch an zwei Klassenkameradinnen. "In der Frauenlöschgruppe müssen wir mitmachen", sagten sich die Schülerinnen. Dass bei Alarm ins Depot oder direkt zum Einsatzort gerannt werden musste, störte sie nicht. "Es gab ja kein Auto", so die einfache Erklärung. Außerdem hielten sich die Mädels so fit und wurden Ende der 1970er-Jahre sogar Bezirksmeisterinnen. Neben Wettkämpfen gehörten vorbeugende Maßnahmen zum Alltag. "Wir sind herumgezogen und haben Leuten erklärt, dass sie zum Beispiel kein Holz am Ofen stapeln sollen", berichtet die heute 65-Jährige. Von der Truppe damals ist nur noch sie übrig geblieben. Trotzdem konnte die Frauengruppe gerade ihr 55-jähriges Bestehen feiern. (anr)


Nachwuchs im Fokus

Michael Schönherr: Mit acht Jahren entdeckte der Marienberger seine Leidenschaft, mit 19 war er schon selbst Leiter der örtlichen Jugendwehr. Inzwischen fungiert Schönherr sogar als stellvertretender Stadtwehrleiter. Doch den Fokus richtet er immer noch auf die Nachwuchsarbeit - unter anderem als zweiter stellvertretender Kreisjugendwart. "Ohne die Jugend geht es nicht", sagt der gelernte Industriemechaniker, der sich auf die Unterstützung seiner Frau verlassen kann. Ein Großteil der Arbeit lässt sich somit auch von Zuhause erledigen. Zum Beispiel die Vorbereitung der Jugendfeuerwehrtage, die in diesem Jahr knapp 700 Teilnehmer anlockten. "Und für den Badetag am 22. November gibt es auch schon 580 Anmeldungen", frohlockt der 34-Jährige. Solche Aktionen sind es, die ihm sowie seinen Marienberger Kollegen Frank Thiel und Jürgen Richter eine Sonderauszeichnung für die Nachwuchsarbeit bescherten. (anr)


Noch immer am Feuer

Horst Beierlein: Als gelernter Klempner und Installateur war es der Gornauer gewohnt, anderen zu helfen. "Aber ich wollte noch mehr tun", erklärt er, warum er sich am 1. März 1959 der freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatort anschloss. Seine handwerklichen Fähigkeiten kamen Horst Beierlein dabei zugute. "Aber ich habe trotzdem noch einiges dazu gelernt", betont er. Nur selten kam es vor, dass er sich machtlos fühlte. So wie bei einem fruchtbaren Waldbrand, beim die Glut in der Erde stets aufs Neue vom Wind entfacht wurde. Kaum habe er sich nach dem vermeintlichen Löschen umgedreht, da brannte es schon wieder. "Aber zum Glück sind in meiner Zeit relativ wenige große Unglücke passiert", sagt der 79-Jährige, der auch heute noch alle zwei Wochen zur Wehr geht. Feuer spielt dabei weiterhin eine wichtige Rolle. Erst kürzlich musste Horst Beierlein am Grill 100 Bratwürste für die Kameraden zubereiten. (anr)

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