Autodidaktin gestaltet Fassade nach historischem Vorbild

Lüftlmalerei ziert Fassaden auch an Häusern im Erzgebirge. "Freie Presse" erzählt die Geschichte dahinter, heute von Dagmar Drechsel in Reitzenhain. Diese hatte einen besonderen Wunsch, und der hängt mit ihrem Großvater zusammen.

Arbeitsmittel und Fotos früherer Arbeiten: Doreen Fiedler hat bei ihrer Tätigkeit alles griffbereit. Die Autodidaktin widmet sich seit zehn Jahren auch der Fassadenmalerei.
Dagmar Drechsel hält die Vorlage in den Händen, an die sich Doreen Fiedler hält - mit gewissen künstlerischen Freiheiten. Das Motiv schmückt eine Hauswand der Drechsels in Reitzenhain.

Von Dirk Trautmann

An einem Haus in Reitzenhain ist ein neu entstandenes Wandgemälde zu sehen. Es zeigt das Haus, wie es früher war - und irgendwie auch nicht. Diese künstlerische Freiheit nimmt sich Doreen Fiedler, indem sie einen kleinen Bach dazu malt, der neben dem "Haus am Haus" vorbei fließt. Denn da gibt es am richtigen Haus keinen Bach, die Schwarze Pockau fließt ein paar Meter weiter und in eine ganz andere Richtung.

Doreen Fiedler bemalt die Fassade des Hauses von Dagmar Drechsel in deren Auftrag und mit einer festen Vorgabe. "Es gibt ein Foto von 1901, auf dem mein Großvater als Kind vor dem Haus zu sehen ist. Ich möchte ein Bild des Gebäudes, wie es damals ausgesehen hat, auf der Fassade haben", sagt die Reitzenhainerin.

In diesem Jahr ist die Fassade an Dagmar Drechsels Haus erneuert worden. Und da war eben diese freie Stelle, "die sich für ein Wandbild geradezu anbietet". Die Auftraggeberin hat schon mehrere Arbeiten von Doreen Fiedler gesehen, auch das Bild, das sie an eine Hauswand in Satzung gemalt hatte. Und eigentlich sollte das Wandbild schon längst fertig ein, doch der warme Sommer kam dazwischen.

"Ich arbeite mit Dispersionsfarben, und die kann ich bei höheren Temperaturen nicht verwenden, weil sie krümeln", erzählt die Freiberuflerin, der es auch nicht an der Wiege gesungen wurde, dass sie ihren Lebensunterhalt dereinst mit Malen verdienen wird.

"Ich hatte schon zwei Berufe, Industriekauffrau und Dekorateurin. Ich hatte schon immer gern gemalt und habe das, was ich am liebsten mache, zum Beruf gemacht", erzählt die 46-jährige Autodidaktin. Doreen Fiedler gibt viele Kurse, beispielsweise in Marienberg und in Chemnitz, und vor zehn Jahren ist die Fassadenmalerei dazu gekommen. In Erlbach hat sie beispielsweise das halbe Dorf auf eine große Wand gemalt, aber sie vertritt auch eherne Prinzipien: "Ich male alles außer Hirsche und Rehe."

Die Wiesenbaderin hat ein Aquarell als Vorlage erstellt, Hilfsmittel wie einen Projektor, der das Motiv auf die Wand wirft, lehnt sie kategorisch ab. Die Qualitätskontrolle wohnt gleich hinter der Wand, die sie bemalt. "Ich muss nicht nachschauen, Doreen macht das", hat Dagmar Drechsel volles Vertrauen in die Malerin.

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